Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.03.2016

07:40 Uhr

Volkswagen in den USA

US-Chef tritt ab – Händler laufen Sturm

VonAstrid Dörner, Martin Murphy
Quelle:Handelsblatt Online

Unruhe bei Volkswagen: US-Chef Michael Horn verlässt überraschend das Unternehmen. Er hatte den Job erst Anfang 2014 übernommen. Sein Rückzug soll persönliche Gründe haben, doch die VW-Händler geben Wolfsburg die Schuld.

VW-US-Chef gibt auf

Problemlöser gesucht: VW braucht dringend neuen US-Chef

VW-US-Chef gibt auf: Problemlöser gesucht: VW braucht dringend neuen US-Chef

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

New York/FrankfurtMichael Horn scheidet aus dem VW-Konzern sofort aus. Das teilte das Unternehmen mit. Es geschehe „im Einvernehmen“, hieß es in einer Pressemitteilung. Einen Grund nannte VW nicht. Aus Konzernkreisen verlautet, dass Horns Ausscheiden persönliche Gründe hat. Horns Aufgaben soll nun Hinrich Woebcken übernehmen.

Der ehemalige BMW-Manager war im Januar zum neuen Chef für die gesamte Region Nordamerika ernannt worden und sollte erst zum ersten April bei Volkswagen starten. Er hätte eigentlich Horns Vorgesetzter werden sollen, übernimmt seine Aufgaben nun jedoch zunächst mit, heißt es bei VW.

Die juristischen Baustellen von VW

Aktionäre fordern Entschädigung

Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert, darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka. Der Vermögensverwalter AGI – eine Allianz-Tochter – erwägt die Teilnahme an einer Sammelklage. VW bekräftigte seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben.

Klagen einzelner VW-Besitzer

Weltweit wollen VW-Fahrer Schadenersatz einklagen. Das Landgericht Bochum urteilte in einem ersten deutschen Verfahren zwar, dass die Software-Manipulationen keine Pflicht zur Rücknahme der verkauften Autos nach sich ziehen. Manche Anwälte glauben jedoch, dies müsse noch keine Richtungsentscheidung sein. Enttäuschte VW-Kunden machen einen Wertverlust der Fahrzeuge geltend - etwa falls sich Leistungs- oder Verbrauchsdaten durch die notwendigen Umrüstungen verschlechtern. Volkswagen betonte allerdings mehrfach, alle betroffenen Autos seien „technisch sicher und fahrbereit“.

Sammelklagen

Viele Kanzleien buhlen darum, VW-Aktionäre und -Kunden vor Gericht vertreten zu dürfen. In den USA sind Sammelklagen ganz normal, in Deutschland können zumindest Aktionäre ein sogenanntes Musterverfahren beantragen. Dabei wird eine Klage verhandelt, an deren Ausgang sich dann andere Klagen orientieren. VW-Chef Matthias Müller hält das auch für ein Geschäftsmodell von Juristen: „Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.“ Viele Autofahrer in Europa versuchen, ihre Verfahren über eine niederländische Stiftung bündeln zu lassen. Der US-Staranwalt Michael Hausfeld kündigte an, im Namen von Kunden und Unternehmen in Deutschland gegen den Konzern vorgehen zu wollen.

Klagen der US-Behörden

Zum Jahresbeginn hat das US-Justizministerium eine Klage gegen VW vorgelegt. Dabei geht es um die Manipulationen an Dieselautos, dem Konzern werden aber auch Tricksereien und Täuschung in der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Theoretisch drohen laut der Klageschrift 45 Milliarden Dollar Strafe plus eine möglicherweise milliardenschwere Zahlung im Ermessen des Gerichts. VW will sich mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht dazu äußern. Berichten zufolge weitete das Ministerium seine Ermittlungen nun auf den Verdacht auf Bankbetrug und mögliche Steuergesetzes-Verstöße aus. Volkswagens US-Chef Michael Horn trat überraschend zurück.

