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02.09.2015

17:50 Uhr

Volkswagen-Tochter

MAN leitet offenbar Börsen-Abschied ein

Fast ein Vierteljahrhundert war MAN ein Dax-Schwergewicht. Mit der Übernahme durch VW hat sich das geändert. Nun will der Lkw- und Maschinenbau-Konzern auch noch aus dem MDax aussteigen. Der Anfang vom Börsen-Ende?

Vor vier Jahren übernahm Volkswagen die Mehrheit beim Lkw- und Maschinenbauer MAN. Seither zieht sich der krisengeschüttelte Konzern langsam aus der Börse zurück. dpa

Verlust der Unabhängigkeit

Vor vier Jahren übernahm Volkswagen die Mehrheit beim Lkw- und Maschinenbauer MAN. Seither zieht sich der krisengeschüttelte Konzern langsam aus der Börse zurück.

MünchenVier Jahre nach dem Verlust der Unabhängigkeit steigt der Lastwagen- und Maschinenbauer MAN an der Börse weiter ab. Der Münchner Konzern, einst Gründungsmitglied des Dax und Schwergewicht in der höchsten deutschen Börsenliga, kündigte am Mittwoch an, künftig auch auf die Präsenz im Nebenwerteindex MDax verzichten zu wollen. Dorthin war MAN 2012 abgerutscht, nachdem Volkswagen im Jahr davor die Mehrheit an dem Traditionsunternehmen übernommen hatte. Inzwischen halten die Wolfsburger 75,28 Prozent der Anteile. Der MAN-Vorstand beschloss jetzt, den Wechsel vom so genannten Prime Standard in den General Standard zu beantragen, um den Aufwand für den krisengeschüttelten Konzern zu reduzieren. Damit entfallen die Voraussetzungen für den Verbleib im MDax.

„Das klingt nach einem langsamen Rückzug von der Börse“, sagte NordLB-Analyst Frank Schwope. Firmen, die im General Standard gelistet sind, sind unter anderem nur zur Veröffentlichung eines Zwischenberichts und zu Ad-hoc-Mitteilungen in deutscher Sprache verpflichtet. Konzerne im Prime Standard müssen dagegen unter anderem quartalsweise über ihre Zahlen in deutscher und englischer Sprache informieren, einen Unternehmenskalender veröffentlichen und mindestens eine Analystenkonferenz pro Jahr durchführen. Die Aufnahme in den Prime Standard ist Voraussetzung für die Mitgliedschaft in den Auswahlindizes Dax, MDax, TecDax und SDax der Deutschen Börse. MAN war fast 25 Jahre lang im Dax.

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Die Volkswagen-Tochter MAN streicht 1.800 Stellen und stellt die Produktion in Salzgitter ein. Die Gewerkschaft trägt den Kurs mit. Fehler der Vergangenheit sollen mit dem Sparprogramm wettgemacht werden.

„Weil man im General Standard viel weniger offen legen muss, bedeutet das eine große Kostenersparnis“, sagte ein Händler. MAN steuert nach roten Zahlen im ersten Halbjahr 2015 auf einen Nettoverlust zu. Weil die Sanierung der LKW-Produktion in Europa teuer ist, und die Dauerkrise in Brasilien belastet, sollen hohe dreistellige Millionenbeträge eingespart werden.

Nach Einschätzung des Händler deutet der geplante Wechsel des Börsensegments auch daraufhin, dass Volkswagen die verbliebenen Anteilseigner irgendwann herausdrängen werde. Die Wolfsburger waren 2006 bei den Münchnern eingestiegen, stockten 2011 ihren Anteil auf über 30 Prozent auf und kontrollierten nach dem anschließend fälligen Pflichtangebot 56 Prozent der Anteile. Im September 2011 gab die EU VW grünes Licht zur MAN-Übernahme, im November begann die Integration. Die Wolfsburger wollen gemeinsam mit der schwedischen Tochter Scania eine schlagkräftige Lkw-Allianz ins Rollen bringen. Im Sommer 2012 überschritt VW die Schwelle von 75 Prozent der Anteile an MAN – damit wurde ein Abfindungsangebot an die verbleibenden Aktionäre fällig. Weil zahlreichen kleinen Anteilseignern die VW-Offerte zu niedrig war, wird seither darüber gestritten. Vor Kurzem errangen die Kleinaktionäre vor Gericht einen Etappensieg.

Die MAN SE ist spätestens seit der Aufspaltung der beiden großen Geschäftsfelder nicht mehr die eigentliche Machtzentrale. VW hatte Anfang Mai eine neue Truck-Holding gegründet, die jetzt auch das MAN-Nutzfahrzeuggeschäft steuert. Für das Geschäft mit Schiffsdieseln und Getrieben wurde eine neue Heimat unter dem Dach des VW-Konzerns gefunden. Über die VW Truck Holding wird spekuliert, dass sie irgendwann selbst an die Börse gehen soll.

Von

rtr

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