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05.05.2017

12:47 Uhr

Volkswagen

Die Kernmarke arbeitet sich nach oben

VonStefan Menzel

Das wichtigste Standbein von Volkswagen ist die Kernmarke. Doch diese fährt Konzernschwestern wie Audi seit langem hinterher. Nun zeigt die begonnene Neuausrichtung erste Erfolge – und eine Modelloffensive steht an.

Das erste Quartal hat der Kernmarke des Konzerns schon einmal ordentlichen Rückenwind verlieren. AP

Marke Volkswagen

Das erste Quartal hat der Kernmarke des Konzerns schon einmal ordentlichen Rückenwind verlieren.

WolfsburgDie Marke Volkswagen ist das wichtigste Standbein des gesamten VW-Konzerns. Sechs von zehn Millionen jährlich produzierten Autos tragen das Logo der Wolfsburger. Doch beim Ergebnis dominieren die Schwestermarken Audi, Porsche und Skoda – die Marke Volkswagen steuert nur einen geringen Teil zum Konzerngewinn bei. Markenchef Herbert Diess, seit knapp zwei Jahren im Amt, hat sich das Ziel gesetzt, die Rendite der Marke nachhaltig zu erhöhen und an das Niveau der Schwestermarken und der meisten Konkurrenten heranzuführen.

In diesem Jahr soll es nun mit dem wichtigsten Teil des Konzerns langsam wieder aufwärts gehen. Der Umsatz soll um etwa zehn Prozent über dem vergleichbaren Vorjahreswert von 74 Milliarden Euro liegen. Für die operative Rendite peilen die Wolfsburger eine Bandbreite von 2,5 bis 3,4 Prozent an, wollen dabei aber tendenziell den oberen Rand erreichen. 2016 lag die operative Rendite noch bei 2,1 Prozent.

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„Damit sind wir auf dem richtigen Weg, unsere mittel- und langfristigen Margenzielen von mindestens vier Prozent bis 2020 und sechs Prozent bis 2025 zu erreichen“, sagte Arno Antlitz, Finanzvorstand der Marke , am Freitag auf einer Pressekonferenz in Wolfsburg. Der Manager deutete zudem an, dass es bei der Rendite in diesem Jahr noch etwas mehr werden könnte. Antlitz versprach höhere Margen, „sobald wir absehen können, dass das Erreichte nachhaltig abgesichert ist.“

Allerdings sei im weiteren Verlauf des Jahres mit neuen hohen Belastungen zu rechnen: Durch eine weiter verschärfte Umweltgesetzgebung, die bei den Autos mit Verbrennungsmotor greife. Außerdem verursachten die vielen Modellanläufe höhere Kosten.

Chronologie der VW-Diesel-Affäre

Darum geht es:

Die Abgas-Affäre hat Volkswagen in eine schwere Krise gestürzt. Die bisherige Entwicklung im Überblick:

Quelle: dpa

September 2015

3. September 2015: VW räumt hinter den Kulissen gegenüber der US-Umweltbehörde EPA Manipulationen bei Diesel-Abgastests ein.

18. September: Die EPA teilt mit, VW habe eine Software eingesetzt, um Test-Messungen des Schadstoffausstoßes künstlich zu drücken.

23. September: Rücktritt von Vorstandschef Martin Winterkorn.

25. September: Der VW-Aufsichtsrat beruft Porsche-Chef Matthias Müller zum Konzernchef und trifft weitere Personalentscheidungen.

28. September: Nach mehreren Strafanzeigen startet die Braunschweiger Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugsvorwürfen.

Oktober 2015

15. Oktober: Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ordnet den Pflichtrückruf aller VW-Dieselautos mit Betrugs-Software an. In ganz Europa müssen 8,5 Millionen, in Deutschland 2,5 Millionen Wagen in die Werkstatt.

März 2016

16. März 2016: Erster deutscher Schadenersatz-Prozess eines Privatkunden. Urteil des Landgerichts Bochum: VW muss keine Wagen zurücknehmen.

April 2016

22. April: Der Abgas-Skandal brockt VW für 2015 mit 1,6 Milliarden Euro den größten Verlust aller Zeiten ein.

Juni 2016

16. Juni: Volkswagen will sich nach dem Abgas-Skandal grundlegend neu aufstellen und unter anderem die Elektromobilität massiv ausbauen.

Juli 2016

7. Juli: Erste Sitzung des Abgas-U-Ausschusses des Bundestags.

8. Juli: Die Braunschweiger Staatsanwaltschaft startet ein Verfahren, um über Bußgelder unrechtmäßige Diesel-Gewinne abzuschöpfen.

