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07.03.2017

02:09 Uhr

Volkswagen in Genf

Mit „Sedric“ soll das Autonome Fahren beginnen

VonStefan Menzel

Auf dem Autosalon in Genf zeigt Volkswagen sein erstes autonom fahrendes Auto. „Sedric“ steht aus Sicht des von der Dieselaffäre geplagten Konzerns für eine neue Schlüsseltechnologie. Milliarden sollen investiert werden.

VW „Sedric“

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GenfMatthias Müller drückt auf den Knopf. Das Tor geht auf und wie von Geisterhand bewegt fährt das neueste Auto aus dem Volkswagen-Konzern auf die Bühne. Es sitzt kein Fahrer mehr in dem Wagen, es gibt nicht einmal mehr ein Lenkrad. Der „Sedric“, so lautet der Name des selbstständig fahrenden Autos, sucht sich seinen Parkplatz auf der anderen Seite der Bühne. Fast lautlos, denn das Auto hat einen Elektromotor.

Mit dem Auftritt des „Sedric“ hat Volkswagen-Chef Matthias Müller den Konzernabend des Wolfsburger Autoherstellers auf dem Genfer Autosalon eröffnet. Dieselaffäre, die Auseinandersetzung zu Hause mit dem Betriebsrat, der Konflikt um überhöhte Vorstandsgehälter und -pensionen sind zunächst vergessen. In Genf will Volkswagen ausschließlich mit Autos Schlagzeilen machen und nicht mit den Streitereien der zurückliegenden Wochen.

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Der Vorstandschef gibt sich auf der Bühne des Genfer Autosalons am Montagabend als glühender Verfechter des Autonomen Fahrens. Auch wenn ihm das zunächst etwas schwerfällt. „Viele von Ihnen lieben es genauso wie ich, das Steuer selbst in der Hand zu halten“, sagt er vor 400 Gästen auf dem Genfer Messegelände. Doch am Ende ist er von den Vorzügen des Autonomen Fahrens überzeugt: „Es wird individuelle Mobilität für uns alle sicherer, komfortabler und effizienter machen.“

Der „Sedric“, Abkürzung für die englischsprachige Bezeichnung „self-driving-car“, steht dafür, wie sich die Ingenieure des Volkswagen-Konzerns die Zukunft des Autonomen Fahrens vorstellen. Das Auto hat ein Gesicht bekommen: Die Scheinwerfer sind so angeordnet, dass sie als Ganzes wie eine sympathisch-niedliche Figur aus einem Kinder-Comic wirken. Der „Sedric“ soll zum Mitfahren einladen, deshalb das freundliche Erscheinungsbild.

Die fünf Stufen des automatisierten Fahrens

Stufe 1: Fahrassistenten

Der Fahrer lenkt, bremst und beschleunigt selbständig. Einfache Systeme wie Abstandshalter unterstützen ihn.

Stufe 2: Teilautomatisiertes Fahren

Das elektronische System übernimmt bestimmte Funktionen wie automatisches Einparken oder das Spurhalten. Der Fahrer bleibt aber weiter in der Verantwortung, die Hände bleiben am Lenkrad.

Stufe 3: Hochautomatisiertes Fahren

Das Fahrzeug fährt weitgehend autonom, der Fahrer muss nicht mehr alles dauerhaft überwachen. Er darf die Hände vom Lenkrad nehmen, muss aber in der Lage sein, nach Vorwarnung die Kontrolle wieder zu übernehmen.

Stufe 4: Vollautomatisiertes Fahren

Der Fahrer kann noch übernehmen, ist aber nicht mehr erforderlich, um das Auto zu steuern. Elektronische Systeme können alle Verkehrssituationen automatisch bewältigen.

Stufe 5: Fahrerloses Fahren

Das Lenkrad entfällt, das Auto wird nur noch vom System gesteuert.

Das Auto war seit dem Sommer von mehreren 100 Ingenieuren des Volkswagen-Konzerns entwickelt worden. Federführende Kraft war dabei das europäische Future Lab, das der Konzern im vergangenen Jahr in Potsdam gegründet hatte und das sich vor allem um das Autodesign kümmert.

Aus dem ersten komplett selbstfahrenden Vehikel des Volkswagen-Konzerns soll in den kommenden Jahren noch viel mehr werden. Es dürfte eine Produktfamilie des „Sedric“ werden, mit Ablegern und Varianten. Vorstandschef Müller untermauert seine Absichten mit Zahlen. Volkswagen werde in das Autonome Fahren „mehrere Milliarden Euro“ investieren. Die selbstständig fahrenden Autos seien für den Wolfsburger Autohersteller eine „Kerntechnologie“. Genauso wie die Digitalisierung der Fahrzeuge und des neue Batterieantriebs.

Kommentare (19)

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Herr Michael Müller

07.03.2017, 08:25 Uhr

Deutsche Unternehmen planen das autonome Fahren, wo andere Hersteller schon längst Produkte anbieten.

Deutschland war einmal führend, nicht nur in der Fahrzeugtechnik! Mit ein Grund dürfte sein, dass Deutsche Steuergelder in aller Welt verschenkt (!!!) werden und es für Unternehmensgründer in Deutschland durch übereifernden Bürokratismus immer schwieriger wird.

Herr Wolfgang Wüst

07.03.2017, 08:41 Uhr

Autonomes Fahren, wenn Millionen Selbstfahrer mit ihrer eigenwilligen Fahrtechnik auf den gleichen Straßen unterwegs sind? - Ich halte das für einen Wunschtraum, aber für einen ganz miesen.

Ich denke nicht, dass Technologie mit einer Masse schnell auftretender menschlicher Fehlentscheidungen wird sachgerecht umgehen können.

Ich denke auch nicht, dass die Menschen sich in nennenswertem Masse das Lenkrad aus der Hand nehmen lassen. Dazu sind die Vorteile des autonomen gegenüber des individuellen Fahrens längst nicht herausgearbeitet. Gibt es diese Vorteile überhaupt?

G. Nampf

07.03.2017, 09:11 Uhr

Wie kann man von "autonomen Fahren" schwadronieren, wenn das Auto/Google bestimmt, wohin und wie man fährt.

Ganz zu schweigen davon, daß es für jeden Bürger dann personalisierte "restricted areas" geben wird, die definieren, wo er fahren/nicht fahren darf - selbstverständlich wird auch jede Bewegnung des Autos ausgewertet und bis in alle Ewigkeit gespeichert.

"Autonomes Fahren" ist in Wirklichkeit betreutes Fahren.

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