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31.05.2016

11:00 Uhr

Volkswagen-Quartal

VW streicht Dieselgate aus der Bilanz

VonStefan Menzel

Im ersten Quartal laufen die Geschäfte für Volkswagen besser. Es gibt keine Rückstellungen mehr für die Diesel-Affäre. Allein schon deshalb gibt es in Wolfsburg wieder schwarze Zahlen.

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DüsseldorfVolkswagen versucht die Rückkehr zur Normalität. Nach der Diesel-Affäre aus dem Herbst vergangenen Jahres ist das dem Wolfsburger Konzern im ersten Quartal von 2016 zumindest ansatzweise gelungen. Der Umsatz liegt für die Monate von Januar bis März bei knapp 51 Milliarden Euro, was gegenüber dem Vorjahr einem Minus 3,4 Prozent entspricht. Nach Steuern lag der Konzerngewinn in den ersten drei Monaten bei 2,4 Milliarden Euro, im Vorjahr waren es noch 2,9 Milliarden Euro.

Im ersten Quartal gab es keine Sonderbelastungen in Milliardenhöhe wie zu Ende vergangenen Jahres. Im dritten und im vierten Quartal von 2015 hatte VW wegen der Kosten der Diesel-Affäre mehr als 16 Milliarden Euro zurückgestellt und war dadurch tief in die Verlustzone gerutscht. Für Marktbeobachter war damit schon im Vorfeld klar, dass der Wolfsburger Konzern im ersten Quartal wieder schwarze Zahlen schreiben würde.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

„Wir haben unter schwierigen Bedingungen respektable Ergebnisse erwirtschaftet“, kommentierte VW-Konzernchef Matthias Müller am Dienstagmorgen das Quartalsergebnis. Dem Unternehmen sei es gelungen, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Diesel-Affäre in Grenzen zu halten. Trotzdem warfen Anleger die VW-Papiere aus den Depots und drückten den Kurs bis zu 4,7 Prozent ins Minus.

Die Marke VW leidet immer noch am stärksten unter dem Skandal mit manipulierter Software in den Dieselmotoren. Das operative Ergebnis der Marke ist im Vergleich zum Vorjahresquartal von 514 auf 73 Millionen Euro gefallen. Die operative Rendite liegt gerade einmal bei 0,3 Prozent. Dass der Konzern überhaupt ein vergleichsweise gutes Gesamtergebnis präsentieren konnte, liegt an den unverändert guten Verkaufszahlen der Premiumtöchter. Porsche und Audi verdienen ordentlich und können so die Probleme bei der Marke VW mehr als ausgleichen.

Kommentare (17)

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Herr Peter Delli

31.05.2016, 09:58 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

31.05.2016, 10:09 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Rainer von Horn

31.05.2016, 10:16 Uhr

VW macht wieder Gewinn? So weit so gut. Nur: wo bleibt die Klage Europas gegen den US-amerikanischen Mutterkonzern von Opel, wegen deren Abgas-Tricksereien? Wo? Man hört, sieht und liest nichts darüber. Komisch ist das.

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