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07.03.2016

08:52 Uhr

Volkswagen

Porsche telefoniert noch mit Winterkorn

Wolfgang Porsche ist der einflussreichste Aufsichtsrat der Porsche/Piëch-Familie. Der Cousin von Ferdinand Piëch steht hinter VW-Chef Müller und Chefaufseher Pötsch. Doch an der Diskussionskultur sei noch zu Arbeiten.

„Er hat dem Volkswagen-Konzern fast 35 Jahre gedient, das sollten wir nicht vergessen.“ AFP; Files; Francois Guillot

Wolfgang Porsche (r.) mit Martin Winterkorn

„Er hat dem Volkswagen-Konzern fast 35 Jahre gedient, das sollten wir nicht vergessen.“

GenfVW-Aufsichtsrat Wolfgang Porsche hat sich für eine neue Gesprächskultur in den Führungsgremien des Konzerns ausgesprochen und will nach „Dieselgate“ auch schwierige Themen offen ansprechen. „Wenn wir zum Beispiel feststellen, dass wir in einzelnen Bereichen bei Volkswagen einen Personalüberhang haben, muss man frühzeitig über konstruktive Lösungen nachdenken können“, sagte Porsche am Rande des Genfer Autosalons. „Damit wird vermieden, dass man dann im Fall einer Krise von heute auf morgen Menschen entlassen muss.“

„Wir dürfen schwierige Themen nicht einfach tabuisieren, sondern müssen sie im Aufsichtsrat offen ansprechen“, forderte Porsche. Der 72-jährige Wolfgang Porsche ist als Chefkontrolleur der VW-Mutter Porsche SE der einflussreichste Aufsichtsrat der Porsche/Piëch-Familie. Die Familien halten über die Porsche-Holding die Mehrheit der Stimmrechte bei Volkswagen.

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Hätte der Ex-Chef früher in der VW-Abgasaffäre reagieren müssen? Die Klageerwiderung von VW zeigt, dass Martin Winterkorn mehrfach über Probleme informiert wurde. Das Dokument liegt dem Handelsblatt exklusiv vor.

VW selbst will versuchen, nach dem Gewinneinbruch im Zuge des Skandals um manipulierte Abgastests bei Dieselfahrzeugen einen Jobabbau in der Stammbelegschaft zu vermeiden. Sicherheit gibt den Mitarbeitern im Haustarifvertrag eine Beschäftigungsgarantie, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Der Abbau von Stellen ist aber dennoch möglich. Bislang bangen vor allem die Leiharbeiter um ihre Jobs, zuletzt im VW-Werk in Emden.

Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil (SPD) sagte: „Nach allem was ich weiß, haben wir „Dieselgate“ zwar mit vielen Schmerzen zu verarbeiten, Volkswagen hat aber auch eine ausgesprochen gute wirtschaftliche Substanz.“ Wenn VW wettbewerbsfähig bleibe, sei auch die Beschäftigung gesichert.

Porsche machte aber klar, dass an dem von VW-Chef Matthias Müller angekündigten Sparkurs kein Weg vorbei führe. „Wir müssen uns an der einen oder anderen Stelle sicher etwas schlanker aufstellen“, sagte der Aufsichtsrat. „Es gibt Dinge, die sind Nice-to-Have und Dinge, die sind ein Muss. Die Nice-to-Have-Dinge muss man hinterfragen.“

Entscheidungen sind aber nicht gefallen. „Solange wir nicht wissen, um welche Größenordnung es sich bei möglichen Schadenersatzforderungen oder Strafzahlungen handelt, werden wir auch nicht über konkrete Konsequenzen und Maßnahmen diskutieren“, sagte Porsche. Zur Aufarbeitung des Abgasskandals wollte er sich nicht äußern. „Die amerikanischen Behörden haben bestimmte Vorstellungen zur Aufklärung und zu möglichen Lösungen“, sagte Porsche lediglich.

Der Volkswagen-Konzern hat früh Hinweise auf gefälschte Abgaswerte bei Dieselautos erhalten. „Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand verdichteten sich bei Volkswagen ab Ende Mai 2015 zunehmend die Hinweise darauf, dass es zum Einsatz einer gegen US-Recht verstoßenden Software gekommen sein könnte“, heißt es in einer Klageerwiderung, mit der sich das Unternehmen gegen Schadensersatzforderungen enttäuschter Aktionäre wehrt. Das berichtet das „Handelsblatt“ in seiner Montagsausgabe. Der 115-seitige Schriftsatz liegt der Zeitung vor.

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