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21.02.2017

14:02 Uhr

Volkswagen-Betriebsversammlung

Streit um den Zukunftspakt soll beigelegt sein

Der VW-Betriebsrat und Markenchef Herbert Diess hatten sich einen heftigen Streit über die Umsetzung des Zukunftspaktes geliefert. Dieser ist jetzt offenbar beigelegt. Neuigkeiten gibt es auch in Sachen Batteriezellen.

Der Betriebsratschef hatte VW-Markenvorstand Herbert Diess öffentlich attackiert. dpa

Bernd Osterloh

Der Betriebsratschef hatte VW-Markenvorstand Herbert Diess öffentlich attackiert.

WolfsburgBei Volkswagen ist ein Streit zwischen Unternehmen und Betriebsrat über die Umsetzung eines Reformprogramms beigelegt worden. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte am Dienstag auf einer Betriebsversammlung in Wolfsburg nach Angaben eines Sprechers, in einem Brief sage der Vorstand zu, auf den „Vertragsstand“ zurückzukommen.

Demnach geht es dabei etwa um die Auflösung einer dritten Schicht an einer Montagelinie, die nun vom Tisch sei – wie auch ein Schreiben an die Personalleiter, mit dem der interne Arbeitsmarkt „blockiert“ werden sollte. Ein VW-Sprecher bestätigte, die Streitpunkte, die der Betriebsrat angesprochen habe, seien in der vergangenen Woche beigelegt worden.

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VW-Markenchef Herbert Diess ging vor der Belegschaft nicht auf den Streit mit dem Betriebsrat ein. Er drang aber auf eine rasche Umsetzung des Zukunftspakts. 2017 werde ein gutes, aber auch anstrengendes Jahr, sagte Diess am Dienstag vor Tausenden VW-Beschäftigten im Wolfsburger Stammwerk. „Vor allem den Zukunftspakt müssen wir schnell und konsequent umsetzen“, betonte er einer Mitteilung zufolge.

Management und Betriebsrat hatten im vergangenen November einen „Zukunftspakt“ vereinbart. Das Spar- und Umbauprogramm soll die renditeschwache Kernmarke VW profitabler machen und gleichzeitig Milliarden für neue Geschäftsfelder bereitstellen. Über die Umsetzung war kürzlich ein heftiger Streit ausgebrochen. Der Betriebsrat hatte Diess Wortbruch vorgeworfen und deshalb einige Projekte vorerst auf Eis gelegt.

Osterloh bekräftigte auch, dass VW den Einstieg in eine Massenfertigung von Batteriezellen in Salzgitter erwägt. Der Autobauer hatte auch als Reaktion auf den Dieselskandal angekündigt, die Elektromobilität massiv auszubauen. Bisher werden Batteriezellen als wichtige Komponente vor allem in Asien produziert.

Osterloh sagte laut Mitteilung: „Zum Zukunftspakt gehört auch das Erproben der Herstellung von Batteriezellen im industriellen Maßstab. In einem zweiten Schritt ist in Salzgitter der Einstieg in die Massenfertigung von Batteriezellen geplant, soweit dies wirtschaftlich tragbar ist.“

Was der Zukunftspakt für die VW-Standorte bedeutet

Wolfsburg

Bis 2020 sollen am Stammsitz rund 1000 Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern entstehen. Der nächste Golf 8 für die USA soll in Wolfsburg gefertigt werden, außerdem ein SUV für die spanische Tochter Seat. In anderen Bereichen läuft die Fertigung bis 2022 aus – unter anderem beim Lenkstangenrohr und der Räderfertigung.

Kassel

Das größte Teilewerk des Konzerns soll im VW-Konzern das Leitwerk für den Elektro-Antriebsstrang werden – samt Entwicklungsaufgaben. Zudem sollen in Nordhessen auch mehr Ersatzteile gefertigt werden.

Salzgitter

Das Motorenwerk in Salzgitter gilt als einer der Verlierer aufkommender E-Antriebe. Der Standort soll daher die Federführung bei der Entwicklung von Batteriezelltechnologien erhalten und – soweit wirtschaftlich tragbar – auch die Serienfertigung der Zellen. Die Produktion von Hauptkomponenten für E-Motoren soll sich Salzgitter mit Kassel teilen.

Emden

Ab 2019 soll Emden ein viertes Modell bekommen, um die Auslastung des Werkes an der Küste zu sichern. Im Zuge der Abgasaffäre hatte VW im März angekündigt, die Verträge von 2150 Leiharbeitern nicht zu verlängern.

Hannover

Die Gießerei und der Bereich Wärmetauscher standen auf dem Prüfstand, bleiben aber erhalten und sollen auch Komponenten für die E-Antriebe der Zukunft liefern. Zudem wird in der Gießerei der 3D-Druck von Teilen angesiedelt. In beiden Bereichen fallen jedoch Stellen weg.

Braunschweig

Das Werk bekommt die Entwicklung für Batteriesysteme in den Produktionsbaukästen des Konzerns sowie die Montage von einigen Batterien. Zudem soll die Produktion von Lenkungen ausgebaut werden. Die Kunststofffertigung wird dagegen bis 2021 eingestellt, auch Fahrwerke werden wohl Arbeit verlieren.

Zwickau

Neue Golf-Modelle sollen auch weiter in Zwickau gebaut werden, zudem soll das Werk ein Elektromodell erhalten. Dennoch wird die Zahl der Beschäftigten sinken.

Bei der Vorstellung des Zukunftspakts im November hatte es geheißen, das VW-Motorenwerk Salzgitter habe gute Chancen, künftig möglicherweise auch Batteriezellen für Elektroautos produzieren zu können. Beim Ausbau der Elektromobilität stehen viele Jobs in der Herstellung klassischer Verbrennungsmotoren auf der Kippe.

Osterloh forderte zudem mehr Anstrengungen der Politik bei der Förderung der Elektromobilität. „Da denke ich zum Beispiel an die Lade-Infrastruktur. Da kann die Bundesregierung, wenn es nach mir geht, gerne ein bisschen aktiver werden.“ Als ein Grund für die schleppende Nachfrage nach Elektroautos gilt auch eine bisher fehlende flächendeckende Lade-Infrastruktur.

Von

dpa

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