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05.10.2015

18:09 Uhr

Volkswagen schreibt an Politiker

Acht Millionen VW-Diesel in der EU betroffen

Volkswagen bittet seine Kunden in Anzeigen um Verzeihung – und kündigt eine Rückruf-Aktion für alle betroffenen Fahrzeuge in die Werkstätten an. Auch ausgewählte Bundestagsabgeordnete haben Post vom Autobauer erhalten.

Volkswagen bitten seine Kunden in Anzeigen um Verzeihung – und kündigt eine Rückruf-Aktion an. ap

Volkswagen

Volkswagen bitten seine Kunden in Anzeigen um Verzeihung – und kündigt eine Rückruf-Aktion an.

Der Volkswagen-Konzern kommt in der Abgas-Affäre nicht zur Ruhe. Neben ganzseitigen Anzeigen, in denen sich das Unternehmen bei seinen Kunden entschuldigt, hat der Konzern auch die Bundestagsabgeordneten angeschrieben, die Standorte von Volkswagen in ihren Wahlkreisen haben. Das Formschreiben ist auf den 2. Oktober datiert und liegt dem Handelsblatt vor.

Aus dem Brief geht hervor, dass EU-weit acht Millionen Fahrzeuge mit der Manipulationssoftware ausgestattet sind. Dies räumen Thomas Steg, ehemaliger Regierungssprecher unter Kanzlerin Angela Merkel und heute Generalbevollmächtigter der Volkswagen AG, sowie Michael Jansen, Leiter der Konzernrepräsentanz in Berlin, als Unterzeichner des Briefs ein. „Betroffen sind in der Europäischen Union (EU 28) 8,0 Millionen Diesel-Motoren mit dem Typ EA 189 EU5 mit Hubraumgrößen 1,2 l, 1,6 l und 2,0 l“, heißt es in dem Brief. Die Motorenkonzepte würden „gegenwärtig darauf hin überprüft, ob sie den rechtlichen Vorgaben entsprechen“. Zugleich kündigt Volkswagen in dem Brief eine Rückrufaktion an. Alle Fahrzeuge würden in die Werkstätten kommen. )„Natürlich werden wir die dadurch entstehenden Kosten übernehmen“, heißt es.

Der VW-Abgasskandal - eine Chronik

Freitag, 18. September

Die US-Umweltbehörde EPA teilt in Washington mit, Volkswagen habe eine spezielle Software eingesetzt, um die Messung des Schadstoffausstoßes bei Abgastests zu manipulieren.

Samstag, 19. September

Die Deutsche Umwelthilfe fordert angesichts der VW-Manipulationsvorwürfe ein Fahrverbot für Dieselautos. Das Problem bestehe nicht nur in den USA, sondern noch stärker in Europa.

Sonntag, 20. September

Winterkorn kündigt eine umfassende Aufklärung an. „Ich persönlich bedauere zutiefst, dass wir das Vertrauen unserer Kunden und der Öffentlichkeit enttäuscht haben“, teilte er mit und erklärt das Thema zur „höchsten Priorität“. Später räumt ein Konzernsprecher ein, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist.

Montag, 21. September

Volkswagen stoppt den Verkauf von Dieselwagen mit Vierzylinder-Motoren in den USA. Betroffen sind dort Modelle der Kernmarke VW und der Tochter Audi. Die Vorzugsaktie von VW bricht zeitweise um mehr als ein Fünftel ein. In den USA entschuldigt sich VW-Regionalchef Michael Horn: „Wir haben Mist gebaut.“

Dienstag, 22. September

Auch in Absatzmärkten außerhalb der USA gibt es Forderungen, Klarheit über das Ausmaß der Affäre zu schaffen. VW gibt eine Gewinnwarnung heraus und kündigt Milliarden-Rückstellungen an. In einem Video bittet Winterkorn um Entschuldigung.

Mittwoch, 23. September

Winterkorn tritt zurück. „Ich bin bestürzt über das, was in den vergangenen Tagen geschehen ist. Vor allem bin ich fassungslos, dass Verfehlungen dieser Tragweite im Volkswagen-Konzern möglich waren“, erklärt er seinen Schritt. Der Aufsichtsrat kündigt eine Entscheidung über die Nachfolge an.

Donnerstag, 24. September

Die Affäre bringt die gesamte Industrie in Bedrängnis. Vorwürfe werden laut, auch andere Hersteller könnten manipuliert haben. Viele dementieren das. Daneben gibt es etliche Personalspekulationen rund um VW. Medien berichten, Porsche-Chef Matthias Müller habe die besten Chancen, Winterkorn zu beerben.

