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12.02.2015

14:48 Uhr

Volkswagen

Gewerkschaften nennen VW-Lohnangebot „Frechheit”

Volkswagen legt in der Tarifrunde ein Lohangebot vor, das sich nach dem Tarif der Metall- und Elektroindustrie richtet. Das sind 2,2 Prozent. Die Gewerkschaften sind erbost und kritisieren die Offerte als „mickrig”.

Betriebsratschef Bernd Osterloh nannte das VW-Lohnangebot „Frechheit”. Der Konzern verdiene in Westeuropa und auf dem deutschen Markt gutes Geld. Gewerkschaften kündigten Proteste an. dpa

Bernd Osterloh

Betriebsratschef Bernd Osterloh nannte das VW-Lohnangebot „Frechheit”. Der Konzern verdiene in Westeuropa und auf dem deutschen Markt gutes Geld. Gewerkschaften kündigten Proteste an.

HamburgVolkswagen will die Löhne der 115.000 Beschäftigten in Westdeutschland nicht stärker anheben als in der übrigen Metall- und Elektroindustrie. Der Wolfsburger Autobauer unterbreitete der IG Metall am Donnerstag das gleiche Angebot wie die Arbeitgeber zuvor in den bundesweiten Verhandlungen für die Branche, die parallel laufen: 2,2 Prozent mehr Lohn. „Wir haben bei unserem Angebot die zunehmend schwierige gesamtwirtschaftliche Lage auf vielen Märkten im Blick”, sagte VW-Personalleiter Martin Rosik. Die Gewerkschaft reagierte erbost. Verhandlungsführer Hartmut Meine drohte VW eine schärfere Gangart an.

Wie Ferdinand Piëch einen Weltkonzern schuf

1990er-Jahre

1993: Als Ferdinand Piëch im Januar 1993 den Vorstandsvorsitz von VW übernimmt, kämpft der Konzern mit einem Einbruch des Nordamerikageschäfts, hohen Kosten und Verlusten. Der neue Chef holt den Sanierer José Igancio López nach Wolfsburg. Weil der Spanier Betriebsgeheimnisse mitgenommen haben soll, entbrennt ein langwieriger Rechtsstreit mit seinem alten Arbeitgeber General Motors.
1997: Dank Piëchs Internationalisierungsstrategie laufen fast zwei von drei Autos im Ausland vom Band. 
1998: Mit der Übernahme der Marken Bentley (Foto) und Bugatti steigt Volkswagen ins Luxussegment ein. 
1999: Der Lupo kommt als erstes Drei-Liter-Auto auf den Markt. Im gleichen Jahr übertrifft Volkswagen als erster europäischer Hersteller die Schwelle von 100 Millionen produzierten Fahrzeugen

2000

Mit der im Juni eröffneten Autostadt setzt Piëch sich und dem VW-Konzern ein Denkmal in Wolfsburg. 

2001

Mit dem Luxusmodell „Phaeton“ erweitert VW das Oberklassenangebot. Für die Produktion des Kompaktvans Touran wird mit der IG Metall ein eigenes Tarifmodell entwickelt.

2002

Volkswagen übernimmt die schwedische Scania komplett und stärkt damit das Lkw-Geschäft. Der Aufsichtsrat wählt im April des Jahres Bernd Pischetsrieder zum Vorstandschef. Piëch übernimmt den Vorsitz im Aufsichtsrat.

2007

Im Januar tritt Martin Winterkorn das Amt des Vorstandsvorsitzenden an. Der VW-Konzern liefert 6,2 Millionen Fahrzeuge aus - so viele wie noch nie zuvor. Insbesondere in China, Brasilien und Osteuropa vermeldet VW Zuwächse von bis zu 32 Prozent im Vorjahresvergleich.

2009

Der von VW gesponserte VfL Wolfsburg gewinnt die Deutsche Fußball-Meisterschaft.

2011

Volkswagen legt in Silao in Mexiko den Grundstein für ein neues Motorenwerk. Nach zweijähriger Bauzeit eröffnet in den USA das neue Werk in Chattanooga mit einer Jahreskapazität von 150 000 Autos.

