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14.04.2016

10:28 Uhr

Volkswagen in den USA

Gewerkschaft gewinnt Streit um Werk Chattanooga

VonAstrid Dörner

In den USA hat sich Volkswagen mit seinem Widerstand gegen eine Gewerkschaft nicht durchgesetzt. Nach einem Behördenentscheid können Arbeiter aus dem Werk Chattanooga nun der Gewerkschaft beitreten.

Der Konzern ist im Streit mit der Gewerkschaft UAW unterlegen. dpa

VW-Werk Chattanooga

Der Konzern ist im Streit mit der Gewerkschaft UAW unterlegen.

New YorkSchon seit über zwei Jahren versucht die US-Autogewerkschaft UAW Mitarbeiter im Volkswagen-Werk in Chattanooga zu repräsentieren. Jetzt ist sie ihrem Ziel einen Schritt näher gekommen. Im Dezember hatte eine Gruppe von Facharbeitern mehrheitlich dafür gestimmt, sich bei Gehaltsverhandlungen von der UAW vertreten zu lassen. VW hatte dagegen Einspruch eingelegt – der wurde am Mittwoch jedoch von der US-Arbeitsbehörde abgelehnt.

Bei den Facharbeitern geht es um 160 Mitarbeiter, die Maschinen und Roboter warten und etwa elf Prozent der gesamten Belegschaft in Chattanooga im Bundesstaat Tennessee ausmachen. Der Wolfsburger Autobauer ist gegen diese zerstückelte Vertretung und favorisiert stattdessen eine Gesamtlösung für die rund 1400 Mitarbeiter.

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Eine breit angelegte Abstimmung über den Beitritt in die UAW fand 2014 keine Mehrheit. Die Gewerkschaft hatte damals kritisiert, dass die VW-Mitarbeiter von Gewerkschaftsgegnern und einer politischen Kampagne beeinflusst wurden.

Gary Casteel, der bei der UAW für internationale Angelegenheiten zuständig ist, forderte VW auf, „unverzüglich“ Gespräche mit dem örtlichen Ableger der Gewerkschaft in Chattanooga Gespräche aufzunehmen. Es wäre das erste Mal, dass die UAW sich bei einem ausländischen Autobauer durchsetzen würde.

Bislang war die UAW nur bei den US-Autobauern General Motors, Ford und Chrysler vertreten, die im Bundesstaat Michigan ansässig sind. Ausländische Autobauer wie Mercedes, VW und Nissan haben sich in den Südstaaten angesiedelt – auch, weil die UAW bislang dort keinen Einfluss hatte.

Die juristischen Baustellen von VW

Aktionäre fordern Entschädigung

Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert, darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka. Der Vermögensverwalter AGI – eine Allianz-Tochter – erwägt die Teilnahme an einer Sammelklage. VW bekräftigte seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben.

Klagen einzelner VW-Besitzer

Weltweit wollen VW-Fahrer Schadenersatz einklagen. Das Landgericht Bochum urteilte in einem ersten deutschen Verfahren zwar, dass die Software-Manipulationen keine Pflicht zur Rücknahme der verkauften Autos nach sich ziehen. Manche Anwälte glauben jedoch, dies müsse noch keine Richtungsentscheidung sein. Enttäuschte VW-Kunden machen einen Wertverlust der Fahrzeuge geltend - etwa falls sich Leistungs- oder Verbrauchsdaten durch die notwendigen Umrüstungen verschlechtern. Volkswagen betonte allerdings mehrfach, alle betroffenen Autos seien „technisch sicher und fahrbereit“.

Sammelklagen

Viele Kanzleien buhlen darum, VW-Aktionäre und -Kunden vor Gericht vertreten zu dürfen. In den USA sind Sammelklagen ganz normal, in Deutschland können zumindest Aktionäre ein sogenanntes Musterverfahren beantragen. Dabei wird eine Klage verhandelt, an deren Ausgang sich dann andere Klagen orientieren. VW-Chef Matthias Müller hält das auch für ein Geschäftsmodell von Juristen: „Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.“ Viele Autofahrer in Europa versuchen, ihre Verfahren über eine niederländische Stiftung bündeln zu lassen. Der US-Staranwalt Michael Hausfeld kündigte an, im Namen von Kunden und Unternehmen in Deutschland gegen den Konzern vorgehen zu wollen.

Klagen der US-Behörden

Zum Jahresbeginn hat das US-Justizministerium eine Klage gegen VW vorgelegt. Dabei geht es um die Manipulationen an Dieselautos, dem Konzern werden aber auch Tricksereien und Täuschung in der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Theoretisch drohen laut der Klageschrift 45 Milliarden Dollar Strafe plus eine möglicherweise milliardenschwere Zahlung im Ermessen des Gerichts. VW will sich mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht dazu äußern. Berichten zufolge weitete das Ministerium seine Ermittlungen nun auf den Verdacht auf Bankbetrug und mögliche Steuergesetzes-Verstöße aus. Volkswagens US-Chef Michael Horn trat überraschend zurück.

Betrugsanzeigen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach den Manipulationen von Stickoxidwerten gegen inzwischen 17 Beschuldigte wegen Verdachts auf Betrug und unlauteren Wettbewerb. Darunter ist nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Gegen mindestens fünf Personen wird seit dem Herbst wegen möglicher CO2-Falschangaben ermittelt. Der Vorwurf lautet hier vor allem auf Steuerhinterziehung, weil sich die deutsche Kfz-Steuer stark am CO2-Ausstoß orientiert. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es noch länger dauert, bis Ergebnisse vorliegen. VW will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

VW hält sich weiter bedeckt. „Wir prüfen unsere Optionen“, teilte ein Sprecher mit. Der Gouverneur von Tennessee, Bill Haslam, stellte sich am Mittwoch hinter VW. Die Bemühungen der Gewerkschaft, mitten in der Dieselkrise bei Volkswagen vorzudringen, „zeigt mangelnden Respekt für die allgemeine Lage des Unternehmens.“ Der Republikaner fürchtet, dass die Erfolge der UAW andere Industrieunternehmen davon abhalten könnten, Werke in dem Bundesstaat eröffnen.

VW muss bis zum 21. April im Dieselskandal eine Einigung mit den US-Umweltbehörden und den gut 600.000 betroffenen Autofahrern finden. Das wird den Konzern Milliarden kosten. Am Standort Chattanooga will der Konzern jedoch weiter festhalten. Geplant ist eine Erweiterung des Werks, da dort künftig auch ein neuer SUV gebaut werden soll. Der Autobauer will dort rund 2000 neue Stellen schaffen.

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