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16.04.2016

11:38 Uhr

Volkswagen

Der frühere US-Chef Michael Horn wird nicht ersetzt

Ein Himmelfahrtskommando: Ex-BMW-Manager Hinrich Woebcken soll das VW-Geschäft in den USA und Kanada auf Vordermann bringen. Die USA sind Wolfsburg keinen eigenen Chef mehr wert. Die Händler zeigen sich skeptisch.

ist und bleibt neuer Nordamerika-Chef von VW. dpa

Hinrich Woebcken

ist und bleibt neuer Nordamerika-Chef von VW.

New YorkVolkswagen verzichtet auf dem schwierigen US-Markt überraschend auf einen direkten Ersatz für den im März zurückgetretenen Landeschef Michael Horn. Stattdessen baut VW die Rolle von Hinrich Woebcken aus. Der frühere BMW-Manager ist seit Anfang April der Chef für die Region Nordamerika, in der die USA, Kanada und Mexiko zusammengefasst werden. Nun ist klar, dass Woebcken auch die Position des US-Chefs beibehalten wird. Nach dem überraschenden Abgang von Horn im März hatte Woebcken bereits kommissarisch diese Position übernommen. Horn soll nun nicht durch einen weiteren Manager ersetzt werden, teilte VW am Freitag mit.

Woebcken bekommt so deutlich mehr Macht und kann freier entscheiden, welche Modelle in den Werken in Mexiko und den USA gebaut werden. „Die Region zu stärken heißt auch, die Führung in der Region zu stärken“, sagte VWs Markenchef Herbert Diess in der US-Zentrale in Herndon, Virginia.

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Diess steht vor schwierigen Aufgaben. Die Autoverkäufe sind im Zuge des Diesel-Skandals eingebrochen. Doch schon vorher gab es Probleme, weil VW den Trend zu SUVs in den USA verpasst hat. Händler kritisieren außerdem, dass VW zu hohe Preise habe und die Modelle nicht schnell genug aktualisiere. Konkurrenten wie Toyota und Honda hätten da mehr zu bieten, sagt Alan Horn, der Präsident der Händlervereinigung. Im März schrumpfte der US-Absatz der Marke mit dem VW-Logo im Jahresvergleich um 10,4 Prozent auf 26 914 verkaufte Autos. Im Gesamtjahr sanken die Verkäufe bislang um 12,5 Prozent. Nach Bekanntwerden von Manipulationen bei Stickoxidwerten war für VW-Dieselmodelle in den USA ein Verkaufsstopp verhängt worden. Woebcken erklärte, VW wolle mit Hilfe der neuen Struktur die richtigen Produkte zur richtigen Zeit auf den Markt bringen.

Bei einem Treffen der VW-Händler Anfang April in Las Vegas hatte sich Woebcken bereits vorgestellt und die Autoverkäufer auf bessere Zeiten eingeschworen. Viele Händler sind frustriert. Abgesehen von den schlechten Verkäufen ist auch immer noch nicht klar, wie die vom Abgas-Skandal betroffenen Autos nachgebessert werden sollen. Nächste Woche könnte es jedoch Klarheit geben. Ein Richter hatte dem Konzern bis Donnerstag Zeit gegeben, um sich mit den Umweltbehörden und den Autobesitzern zu einigen.

Für Aufregung hatte im März der überraschende Rücktritt von US-VW-Chef Michael Horn gesorgt - mitten in der Abgas-Affäre. Dies hatte auch in der Wolfsburger VW-Zentrale für Bestürzung gesorgt. Horn galt vor allem für die Händler in den USA als wichtiger Mann. Der US-Verband der VW-Händler hatte sich nach dem Horn-Rücktritt als „beunruhigt“ gezeigt. Es sei Horn gewesen, der nach Ausbruch der Krise Haltung gezeigt und Fehler eingeräumt habe

Lange galt es als sicher, dass VW den Posten Horns direkt nachbesetzt. Nun aber soll Woebcken als neuer starker Mann den Autobauer in den USA wieder in die Spur bringen. Er ist bei VW erst seit dem 1. April neuer Leiter der Region Nordamerika, die die Märkte USA, Kanada und Mexiko umfasst, und nun in Personalunion auch US-Chef von Volkswagen. Er war zuvor rund zehn Jahre lang bei BMW unter anderem für den Einkauf zuständig. Zuletzt war er Nutzfahrzeug-Vorstand beim Zulieferer Knorr-Bremse, hatte das Unternehmen aber nach gut einem Jahr Mitte 2015 wieder verlassen.

Wegen des Abgas-Skandals drohen Volkswagen besonders in den USA hohe Strafen und Prozessrisiken, die laut früheren Angaben aus Konzernkreisen einen zweistelligen Milliardenbetrag erreichen können. Für die manipulierten Dieselautos in den USA ist VW noch auf der Suche nach einer Lösung, mit der auch die US-Umweltbehörde EPA zufrieden ist. In den USA sind von den Manipulationen rund 580.000 Autos betroffen, weltweit sind es rund elf Millionen.

Der US-Bezirksrichter Charles Breyer, bei dem die Klagen in den USA gebündelt sind, hatte ein Ultimatum bis zum 21. April gesetzt. Einen Tag später will das Kontrollgremium nach Angaben aus Aufsichtsrats-Kreisen über den Jahresabschluss 2015 beraten.

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