2012

VW hält über eine Holding 100 Prozent der Anteile an der Porsche AG, die als eigenständige Marke geführt wird - der integrierte Konzern von Volkswagen und Porsche entsteht.

Betriebsratschef Bernd Osterloh bezeichnete das Lohnangebot als „Frechheit”. VW verdiene in Westeuropa und auf dem deutschen Markt gutes Geld, das die Beschäftigten mit ihrem Einsatz und in zahlreichen Sonderschichten erwirtschaftet hätten. „Was wir hier als Scheinangebot vorgelegt bekommen haben, ist den Beschäftigten gegenüber respektlos.” Er rief das Management auf, das Angebot in der nächsten Verhandlungsrunde Anfang März nachzubessern. „Diese Belegschaft kann nicht nur arbeiten - wenn es darauf ankommt, kann sie auch für gerechte Entlohnung kämpfen”, sagte Osterloh. Über 90 Prozent der Belegschaft bei VW sind in der IG Metall organisiert.

VW hat ein Sparprogramm aufgelegt und will die Kosten der Hauptmarke in den nächsten Jahren um fünf Milliarden Euro kappen. Der Betriebsrat hält sogar mehr für möglich, wenn Doppeltarbeit wegfiele und das Geld nicht mit vollen Händen ausgegeben würde. Die Löhne der Mitarbeiter dürften darunter aber nicht leiden.

VW will die Einkommen erst nach zwei so genannten Nullmonaten erhöhen. Bei einer Laufzeit eines neuen Tarifvertrages bis Ende Februar 2016 würde dies bedeuten, dass die Einkommen erst Anfang Mai dieses Jahres angehoben werden.

Die Gewerkschaft fordert sowohl bei VW als auch bundesweit 5,5 Prozent mehr Geld. Bei den darüber hinausgehenden qualitativen Forderungen signalisierte Volkswagen Entgegenkommen: Für 2015 und 2016 sagte das Management die geforderten 1400 Lehrstellen zu. In den nächsten Monaten sollen zudem Gespräche über einen "Zukunftsplan gute Arbeit" beginnen. Dabei soll es aus Sicht der IG Metall um Arbeitsbedingungen und um die Vereinbarkeit von Beruf und Arbeit gehen.

Die Gewerkschaft handelt bei VW traditionell einen Haustarif aus. In der Vergangenheit hatten die Arbeiter in den westdeutschen VW-Werken dank ihrer Sonderstellung deutlich mehr verdient als ihre Kollegen in der übrigen Branche. Dies hat sich nach einer Sparrunde vor zehn Jahren geändert. Seitdem haben sich die Löhne schrittweise denen in der bundesweiten Metall- und Elektroindustrie angenähert. Deneben erhalten die Beschäftigten bei VW nach wie vor eine Gewinnbeteiligung.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr D. Dino54

12.02.2015, 17:01 Uhr

Bitte mit einkalkulieren, lieber Betriebsrat.

Die S T E U E R - O A S E N sind ein Garant für fürstliche Entlohnung, da werden die üppigen Gewinne gemacht ! Siehe die mehreren VW-Fluglinien, die auf diese STEUER-Paradiese angemeldet sind.

Nur Mut, es ist w e s e n t l i c h mehr drin, als diese Frechheit !!!

Herr Ralf Rath

12.02.2015, 21:00 Uhr

Solange die IG Metall den von ihr für die westdeutschen Werke der Volkswagen AG geforderten "Zukunftsplan gute Arbeit" mit einem nicht textimmanent ausgelegten Marx-Zitat zu begründen versucht (siehe Pickshaus, K: Rücksichtslos gegen Gesundheit und Leben, Hamburg, 2014, S. 7), bleiben jedem Arbeitgeber die Hände für eine Unterschrift gebunden. Der angesichts dessen gestern vom baden-württembergischen Bezirksleiter Zitzelsberger außerdem verlangte "Sprung" aufseiten der Unternehmensvertreter geriete unter solchen Vorzeichen zu einem Sturz direkt in den Abgrund. Offenbar sind die Verhandlungsführer der Gewerkschaft immer noch im ohnehin erwiesenermaßen allein fiktiv existenten Antagonismus zwischen Kapital und Arbeit heillos verfangen.

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