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27.07.2011

17:00 Uhr

Volkswagen

Der Fluch des Autothrons

VonTino Andresen

VW will den Autothron erobern. Für die Rivalen Toyota und General Motors hat das gewaltige Probleme mit sich gebracht. Denn der größte Hersteller muss nicht immer der erfolgreichste sein.

Einer der beiden VW-Autotürme in der Wolfsburger Autostadt: Dem Konzern gelang im ersten Halbjahr ein Rekordabsatz. Quelle: dpa

Einer der beiden VW-Autotürme in der Wolfsburger Autostadt: Dem Konzern gelang im ersten Halbjahr ein Rekordabsatz.

Schon bevor Volkswagen morgen seine Halbjahreszahlen vorlegt, ist klar: Der Konzern nähert sich seinem Ziel, bis im Jahr 2018 den Thron der Autobauer zu erobern. Ihm ist in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit mehr als vier Millionen verkauften Autos ein Rekord gelungen. Geht das in diesem Tempo weiter, könnte der für 2018 angestrebte Absatz von zehn Millionen Autos möglicherweise schon vier Jahre früher erreicht werden. Doch das Ziel, erfolgreichster Autobauer der Welt werden zu wollen, ist fragwürdig – zumindest, wenn die Definition für Erfolg der Absatz ist.

Den zwei großen Konkurrenten hat genau diese Denke am Ende große Probleme bereitet. Der Titel „weltgrößter Autobauer“ brachte Toyota und General Motors vom Autothron direkt in die Bredouille. GM musste eine Insolvenz durchlaufen. Toyota bekam es mit massiven Qualitätsproblemen und einem Imageverlust zu tun.

Martin Winterkorn hat Großes mit Volkswagen vor. Quelle: dapd

Martin Winterkorn hat Großes mit Volkswagen vor.

Auch für VW birgt rasantes Wachstum so seine Gefahren. Das exklusive Image der Premiummarke Audi und des Sportwagenbauers Porsche zum Beispiel, die beide besonders gewinnträchtig sind, wird unter den hohen Stückzahlen leiden. Die Stuttgarter wollen ihren jährlichen Absatz bis 2018 im Vergleich zu heute verdoppeln. Es ist riskant fürs Image, dass Porsche vor allem durch den Verkauf von Geländewagen wächst, während der Anteil von Sportwagen am Absatz sinkt. Die Ingolstädter haben bei alternativen Antrieben im Vergleich zu den Konkurrenten Mercedes und BMW bisher wenig zu bieten. Das könnte sich für Audi in der Zukunft als Nachteil entpuppen. Außerdem ist der gesamte Volkswagen-Konzern überdurchschnittlich vom Erfolg in China abhängig, die chronisch defizitäre Tochter Seat macht Sorgen, die Partnerschaft mit Suzuki kriselt und, und, und . . .

Dennoch sieht sich VW unverdrossen als Jäger und Thronfolger. Allerdings müssen die Wolfsburger aufpassen, dass sie nicht zum Gejagten werden. Hyundai wird dieses Jahr inklusive der Tochtermarke Kia rund 6,5 Millionen Wagen verkaufen und ist in den vergangenen fünf Jahren prozentual mehr als doppelt so schnell gewachsen wie Volkswagen. Der koreanische Konzern verdient pro verkauftem Auto heute schon mehr als VW.

All das zeigt vor allem eins: Der größte Hersteller muss nicht in jeder Hinsicht der erfolgreichste Hersteller sein. Absatzstärkster Autobauer der Welt zu sein, ist zwar ein Prestigeerfolg. Ein Selbstzweck ist es aber nicht. Der Kunde hat davon rein gar nichts. Ihm könnte Volkswagen am besten dienen, indem der Konzern in Sachen Qualität alle Rivalen abhängt.

Kommentare (1)

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Daddy

28.07.2011, 12:38 Uhr

Daddy.
Nicht VW hat entäuscht sondern wieder einmal mehr die dümmlichen Analysten mit ihren maßlos überzogenen Er-
wartungen .

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