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16.09.2016

13:48 Uhr

Volkswagen

China treibt VW-Verkäufe auf Jahresplus

China sei dank: Das Reich der Mitte bügelt teils enorme Rückgänge von Volkswagen in Russland, Brasilien und den USA aus und beschert dem Autobauer ein solides Jahresplus. Doch das VW-Management warnt vorm Zurücklehnen.

Dank China verzeichnete der Wolfsburger Autobauer ein solides Jahresplus. dpa

Volkswagen

Dank China verzeichnete der Wolfsburger Autobauer ein solides Jahresplus.

WolfsburgDie Verlässlichkeit im wichtigen China-Geschäft hilft dem VW-Konzern bei seinen weltweiten Verkäufen weiter über alle globalen Marktschwächen hinweg. Der Autobauer meldete für seine zwölf Fahrzeugmarken am Freitag ein August-Verkaufsplus von 6,3 Prozent.

Auf die bisherigen acht Monate des Jahresverlaufs gerechnet liegen die Auslieferungen damit 1,8 Prozent über dem Wert des entsprechenden Vorjahreszeitraumes. Das sind 0,5 Prozentpunkte besser als der Stand per Juli. Allen voran gab China abermals den Ausschlag: Das Reich der Mitte steht für ein gutes Drittel aller Verkäufe im VW-Konzern und zog in August um fast 20 Prozent an. Auf Jahressicht liegt das Plus dort bei knapp zehn Prozent.

Der Schub bügelt die Schwächen in USA (per August -6,4 Prozent) und Brasilien (-34 Prozent) mehr als aus. Mit Blick auf die Marken liegt auf Jahressicht nur der Lkw-Bauer MAN im Minus (-0,8 Prozent), die Kernmarke VW-Pkw stagniert (-0,2 Prozent).

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Der Konzern-Vertriebsleiter Fred Kappler sagte zu den Zahlen: „Das unterstreicht das Vertrauen der Kunden in unsere Marken. Insbesondere in den Regionen Asien-Pazifik und Europa konnten wir mit unseren Modellen überzeugen.“ Ausruhen dürfe sich aber niemand. „Dennoch gilt es, dieses Vertrauen auch weiter zu bestätigen und auszubauen. Das gilt besonders für die Region Nordamerika“, sagte Kappler. Dort, in den USA, war der Abgas-Skandal vor einem Jahr aufgeflogen. Besonders die VW-Kernmarke leidet nun an einem Diesel-Verkaufsstopp.

Am erheblichsten ist die China-Abhängigkeit bei der Kernmarke: Gut 48 Prozent der globalen VW-Pkw-Auslieferungen hängen in diesem Jahr am Reich der Mitte. Im Einzelmonat August waren es sogar gut 53 Prozent.

Weltweite Untersuchungen von Behörden im Abgas-Skandal

Untersuchungen

...bei der Abgasbehandlung zogen weltweit Untersuchungen von Behörden nach sich. Ähnlich wie das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) gingen die Behörden in Frankreich und Großbritannien vor. Die Regierung in Paris stellte bei eigenen Nachmessungen an 86 Modellen deutliche Abweichungen und Normverstöße fest.

Weitere Betrugssoftware...

...konnte die eingerichtete Kommission allerdings nicht nachweisen - auch wenn sie mangels ausreichender Informationen mancher Anbieter nicht ausschließen wollte, dass es sie gibt. Die französischen Autohersteller legten daraufhin ähnlich wie in Deutschland Pläne vor, um die Emissionswerte zu verbessern.

Auch das britische Verkehrsministerium...

...fand bei der Nachmessung von knapp 40 verschiedenen Automodellen keine Hinweise auf betrügerische Manipulationen wie bei VW. Jedoch lagen die Stickoxid-Werte im realen Straßenbetrieb um ein Vielfaches über den Prüfstandswerten.

In den Vereinigten Staaten...

...durchleuchtete die Umweltbehörde EPA die Branche, konnte aber nach eigenen Angaben bislang nur bei Volkswagen Fehlverhalten feststellen. Neben den Wolfsburgern nahmen die Aufseher bislang nur Daimler besonders unter die Lupe. Im April forderte das Justizministerium nach Klagen von US-Anwälten die Stuttgarter auf, das Zustandekommen der offiziellen Abgaswerte in den USA intern und unter Einbeziehung der Behörden zu untersuchen - noch ohne Ergebnis.

Südkorea...

...hatte im November nach dem Bekanntwerden der Abgas-Affäre bei VW ebenfalls verschärfte Untersuchungen an Diesel-Modellen von weiteren Unternehmen angekündigt. Abgesehen von Volkswagen warf die Regierung in Seoul auch Nissan die Manipulation von Abgaswerten vor.

In Japan...

...ordneten Behörden ähnliche Nachtests an. Neben Mitsubishi räumte auch Suzuki Motor ein, eine nicht zulässige Testmethode angewandt zu haben. Betroffen waren 26 Modelle.

In Russland...

...wurden Unterlagen über Abgaswerte von Daimler angefordert. Die Aufsichtsbehörden stellten aber keine Verstöße fest.

In den Niederlanden...

...wollte die Regierung Mitte 2016 über Schadstofftests informieren. Zuvor hatte das Umweltinstitut TNO im Auftrag der Regierung schon Emissionstests bei verschiedenen Modellen durchgeführt. In dem Bericht kam man zu dem Schluss, dass die Stickoxid-Werte auf der Straße vielfach höher waren als im Labor. Die Untersuchung zog bislang jedoch keine Konsequenzen nach sich.

In Italien...

...bekam Volkswagen von der Wettbewerbsbehörde eine Millionenstrafe aufgebrummt. Bei anderen Herstellern hätten Tests dagegen keine Hinweise auf Vorrichtungen zur Manipulation ergeben - auch nicht bei Fiat, hieß es aus dem Verkehrsministerium im Juni. Bei Nachtests des deutschen KBA war Fiat zuvor herausgestochen. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sieht nun die EU-Kommission am Zug, Nachmessungen bei den Modellen durchzusetzen.

Und da es in Fernost mehr als rund läuft, kommt die Hausmarke entsprechend glimpflich durch den Diesel-Skandal, der VW anderswo dem Markt hinterherfahren lässt. Spiegelbildlich zum gesamten Konzern zeigte sich das China-Geschäft für VW-Pkw im August mit einem Plus von gut einem Fünftel stark, aufs Jahr stehen zehn Prozent Plus. Darin steckt auch ein Basis-Effekt: Vergangenes Jahr hatte der chinesische Markt im Sommer eine kleine Flaute, bis die chinesische Regierung den Verkauf mit Steuererleichterungen im Herbst wieder anschob.

VW-Markenvertriebschef Jürgen Stackmann führte die „erfreulichen August-Zahlen“ auch auf neue Modelle wie den Tiguan zurück. In Deutschland kam die VW-Hausmarke auf ein Auslieferungsplus von 7,7 Prozent. Als nach wie vor schwächer erwiesen sich Südamerika und die USA, auch Russland macht weiter Probleme. Im bisherigen Jahresverlauf steht für die Wolfsburger trotz der Affäre um manipulierte Abgaswerte lediglich ein Minus von 0,2 Prozent auf 3,827 Millionen Fahrzeuge.

Von

dpa

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