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04.12.2015

10:25 Uhr

Volkswagen-Tochter und Dieselgate

Müller zieht bei Audi die Zügel an

VonMarkus Fasse

VW-Chef Matthias Müller übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz bei Audi. Die Tochter wird damit enger an die Leine genommen. Doch es ist noch ein langer Weg, um den Konzern fit für die Zukunft zu machen. Eine Analyse.

Der VW-Chef ist jetzt Chefaufseher des Audi-Vorstandsboss. picture alliance/dpa

Müller (l.) und Stadler

Der VW-Chef ist jetzt Chefaufseher des Audi-Vorstandsboss.

MünchenEs war kein angenehmer Abend für Rupert Stadler. Penibel wollten die Kontrolleure wissen, wann der Audi-Chef wusste, dass auch in seinen Motoren eine Software steckte, die man in den USA als betrügerisch wertet. Warum Rupert Stadler am 2. November nach Wolfsburg meldete, alles sei in Ordnung und der Mutterkonzern daraufhin öffentlich dementierte, dass auch die Sechszylinder des Konzerns Schummelfunktionen hatten. Aber: Schwamm drüber sagten sich die Kontrolleure am späten Donnerstagabend. Im VW-Konzern gibt es schon genug Baustellen, einen Führungswechsel bei Audi braucht man nicht auch noch.

Stattdessen wird die Aufsicht bei Audi verstärkt – seit dem Rücktritt von Martin Winterkorn fehlte Audi ein Aufsichtsratsvorsitzender. Den Posten übernimmt jetzt VW-Chef Matthias Müller, der mit der Oberaufsicht bei der wichtigsten Konzerntochter seine Macht bei VW konsolidiert. Künftig wird Stadler nicht nur im VW-Vorstand, sondern auch im Audi-Aufsichtsrat Müller Rapport erstatten.

Nicht nur Müller kreidete Stadler in den vergangenen Wochen die schweren Kommunikationsfehler um den Sechszylinder an, auch Arbeitnehmer und Eigentümer waren sauer auf den Audi-Chef. Mit Julia Kuhn-Piëch, der Nichte Ferdinand Piëchs, und Josef Ahorner rücken jetzt zwei weitere Vertreter der Eigentümerfamilien Porsche/Piëch in das Gremium auf.

Und noch eine Personalie entschieden die Aufseher am Abend. Der schon seit Wochen beurlaubte Entwicklungsvorstand Ulrich Hackenberg scheidet aus dem Unternehmen endgültig aus. Hackenberg, der über 30 Jahre lang die technische Entwicklung bei Audi und Volkswagen prägte, wird zumindest die politische Verantwortung für die Abgasaffäre bei VW angekreidet.

Hackenberg wird durch den 49-jährigen Stefan Knirsch ersetzt, der zuletzt bei der Rheinmetall-Tochter Pierburg Geschäftsführer war. Da er in seiner früheren Karriere sowohl bei Audi als auch bei Porsche war, gilt er als Idealbesetzung für die „fordernde Situation“, wie Stadler sagte.

Am Wochenende hatten sich Vertreter der Familien Porsche und Piëch mit Müller und Stadler getroffen. Beide Manager gelten als Vertraute der Eigentümer und erhielten das Signal, sich zusammenzuraufen, die Abgasaffäre aufzuklären, den Konzern umzubauen und fit für die Zukunft zu machen. Ein erster Schritt wurde am Donnerstagabend gemacht. Es ist der Anfang eines ganz langen Weges.

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