August 2016

8. August: Das Landgericht Braunschweig gibt den Startschuss für ein Musterverfahren wegen der Aktionärsklagen gegen Volkswagen.

29. August: Wegen einbrechender Gewerbesteuern erhöhen einige VW-Städte stark kommunale Gebühren, wie eine dpa-Umfrage ergibt.

September 2016

1. September: Das Bundesverkehrsministeriums wirft auch Fiat den Einsatz „unzulässiger“ Abschalteinrichtungen vor - Fiat dementiert.

7. September: Die Vorwürfe gegen Bosch werden konkreter. Der VW-Zulieferer habe jahrelang von den Manipulationen seines Großkunden wissen müssen, klagen geschädigte Diesel-Besitzer in den USA.

Dezember 2016

8. Dezember: Die EU-Kommission sieht massive Mängel bei der Aufarbeitung des Abgas-Skandals und geht gegen Deutschland vor.

15. Dezember: Sigmar Gabriel (SPD), Peter Altmaier (CDU) und Barbara Hendricks (SPD) sagen im U-Ausschuss aus, sie hätten erst nach Aufdeckung des Skandals 2015 von verbotenen Praktiken erfahren.

20. Dezember: Im Rechtsstreit um Hunderte Zivilklagen verkündet ein US-Richter einen Kompromiss. VW soll Kunden, Behörden, Händlern und US-Bundesstaaten über 16 Milliarden Dollar an Entschädigung zahlen.

Januar 2017

9. Januar 2017: Es wird bekannt, dass das FBI einen VW-Manager wegen des Diesel-Skandals festgenommen hat. Fünf weitere werden angeklagt.

11. Januar: VW und das US-Justizministerium einigen sich in einem zweiten großen Vergleich zu den strafrechtlichen Fragen auf eine Zahlung von 4,3 Milliarden Dollar.

12. Januar: In den USA gerät nach Volkswagen auch Fiat Chrysler wegen auffälliger Abgaswerte ins Visier der Behörden.

19. Januar: Ex-VW-Konzernchef Martin Winterkorn erscheint vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags zum Abgas-Skandal.

2016 war die Volkswagen-Kernmarke beim Gewinn noch abgerutscht. Die Autos mit dem VW-Logo warfen ein geringeres Ergebnis im laufenden Geschäft ab – selbst ohne Betrachtung von Faktoren wie der Abgasaffäre ging das Betriebsergebnis der Kernmarke um Golf, Passat und Tiguan 2016 auf 1,6 Milliarden Euro zurück.

Bei Volkswagen greift immer stärker das neue Sparprogramm. Im vergangenen Jahr hatte die Marke bei den Fixkosten immerhin schon Einsparungen von rund 800 Millionen Euro erreicht. 2017 will VW die Fixkosten mindestens stabil halten. Mit dem im November beschlossenen und inzwischen angelaufenen „Zukunftspakt“ will der Konzern seine Hauptmarke rentabler machen. Die jährlichen Kosten sollen bis 2020 um rund 3,7 Milliarden Euro sinken. Geplant ist auch der Abbau von bis zu 30.000 Stellen, ohne betriebsbedingte Kündigungen.

Das erste Quartal hat der Marke schon einmal ordentlichen Rückenwind verlieren. VW hat in den ersten drei Monaten des Jahres im operativen Geschäft fast 900 Millionen Euro verdient, die Rendite erreichte damit einen Wert von 4,6 Prozent. Daran will die Marke jetzt anknüpfen. „Das weitere Jahr ist kein Selbstläufer. Es kommt jetzt entscheidend darauf an, dass wir den eingeschlagenen Weg konsequent fortsetzen und unsere Aufgaben weiter abarbeiten“, sagte Markenchef Herbert Diess. „Der Zukunftspakt ist ein wesentlicher Teil unserer Strategie. Er wird entscheidend dazu beitragen, Volkswagen profitabel und fit für die Zukunft zu machen.“

Die Produktivität soll in diesem und im nächsten Jahr um jeweils 7,5 Prozent erhöht werden. Diess verspricht bessere Produktionsanläufe bei neuen Autos und eine höhere Kostendisziplin. Die Dieselaffäre verliert bei VW von Tag zu Tag an Bedeutung. In Europa soll die Umrüstung aller von den Software-Manipulationen betroffenen Fahrzeuge abgeschlossen sein, kündigte Diess an. Auch in den USA rechnet Volkswagen mit einem zügigen Abschluss der Umrüstungsaktionen.

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