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05.11.2015

16:33 Uhr

Volkswagen und die Whistleblower

Die Einladung zum Auspacken

VonAstrid Dörner

Skandale wie bei Volkswagen kommen meist nur ans Licht, wenn Mitarbeiter über die Missstände auspacken. In der Autoindustrie sollen diese „Whistleblower“ nun per Gesetz besonders geschützt – und reichlich belohnt werden.

„Schweigen ist zu oft die einzige sichere Option.“ dpa

Volkswagen-Händler in Hannover

„Schweigen ist zu oft die einzige sichere Option.“

New YorkWie viele Mitwisser braucht man, um elf Millionen Motoren in ihrem Abgasverhalten zu manipulieren? Einige wenige, sagt VW. Sehr viele, glauben die Ermittler, die in Europa und den USA versuchen, den Skandal aufzuklären. Dabei hätte ja ein einziger VW-Techniker gereicht, um den VW-Vorstand oder externe Ermittler auf die Spur des Betruges zu bringen. Denn das Bewusstsein, gegen Gesetze zu verstoßen, das dürfte so manchen VW-Mitarbeiter in den letzten Jahren gequält haben.

Nur: Wem soll man sich anvertrauen, wenn man keine sichere Anlaufstelle hat?

Eine solche versucht VW jetzt zu schaffen, der Konzern muss den Behörden glaubhaft darstellen, dass er aufklären will. Konzernchef Matthias Müller fordert Ehrlichkeit ein und verspricht Hinweisgebern eine faire Behandlung. Heerscharen von Ermittlern befragen seitdem die Entwicklungsabteilung. Und prompt kommt der nächste Skandal auf den Tisch: Ja, auch bei den Verbrauchsangaben habe man geschummelt, bekannte ein VW-Ingenieur Anfang der Woche. Bei mindestens 800.000 Autos stimmen die Angaben zum Spritverbrauch nicht.

Während bei Volkswagen nun täglich mit neuen Enthüllungen zu rechnen ist, fragen sich die Ermittler: Wo waren die Whistleblower in den vergangenen Jahren? Kein VW-Mitarbeiter hat sich mit den Informationen über die Abgas-Manipulationen an die Medien oder eine Whistleblower-Plattform gewendet.

Und selbst jetzt, wo die Wahrheit ans Tageslicht gekommen ist, fällt es vielen bei VW immer noch schwer, auszupacken. „Die Bereitschaft, rechtzeitig auch dann auf Fehlentwicklungen aufmerksam zu machen, wenn man sie nicht persönlich zu verantworten hat“, sei bei VW „nicht ausreichend entwickelt“, kritisiert Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Stephan Weil.

Es ist ein bekanntes Problem, nicht nur bei VW. „Schweigen ist zu oft die einzige sichere Option“, heißt es in einem Bericht der Vereinten Nationen, der Ende Oktober veröffentlicht wurde und fehlende Schutzmaßnahmen für Whistleblower anprangert.

Kommentare (4)

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Herr Ullrich Müller

05.11.2015, 16:54 Uhr

Die Frage kann sich das Handelsblatt wohl selbst beantworten!
Den Verrat mögen viele den Verräter niemand.
Das promintes Beispiel aus jüngster Zeit: E. Snowden
Hätte wir sonst erfahren über die Machenschaften der NSA erfahren? Wir sind wir mit ihm umgegangen?
Und die Gründe dafür liegen auf der Hand. Wir möchten durch diese Mendchen nicht aus unserer scheinheiligen Ruhe gerissen werden. Und der Ehrlichkeits Aufruf bei VW erfüllt im Moment einen anderen Zweck. Man nennt das Gutmenschentum!

Frau Annette Bollmohr

05.11.2015, 17:31 Uhr

"... – und reichlich belohnt werden"

Muss man immer gleich so übertreiben?

Es würde schon vollauf reichen, wenn jeder offen aussprechen könnte was er denkt (in zivilisierter Form, versteht sich), ohne irgendwelche Repressalien befürchten zu müssen.

Das ist aber keine Frage von äußeren "Anreizen", sondern eine der inneren Einstellung, bzw. (im Wirtschaftsleben) der Unternehmenskultur.

Und die lässt sich ganz bestimmt nicht mal so eben per "ordre de mufti" ändern, das braucht erstens Zeit zur Besinnung*, zweitens echten Willen, und dann dürfte es drittens seine Zeit brauchen, bis auch die vorsichtigeren Gemüter davon überzeugt sind, das sie dem Braten trauen können...

„„Schweigen ist zu oft die einzige sichere Option“, heißt es in einem Bericht der Vereinten Nationen, der Ende Oktober veröffentlicht wurde und fehlende Schutzmaßnahmen für Whistleblower anprangert, und „Unzählige Tipp-Geber auf der ganzen Welt werden eingeschüchtert von Beamten, Kollegen und anderen und enthalten der Öffentlichkeit so wichtige Informationen vor““.

Das darf einfach nicht sein und muss sich ganz schnell ändern.

Und um das zu erreichen, muss erst einmal ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, wie gravierend dieses Problem letztlich für unsere ganze Gesellschaft ist (z.B. durch die Beteiligung der Öffentlichkeit bei der Ausarbeitung eines entsprechenden Gesetzes zur Vermeidung ungerechtfertigter Nachteile wegen „zuviel Offenheit“.

(*nö, ist auch bei mir noch nicht Weihnachten :))

Herr Paul Oberste

05.11.2015, 17:53 Uhr

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