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12.01.2015

06:55 Uhr

Volkswagen in den USA

Der blaue Hoffnungsträger

Mit der Geländelimousine Crossblue will VW in den USA wieder durchstarten. Auch Pläne für eine kleinere Variante kursieren schon. Doch das neue Modell birgt auch Gefahren – es ist ein Alles-oder-Nichts-Produkt.

Automesse in Detroit

Geländewunder soll VW am US-Markt retten

Automesse in Detroit: Geländewunder soll VW am US-Markt retten

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DetroitVolkswagen will sein Hoffnungsträger-Modell für das schwächelnde Geschäft in den USA um weitere Varianten ergänzen. Die für Ende 2016 angekündigte Siebensitzer-Geländelimousine mit dem Arbeitsnamen Crossblue könnte es zusätzlich auch eine Nummer kleiner als Fünfsitzer geben, sagte Volkswagen-Chef Martin Winterkorn am Sonntag (Ortszeit) kurz vor dem Start der US-Automesse in Detroit.

„Da ist noch mehr in der Pipeline“, berichtete Winterkorn und zeigte eine Studie namens Cross-Coupé. Solle die Serie werden, hätte der große CrossBlue drei Sitzreihen und sein kleiner Coupé-Bruder zwei.

Modellvarianten, sogenannte Derivate, sind bei allen Autobauern üblich. Wenn das Cross-Coupé gut ankomme und als Serie beschlossen werden sollte, würde es laut VW erst eine Ecke nach 2016 starten.

Anders als die in den USA erfolgreichen VW-Premiumtöchter Audi und Porsche schwächelt die VW-Kernmarke dort seit längerem. Eineinhalb Jahre lang waren die US-Verkäufe trotz eines Marktbooms auf Talfahrt. 2014 brachte der Marke ein Zehntel Rückgang. Auf Jahressicht kamen nur 367.000 VW zusammen - dabei sollen es bis 2018 gut doppelt so viele sein. Im Konzern-Investitionsplan stehen für die USA und das nahe Mexiko von 2014 bis 2018 rund sechs Milliarden Euro.

Karl Brauer vom US-Branchenanalysten KBB erklärt die US-Schwäche der Wolfsburger mit einer Nebenwirkung ihrer Baukastenstrategie. Mit ihr will der VW-Konzern gleiche Bauteile modell- und markenübergreifend einsetzen und damit kräftig sparen. Bei der dafür nötigen Umstellung habe Volkswagen vor allem auf den Wachstumsgaranten China gesetzt - was sich auch auszahlte. Doch die USA litten. „Ein bisschen ist das so“, sagt Brauer zur Umsetzung der Baukastenstrategie, „als würde man ein ganzes Haus einreißen und anders wieder neu aufbauen. Und daher kann man dann eben eine Zeit lang nicht leben in dem Haus. VW hat den Neuaufbau zuerst in China gemacht und so Fokus in den USA verloren.“ Der weltgrößte Pkw-Markt China macht bei VW-Pkw inzwischen 45 Prozent des gesamten Absatzes aus - und die Gewinne von dort sind glänzend.

Die erfolgreichsten Autokonzerne in den USA

US-Automarkt

Insgesamt 15,6 Millionen Fahrzeuge wurden im Jahr 2013 in den USA verkauft. Das entsprach einem Plus gegenüber dem Vrojahr von 7,6 Prozent. Die deutschen Hersteller schaffen es nicht unter die Branchengrößen. Volkswagen verkaufte 407.000 Fahrezuge der Stammmarke (minus 6,9 Prozent), Mercedes 334.000 (plus 13,3 Prozent) und BMW ohne Mini 309.000 (plus 9,9 Prozent).
Quelle aller Angaben: Motor Intelligence

Platz 6

Nissan
Absatz 2013:
1,25 Millionen Fahrzeuge (+9,4 Prozent gg. 2012)
Marktanteil:
8,0 Prozent (plus 0,1 Punkte gg. 2012)

Platz 5

Honda
Absatz 2013:
1,53 Millionen Fahrzeuge (+7,2 Prozent gg. 2012)
Marktanteil:
9,8 Prozent (unverändert gg. 2012)

Platz 4

Chrysler
Absatz 2013:
1,8 Millionen Fahrzeuge (+9 Prozent gg. 2012)
Marktanteil:
11,5 Prozent (plus 0,1 Punkte gg. 2012)

Platz 3

Toyota
Absatz 2013:
2,24 Millionen Fahrzeuge (+7,4 Prozent gg. 2012)
Marktanteil:
14,3 Prozent (minus 0,1 Punkte gg. 2012)

Platz 2

Ford
Absatz 2013:
2,49 Millionen Fahrzeuge (+10,8 Prozent gg. 2012)
Marktanteil:
15,9 Prozent (plus 0,4 Punkte gg. 2012)

Platz 1

GM
Absatz 2013:
2,79 Millionen Fahrzeuge (+7,3 Prozent gg. 2012)
Marktanteil:
17,9 Prozent (unverändert gg. 2012)

Während die VW-Produktpalette in China schon zukunftsträchtig glänze, zeige sich in den USA nun die Schattenseite. Brauers KBB-Kollege Matt DeLorenzo verweist auf die Lücken im VW-Modellangebot vor allem bei den großen Geländelimousinen (SUV): „Der lange erwartete Crossblue von Volkswagen ist ein Alles-oder-nichts-Produkt bei dem ehrgeizigen Ziel, bis 2018 rund 800.000 Volkswagen in den USA abzusetzen.“ Bisher sei dafür einfach zu wenig in der Pipeline. „Während der Tiguan und Touareg gut laufen, setzen ihre Preisschilder und die fehlende dritte Sitzreihe der Anziehungskraft nun einmal Grenzen.“ Der CrossBlue aus dem Werk in Chattanooga im Bundesstaat Tennessee sei nun ein Anfang.

Die USA spielen eine Schlüsselrolle bei dem Volkswagen-Ziel, bis 2018 vor Toyota weltgrößter Autobauer zu werden. Als Hauptgründe für die US-Schwäche gelten neben den Lücken im Modellangebot auch mangelndes Verständnis für die Kundenwünsche. So geriet etwa zuletzt der Zyklus für eine kosmetische Überarbeitung der Modelle (Facelifts) zu lang. Volkswagens US-Chef Michael Horn sagte dazu am Sonntag in Detroit: „Wir müssen schneller sein - und das werden wir in Zukunft auch.“

Zum Thema Marktverständnis sagte VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh: „Es nützt ja nichts, wenn unsere Autos besser sind als die der Konkurrenz - aber der Kunde sie so gar nicht haben will. Wir müssen also stärker gucken, auf welchem Niveau wir die Produkte starten.“ Dafür hat VW bereits veranlasst, mehr Entwicklungsarbeit für die USA auch direkt dort zu leisten und nicht nur von Deutschland aus. „Wenn wir ein Item wie etwa hochwertig verkleidete Kofferräume in den USA nicht einpreisen können, dann müssen wir uns eben überlegen, wie wir damit umgehen“, sagte Osterloh. Das brauche Zeit.

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