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22.07.2017

17:11 Uhr

Volkswagen und das Auto-Kartell

VW-Chef blockt bei Kartellvorwürfen

Der Volkswagen-Konzern hat laut einem „Spiegel“-Bericht selbst ausführlich Kartellbehörden über mögliche illegale Absprachen mit anderen Herstellern informiert. Doch öffentlich schweigen die Firmen.

„Zu Spekulationen und Sachverhaltsvermutungen auf Grundlage der Spiegel-Berichterstattung äußern wir uns nicht.“ dpa

VW-Chef Matthias Müller

„Zu Spekulationen und Sachverhaltsvermutungen auf Grundlage der Spiegel-Berichterstattung äußern wir uns nicht.“

DüsseldorfDie Aktien der großen deutschen Autokonzerne sind gestern unter Druck geraten, VW, Daimler und BMW gaben deutlich nach. Die vom „Spiegel“ veröffentlichten Informationen zu einem seit den 1990er-Jahren bestehenden Kartell der Konzerne in vielen Technologiebereichen hatten Anleger und Investoren ebenso wie Kunden und Wettbewerbsexperten verblüfft. Über den Verdacht der Absprachen zur Größe von AdBlue-Tanks zur Abgasbehandlung hatte auch das Handelsblatt ausführlich berichtet.

VW-Chef Matthias Müller hält sich in einem Interview mit der Rheinischen Post dazu bedeckt. „Zu Spekulationen und Sachverhaltsvermutungen auf Grundlage der Spiegel-Berichterstattung äußern wir uns nicht“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Volkswagen-Konzerns, zu dem auch die ins vermutete Kartell involvierten Marken Audi und Porsche gehören. Es ist die erste öffentliche Äußerung Müllers seit Bekanntwerden der Vorwürfe, die laut „Spiegel“ durch umfangreiche Offenlegungen des VW-Konzerns bei den Kartellbehörden unterfüttert sind.

Laut dem „Spiegel“-Bericht sprachen sich Konzerne seit den 1990er-Jahren in einem geheimen Arbeitskreis über Technik, Kosten und Zulieferer ab. Der VW-Schriftsatz, auf den sich der „Spiegel“-Bericht stützt, soll auch für die VW-Töchter Audi und Porsche gelten. Und auch Daimler soll eine solche „Selbstanzeige“ eingereicht haben.

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Der Vorwurf wiegt schwer: Mehr als 200 Mitarbeiter der Unternehmen sollen sich seit den 1990er-Jahren in geheimen Arbeitskreisen abgestimmt und auf diese Weise den Wettbewerb außer Kraft gesetzt haben. Es soll um alle Details der Autoentwicklung gegangen sein.

Selbst über die Abgasreinigung ihrer Dieselfahrzeuge haben sich die Konzerne offenbar abgestimmt. In den Geheimtreffen soll es etwa um die Größe der sogenannten „AdBlue“-Tanks gegangen sein, die für die Abgasreinigung eingesetzt werden. Große Tanks sind teuer, daher habe man sich auf kleinere verständigt, so der Vorwurf.

Die Affäre um manipulierte Diesel-Motoren bei VW hat den Hersteller bereits etwa 20 Milliarden Euro gekostet, durch ein Kartell mit den bislang vermuteten Ausmaßen könnten weitere Milliarden hinzukommen. Und das zu einem Moment, da die großen Konzerne versuchen, die Konflikte um manipulierte Dieselmotoren – sei es illegal oder am Rande des gesetzlich Erlaubten – zu beheben.

„Die Verunsicherung ist groß. Das spüren wir auch an den Diesel-Bestellungen, die merklich zurückgegangen sind“, sagt Müller. Volkswagen überarbeitet die Software in Millionen Diesel-Fahrzeugen, Daimler hat das für drei Millionen Autos angekündigt und Audi teilte am Freitag mit, 850.000 Autos in die Werkstätten zu beordern.

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