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20.11.2016

13:45 Uhr

Volkswagen

Osterloh wirft Großeigner Porsche mangelnden Reformwillen vor

Nach wochenlangem Ringen haben sich Vorstand und Betriebsrat bei Volkswagen auf einen „Zukunftspakt“ für den Autobauer geeinigt. Doch nun kracht es an einer anderen Front. Der Betriebsratschef greift den Großaktionär an.

Der VW-Betriebsratschef beklagt mangelnde Unterstützung der Arbeitnehmer durch die Eigentümerfamilien. dpa

Bernd Osterloh

Der VW-Betriebsratschef beklagt mangelnde Unterstützung der Arbeitnehmer durch die Eigentümerfamilien.

WolfsburgNach dem angekündigten Abbau von Zehntausenden Jobs bei Volkswagen hängt der Haussagen zwischen dem Betriebsrat und VW-Großaktionär Wolfgang Porsche schief. „Wir wundern uns schon ziemlich, dass ausgerechnet Herr Dr. Porsche mal so locker zu Protokoll gibt: „Es haben alle gewusst, dass etwas passieren muss“, sagte Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. Er forderte Porsche als den Sprecher der VW-Großeignerfamilie Porsche/Piëch zu mehr Reformwillen für die Neuausrichtung des Unternehmens auf und kritisierte seinerseits mangelnde Unterstützung des Auto-Clans.

„Von den Familien haben wir als Beschäftigte jedenfalls bis zum heutigen Tag keine Unterstützung dabei bekommen, die Missstände abzustellen. Und wir sehen da akut noch genug Handlungsbedarf - beispielsweise die absolut unbefriedigende Situation der Marke Volkswagen in vielen großen Regionen der Welt jenseits von China und Europa.“ Der Chef der Arbeitnehmervertreter kritisierte in Richtung des Großaktionärs: „Da kann Herr Dr. Porsche gerne konkret mithelfen, die richtigen Strategien durchzusetzen. Das hilft dem Unternehmen mehr als der Besuch eines Autorennens in Bahrain.“

Was der Zukunftspakt für die VW-Standorte bedeutet

Wolfsburg

Bis 2020 sollen am Stammsitz rund 1000 Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern entstehen. Der nächste Golf 8 für die USA soll in Wolfsburg gefertigt werden, außerdem ein SUV für die spanische Tochter Seat. In anderen Bereichen läuft die Fertigung bis 2022 aus – unter anderem beim Lenkstangenrohr und der Räderfertigung.

Kassel

Das größte Teilewerk des Konzerns soll im VW-Konzern das Leitwerk für den Elektro-Antriebsstrang werden – samt Entwicklungsaufgaben. Zudem sollen in Nordhessen auch mehr Ersatzteile gefertigt werden.

Salzgitter

Das Motorenwerk in Salzgitter gilt als einer der Verlierer aufkommender E-Antriebe. Der Standort soll daher die Federführung bei der Entwicklung von Batteriezelltechnologien erhalten und – soweit wirtschaftlich tragbar – auch die Serienfertigung der Zellen. Die Produktion von Hauptkomponenten für E-Motoren soll sich Salzgitter mit Kassel teilen.

Emden

Ab 2019 soll Emden ein viertes Modell bekommen, um die Auslastung des Werkes an der Küste zu sichern. Im Zuge der Abgasaffäre hatte VW im März angekündigt, die Verträge von 2150 Leiharbeitern nicht zu verlängern.

Hannover

Die Gießerei und der Bereich Wärmetauscher standen auf dem Prüfstand, bleiben aber erhalten und sollen auch Komponenten für die E-Antriebe der Zukunft liefern. Zudem wird in der Gießerei der 3D-Druck von Teilen angesiedelt. In beiden Bereichen fallen jedoch Stellen weg.

Braunschweig

Das Werk bekommt die Entwicklung für Batteriesysteme in den Produktionsbaukästen des Konzerns sowie die Montage von einigen Batterien. Zudem soll die Produktion von Lenkungen ausgebaut werden. Die Kunststofffertigung wird dagegen bis 2021 eingestellt, auch Fahrwerke werden wohl Arbeit verlieren.

Zwickau

Neue Golf-Modelle sollen auch weiter in Zwickau gebaut werden, zudem soll das Werk ein Elektromodell erhalten. Dennoch wird die Zahl der Beschäftigten sinken.

Von der Sportveranstaltung in dem Golfstaat hatte sich Wolfgang Porsche mit dem kritisierten Zitat kurz nach Bekanntgabe des Zukunftspakts in der „Automobilwoche“ zu Wort gemeldet. Mit diesem Pakt einigten sich Arbeitgeber und Betriebsrat Ende vergangener Woche auf Reformen für die gewinnschwache Kernmarke und eine Neuausrichtung auf Elektromobilität und Digitalisierung. Der Pakt sieht auch einen sozialverträglichen Abbau von hierzulande bis zu 23.000 VW-Stellen in den nächsten Jahren vor.

Osterloh betonte, die Arbeitnehmerseite habe beispielsweise schon vor mehr als zwei Jahren - und damit weit vor dem Abgas-Skandal - mit einer eigenen Ideensammlung auf milliardenschwere Einsparmöglichkeiten bei der renditeschwachen Kernmarke hingewiesen. „Ebenso wie auf die „Katastrophenveranstaltung“ in den USA im Januar 2014, also vor fast drei Jahren, womit die Entwicklung der Modellpolitik im nordamerikanischen Markt, nicht Diesel, gemeint war“, so Osterloh.

Die Familien Porsche/Piëch halten mehr als die Hälfte der stimmberechtigten VW-Stammaktien und haben damit die Macht bei Europas größtem Autobauer. Wolfgang Porsche war bisher ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zum Betriebsrat nachgesagt worden.

Von

dpa

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