Betrugsanzeigen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach den Manipulationen von Stickoxidwerten gegen inzwischen 17 Beschuldigte wegen Verdachts auf Betrug und unlauteren Wettbewerb. Darunter ist nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Gegen mindestens fünf Personen wird seit dem Herbst wegen möglicher CO2-Falschangaben ermittelt. Der Vorwurf lautet hier vor allem auf Steuerhinterziehung, weil sich die deutsche Kfz-Steuer stark am CO2-Ausstoß orientiert. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es noch länger dauert, bis Ergebnisse vorliegen. VW will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Der Wolfsburger Autobauer steht in den USA extrem unter Druck. Die US-Umweltbehörde EPA und das Justizministerium haben wegen des Skandals um Abgasmanipulationen eine milliardenschwere Klage eingereicht. Erst am Dienstag sorgte ein Bericht des „Wall Street Journal“ für Aufsehen, wonach das Justizministerium ein Gesetz gegen den Konzern anwenden will, das eigentlich für Banken gedacht war. Damit soll geprüft werden, ob bei der Finanzierung der manipulierten Fahrzeuge Schaden entstanden ist.

Michael Horn war seit Januar 2014 Amerika-Chef. Der 54-Jährige arbeitete seit 1990 bei dem Wolfsburger Konzern und hat sich dort beharrlich nach oben gearbeitet. Im Oktober, drei Wochen nach Bekanntwerden des Dieselskandals, musste er vor dem US-Kongress aussagen.

Horn hatte sich damals selbst erstaunt gezeigt, dass ein Betrug in diesem Ausmaß bei VW möglich war. „Diese Vorfälle sind sehr besorgniserregend“, hatte er damals eingeräumt und sich dafür entschuldigt. Horn galt als ein VW-Manager, der offen Probleme anspricht. In seiner Zeit als Amerika-Chef hat er sich vor allem für die Autohändler stark gemacht.

In den vergangenen Monaten hat er ein Goodwill-Programm auf die Beine gestellt, das US-Autofahrern Bargeld im Wert von 500 Dollar und einen Gutschein von weiteren 500 Dollar zukommen lässt, das sie bei ihrem Händler beispielsweise für Winterreifen ausgeben können. VW will somit auch die Kontaktdaten der Autobesitzer sichern, die das Unternehmen für den Rückruf in den USA braucht.

Kommentare (25)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

10.03.2016, 09:31 Uhr

Auch wenn VW nicht zu meinen internationalen Prämiumaktien zählt muss ich doch was los werden.

So geht das nicht HBO

Mehrmals täglich schaue ich hier nach ob es doch noch eine offene Kommentarfunktion gibt.
Das kostet Zeit und Energie. Sie müssen auche bedenken das dies für viele hier ein wichtiger sozialer Kontakt ist, und dadurch wenigstens die Möglichkeit besteht endlich mal jemanden etwas mitzuteilen.

Doch zum Thema: Die Anlage in Aktien ,natürlich nur in den internationalen Prämiumaktien, ist weiterhin alternativlos.
Heute sollte man abwarten, denn es ist Draghiday.

Frau Monika Forro

10.03.2016, 09:33 Uhr

Wenn VW die Betrugsaffäre glaubwürdig aufarbeiten würde, wäre nunmehr auch ein Austausch von Müller und Co angezeigt.

Darüber hinaus müsste der deutsche Bundesverkehrsminister, DOBRINDT nicht länger wie ein altersschwacher zahnloser Tiger aufführen, sondern seine Krallen ausfahren und VW nach dem Vorbild der USA durchkneten.

Das Personalsignal aus den USA ist ein deutliches Signal, dass VW noch sehr viel Ungemach bevorstehen wird. Möglicherweise auch Haftstrafen für Mitglieder der Vorstandssparten.

Account gelöscht!

10.03.2016, 10:10 Uhr

AAAAAH

was ist denn hier los, eine offene Kommentarfunktion und ich sehe sie jetzt erst.

Wie macht ihr das immer?
Blättert ihr hier täglich,minütlich durch?????

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×