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27.04.2013

11:06 Uhr

Volkswagen-Chef Winterkorn

Stammpersonal sicher, Leiharbeiter auf der Kippe

Die Krise des europäischen Automarkts geht an VW nicht spurlos vorbei. Konzernchef Martin Winterkorn will in Deutschland zwar weder Werke zu schließen, noch Stammpersonal abzubauen. Aber Leiharbeiter könnte es treffen.

Martin Winterkorn: VW könnte sich von Leiharbeitern trennen. dpa

Martin Winterkorn: VW könnte sich von Leiharbeitern trennen.

Wolfsburg/WienEuropas größter Autobauer Volkswagen überdenkt im Sog der europäischen Absatzkrise seine Personalstärke. In einem Fernsehinterview mit dem Österreichischen Rundfunk räumte VW-Chef Martin Winterkorn am Freitagabend entsprechende Überlegungen ein, schloss davon aber die Kernbelegschaft des Konzerns eindeutig aus. „Stammpersonal ist sicher ein Thema, wo wir festhalten werden. Über die Leihkräfte werden wir nachdenken müssen“, sagte der Manager dem ORF. Die Standorte auf dem Heimatkontinent einzuschränken, stehe dagegen nicht zur Debatte. „Wir werden aus Europa keine Kapazitäten abziehen, sondern werden die Kapazitäten in Europa erhalten.“

2012 war in Westeuropa, einem VW-Kernmarkt, das mieseste Autojahr seit mehr als zwei Dekaden. Und während Europas Absatzmarkt derzeit weiter bergab rauscht, gibt VW in Asien Vollgas. Angesichts dieser Entwicklung müssten nun daheim alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um zu sparen. „Nachdem wir einen Großteil unserer Fabriken in Europa haben, müssen wir uns hier auf die Stagnation, vielleicht sogar einen Rückgang in Europa einstellen. Mit Flexibilität, mit allem, was wir im Köcher haben, um flexibel zu sein“, kündigte Winterkorn an.

Der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Industriekonzern hatte schon am Donnerstag bei der VW-Aktionärsversammlung in Hannover von der Notwendigkeit zu mehr Flexibilisierung gesprochen, aber keine Details zur näheren Bedeutung dieses Krisenvokabulars genannt.

Wie seit kurzem bekannt, müssen bei VW in den USA 500 Leiharbeiter aus der Passat-Produktion im Werk Chattanooga (Tennessee) gehen. Auch hierzulande hatten sich schon erste Krisenzeichen bemerkbar gemacht: In Emden fuhr VW zuletzt erneut die Passat-Produktion zurück. Nachdem die Belegschaft im Dezember bereits eine Woche mehr Weihnachtsurlaub bekommen hatte, wurde auch die Osterpause verlängert. Am Mittwoch hatte der Dax-Konzern in Eckzahlen zum ersten Quartal 2013 einräumen müssen, dass Betriebsergebnis und Überschuss eingebrochen waren.

Jedoch steht hinter diesen schlechten Nachrichten ein gewaltiger Basiseffekt: 2012 war bei Volkswagen das beste Jahr der Geschichte und auch aktuell steht VW vergleichsweise gut da. Ford, Opel oder Peugeot-Citroën wollen in Europa sogar einzelne Werke dichtmachen.

Von

dpa

Kommentare (13)

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premium_is_bwl_fake

27.04.2013, 12:31 Uhr

Nach der china expansion gibts auch bei vw nur noch ein mantra. Und das heisst industry 4.0 oder sollte ich volle automatisierung sagen?!

wer es noch nicht checkt, roboter arbeiten bereits heute fuer einen stundenlohn von 3,40 us dollar.

http://singularityhub.com/2013/02/07/us-unemployment-is-7-9-are-robots-to-blame/

Vicario

27.04.2013, 13:15 Uhr

Zitat : „Stammpersonal ist sicher ein Thema, wo wir festhalten werden. Über die Leihkräfte werden wir nachdenken müssen“

- mit Stammpersonal läßt sich auf Kosten der Steuerzahler auch wieder eine Abwrackprämie einrichten......die Leihkräfte kann man einfach wie Dreck entsorgen....das sind ja Menschen dritter Klasse, die keinerlei Rechte haben....?!

Zitat : „Wir werden aus Europa keine Kapazitäten abziehen, sondern werden die Kapazitäten in Europa erhalten.“

- er hat vergessen hinzuzufügen, dass dieser Erhalt z. Zeit noch notwendig ist...bis die neuen Fabriken in China, Brasilien und Russland stehen.....dann kann man die Werke in Europa auch schliessen !

Dieser Polit-Manager und Steuerflüchtige ( Steueroasen mit VW-Töchtern ) tut nur was für seine Provision....oder glaubt jemand, dass er die Interessen des Landes vor Augen hat ?

Sommerhorn

27.04.2013, 14:10 Uhr

Die Löhne der Fließbandarbeiter in Deutschland sind viel zu hoch. Das kann und möchte heutzutage keiner mehr bezahlen.

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