Freitag, 25. September

Der VW-Aufsichtsrat wählt Matthias Müller zum neuen Konzernchef.

Montag, 28. September

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig leitet Ermittlungen ein.

Dienstag, 29. September

Volkswagen legt einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vor und will fünf Millionen Fahrzeuge der Kernmarke VW in die Werkstätten holen.

Mittwoch, 30. September

Das Präsidium des Aufsichtsrates tagt. Es schlägt vor, die im November geplante außerordentliche Aufsichtsratssitzung abzusagen. Trotz der Affäre soll der langjährige VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch weiterhin neuer Aufsichtsratsvorsitzender werden.

Die VW-Finanztochter verhängt einen Einstellungsstopp bis zum Jahresende, auslaufende Zeitverträge werden nicht verlängert.

Donnerstag, 1. Oktober

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig rudert zurück: Entgegen früheren Angaben führt sie kein formelles Verfahren gegen Winterkorn. Neuer VW-Finanzchef wird nach dem Wechsel von Hans Dieter Pötsch in den Aufsichtsrat der Leiter der Finanzsparte, Frank Witter.

Freitag, 2. Oktober

Der US-Kongress teilt mit, dass sich VW-Landeschef Michael Horn am 8. Oktober den Abgeordneten in einer Befragung stellen muss. Auf speziellen Internetseiten können Kunden von VW und Audi prüfen, ob ihr Wagen die Manipulations-Software verwendet.

Dienstag, 6. Oktober

Betriebsratschef Bernd Osterloh und Müller sprechen bei einer Betriebsversammlung in Wolfsburg zur Belegschaft. Osterloh betont, bisher gebe es noch keine Konsequenzen für Jobs - laut Müller stellt die Abgas-Affäre aber bereits geplante Investitionen infrage.

In dem Brief entschuldigen sich die Cheflobbyisten bei den Abgeordneten für das „Fehlverhalten einiger weniger Personen“ im Konzern und versprechen, dass der Aufsichtsrat „mit Unterstützung deutscher und amerikanischer Juristen die lückenlose Aufklärung der Vorgänge überwachen“ werde. Weiter heißt es: „Seien Sie versichert, dass wir derzeit mit Hochdruck und in enger Abstimmung mit den Behörden (Kraftfahrtbundesamt) und der Bundesregierung an einer technischen Lösung für die betroffenen Fahrzeuge arbeiten.“

Bis zum Mittwoch muss Volkswagen dem Bundesamt mitteilen, wie es die Probleme zu beheben gedenkt. Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums erklärte, es lägen keine Erkenntnisse vor, dass VW die Frist verstreichen lasse.
Politische Konsequenzen müssen die Automobilhersteller erst einmal nicht befürchten. So gibt es innerhalb der Bundesregierung nach Angaben einer Sprecherin des Finanzministeriums keine Pläne, als Konsequenz aus der Abgas-Affäre bei Volkswagen die Besteuerung von Diesel-Kraftstoff zu verändern.

Nach dem VW-Abgasskandal stellt allerdings Großbritannien Subventionen für Diesel-Fahrzeuge infrage. Und Frankreichs Umweltministerin Ségolène Royal hatte am Sonntag angekündigt, ihr Land wolle die finanziellen Vorteile für Diesel in den nächsten fünf Jahren abschaffen.

Kommentare (10)

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Herr Hans Mayer

05.10.2015, 18:45 Uhr

Allen im Bundestag vertretenen Politikkaspern geben die Autobauer, VW, Opel, Fiat und Ford gerne 20% auf Neufahrzeuge, ohne was rumhandeln zu müssen, die kriegen einfach ein Schreiben, das legen die dem Autohändler vor, damit hat sich die Sache, toll wenn man an den Fresströgen sitzt, da gibt's ne Menge zu holen, ganz ohne zu fordern, wird denen sozusagen hinterher geschmissen

Herr C. Falk

05.10.2015, 19:04 Uhr

18.58h. Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.Sie können wochentags kommentieren von 7.30h bis 21h , wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-online Leser sind....

Leider hält sich das Handelsblatt nicht an seine eigenen Regeln, wenn es um Beiträge mit politischer Brisanz geht wie z.B. dem Interview mit Herrn Paque, dem "liberalen Vordenker".

"Das gibt Zu Denken"

Herr C. Falk

05.10.2015, 19:04 Uhr

18.58h. Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.Sie können wochentags kommentieren von 7.30h bis 21h , wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-online Leser sind....

Leider hält sich das Handelsblatt nicht an seine eigenen Regeln, wenn es um Beiträge mit politischer Brisanz geht wie z.B. dem Interview mit Herrn Paque, dem "liberalen Vordenker".

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