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22.08.2016

21:42 Uhr

Volkswagen-Produktion stockt

Lieferstopp trifft immer mehr VW-Mitarbeiter

Der Streit mit zwei Zulieferern trifft die Volkswagen-Produktion empfindlich: In sechs Werken des Autobauers sind mittlerweile fast 30.000 Mitarbeiter von den Unterbrechungen betroffen. Die Verhandlungen laufen weiter.

VW muss Produktion stoppen

Wälzt VW die Abgasaffäre auf die Zulieferer ab?

VW muss Produktion stoppen: Wälzt VW die Abgasaffäre auf die Zulieferer ab?

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Wolfsburg/Dresden/Berlin/FrankfurtDer Streit zwischen dem Volkswagen -Konzern und zwei Lieferanten zieht immer weitere Kreise: Fast 30.000 Beschäftigte des Konzerns müssen in den kommenden Tagen zuhause bleiben, weil ihnen wegen fehlender Bauteile die Arbeit ausgeht. Für den Steuerzahler könnte das teuer werden: Bei Kurzarbeit übernimmt die Bundesagentur für Arbeit bis zu zwei Drittel des bisherigen Nettolohns. VW kündigte an, das Kurzarbeitergeld aufzustocken, so dass die Mitarbeiter fast keine Einbußen haben sollen.

Ökonomen rechnen damit, dass der Produktionsausfall bei dem Industrie-Schwergewicht VW die Konjunktur in Deutschland merklich belasten könnte. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel rief zu einer raschen Beilegung des Konflikts auf.

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Betroffen von der Maßnahme sind 27.700 Beschäftigte der Marke VW in Deutschland und weitere knapp 1000 bei einem hauseigenen Teilelieferanten. Den Anfang machte am Montag die Golf-Produktion im Wolfsburger Stammwerk und im sächsischen Zwickau. An weiteren Standorten sollen im Laufe der Woche Teile der Produktion in Kurzarbeit gehen. Die Wolfsburger haben ihrer ertragsschwachen Hauptmarke VW, die unter anderem vom Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte belastet wird, einen Sparkurs verordnet.

Der CDU-Arbeitsmarktexperte Karl Schiewerling hat sich dagegen ausgesprochen, den von Produktionsengpässen durch fehlende Zulieferteile betroffenen VW-Mitarbeitern Kurzarbeitergeld zu zahlen. „Kurzarbeit ist keine Streikkasse für Unternehmen, die sich im Wirtschaftskampf befinden und eingegangene Verträge mutwillig nicht einhalten“, sagte Schiewerling der „Süddeutschen Zeitung“ laut Vorabbericht vom Montag.

In Wolfsburg wurden am Montag die Verhandlungen zwischen VW und den Lieferanten Car Trim und ES Automobilguss über eine gütliche Lösung fortgesetzt. Die beiden zur Prevent-Gruppe mit Sitz in Slowenien gehörenden Firmen hatten zuvor die Lieferung von Bezügen für Autositze und Getriebegehäusen eingestellt.

Hintergrund ist ein Streit wegen eines von Volkswagen gekündigten Auftrags. Die Firmen werfen Volkswagen Machtmissbrauch vor. Eine rasche Einigung in dem Lieferstreit wurde nicht erwartet, da die Fronten als verhärtet gelten. Vergangene Woche waren Gespräche mit den Zulieferern aus Sachsen ohne Einigung geblieben.

Nach mehrstündigen Gesprächen über eine Einigung im VW-Zuliefererstreit sind die Verhandlungen nach dpa-Informationen auf gutem Weg. Die Gespräche verliefen bisher „konstruktiv und vielversprechend“, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Montagabend der Deutschen Presse-Agentur. Es sei aber zu früh, über Ergebnisse zu sprechen. Sprecher von VW sowie der beteiligten Zulieferer wollten sich zunächst nicht äußern.

Volkswagen hat alle rechtlichen Hebel gezogen, um die Belieferung seiner Werke wieder in Gang zu bringen. Dazu gehört auch die Androhung von Ordnungsgeld und Ordnungshaft gegen die beiden Firmen. Zudem streben die Wolfsburger eine Ermächtigung an, die benötigten Bauteile bei ES Automobilguss abholen zu lassen. Den Lieferanten war vergangene Woche für eine Stellungnahme eine dreitägige Frist nach Erhalt der Anträge gesetzt worden. Da wegen des Wochenendes nicht genau gesagt werden kann, wann die Unternehmen die Dokumente per Post erhalten, will das Landgericht Braunschweig bis Ende dieser Woche warten und dann entscheiden.

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