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19.08.2016

13:04 Uhr

Volkswagen und die Zulieferer

Das Wolfsburger Eigentor

VonStefan Menzel

VW hat sich mit einer Zulieferergruppe angelegt und zahlt dafür einen hohen Preis – mit Kurzarbeit und Produktionsstopp. Der Konzern hat im Umgang mit den Zulieferern einen wichtigen Punkt vergessen. Ein Kommentar.

VW und Prevent

„Diese Protestaktion ist schon ziemlich mutig – und VW hat sich verschätzt“

VW und Prevent: „Diese Protestaktion ist schon ziemlich mutig – und VW hat sich verschätzt“

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DüsseldorfDas hat gerade noch gefehlt: Erst lähmt die Dieselaffäre weite Teile des Volkswagen-Konzerns. Und jetzt gelingt es einem vergleichsweise kleinen Zulieferer auch noch, die Golf-Produktion in Wolfsburg und die Passat-Fertigung in Emden lahm zu legen. Die Krise wird bei dem Wolfsburger Autobauer zum Dauerzustand. Statt sich um die langfristige Strategie des Unternehmens zu kümmern, muss das Management von einem Brandherd zum nächsten eilen.

Doch dass die Prevent-Zuliefergruppe mit ihren beiden Tochtergesellschaften Car Trim und ES Guss den großen Volkswagen-Konzern in die Knie zwingt, wäre alles andere als nötig gewesen. Anders formuliert: VW ist auch selbst dafür verantwortlich, wenn der Ausfall eines einzigen Zulieferers zu solch nachhaltigen Konsequenzen führt.

Selbstverständlich, auch in den Geschäftsbeziehungen zu seinen Zulieferern muss ein Unternehmen wie Volkswagen auf die Kosten achten. Überall in der Branche hat das Just-in-Time-Prinzip Einzug gehalten. Es gibt keine großen Lager mehr. Stattdessen sorgen die Zulieferer dafür, dass ihre Komponenten genau dann ans Band geliefert werden, wenn sie der Autohersteller auch tatsächlich braucht.

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Regelmäßige Preisrunden von Herstellern und Zulieferern sind genauso zum Branchenstandard geworden. Zulieferer geben bindende Zusagen darüber ab, dass sie ihre Preise mit festgelegten Prozentsätzen von Jahr zu Jahr reduzieren. Immer häufiger war in der Vergangenheit zu hören, dass die Zulieferer Probleme mit diesem hohen Kostendruck haben und auf ein Entgegenkommen der Hersteller hoffen.

Doch im aktuellen Streitfall von Volkswagen und der Prevent-Gruppe hat der Zulieferer ziemlich offensichtlich den Spieß umgedreht und seine hervorgehobene Position ausgenutzt. Denn einen ganz zentralen Fehler hätte der VW-Konzern in diesem Fall nicht machen sollen: sich bei der Lieferung von Sitzbezügen und Getriebeteilen auf einen einzigen Zulieferer zu verlassen. Zu extremes Kosten-  und Effizienzdenken haben jetzt in Wolfsburg zu einem Eigentor geführt.

Das ist die zentrale Lehre dieses Konfliktes für die gesamte Automobilbranche: Verlasse dich niemals auf einen einzigen Zulieferer. Hätte sich Volkswagen an diesem Prinzip orientiert, würde es die Kurzarbeit und den Produktionsausfall nicht geben. Mit einem zweiten Zulieferer im Rücken hätte der Wolfsburger Konzern schnell reagieren und umschalten können – die aktuellen Alarmmeldungen hätte es überhaupt nicht geben  müssen.

Hätte, könnte, sollte. Nun ist das Kind den Brunnen gefallen, der VW-Konzern muss mit der aktuellen Situation klarkommen. Am einfachsten wäre es, wenn sich Volkswagen schnell mit der Prevent-Gruppe auf einen Kompromiss verständigen würde. Dann könnten die Produktionspausen schon in wenigen Tagen wieder aufgehoben werden.

VW muss also nun über seinen eigenen Schatten springen, wenn es schnell vorangehen soll. Auf längere Sicht dürfte Volkswagen den aktuellen Konflikt mit der Prevent-Gruppe allerdings nicht so schnell vergessen. Denn es steht in den Sternen, ob die Wolfsburger mit diesem Zulieferer überhaupt noch einmal neue Verträge abschließen wollen und lieber dauerhaft auf eine Zusammenarbeit mit diesem Partner verzichten.   

Kommentare (11)

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Herr Holger Narrog

19.08.2016, 13:32 Uhr

Häufig gibt es keine Alternative zum 1- Lieferantensystem wenn dieser Entwicklungen patentiert hat, oder Prozesse und Qualitäten liefert die kein anderer Hersteller ersetzen kann.

Ansonsten hat eine 1 - lieferantenstrategie Vor- und Nachteile. Vorteile sind, dass die Produktionslose grösser sind und dadurch die Kosten und Werkzeugkosten niedriger sind. Schnittstellen, Qualifizierungen und Leistungsdaten müssen nur mit einem Hersteller vereinbart und getestet werden. Dadurch sinkt das Risiko von Hersteller zu Hersteller unterschiedlicher Daten und Anschlussmasse.

Nachteil ist der fehlende Wettbewerb und das grössere Ausfallrisiko.

Insgesamt ist es eine Abwägung wann eine 1- und wann eine Mehrlieferantenstrategie vorteilhafter ist.

Account gelöscht!

19.08.2016, 13:44 Uhr

VW hat sich mit einer Zulieferergruppe angelegt und zahlt dafür einen hohen Preis – mit Kurzarbeit und Produktionsstopp. Der Konzern hat im Umgang mit den Zulieferern einen wichtigen Punkt vergessen.

....

Es geht auch nicht ewig Gut wenn eine Tochter des Konzerns VW sich über die eigene Fehler hinweg setzt und dann die Zulieferer die Schuld erteilte über die mangelhafte Qualität des Produktteils.

Denn irgendwann wird auch VW oder dessen töchter dann keinen Zulieferer mehr finden...egal wieviel die auch bezahlen wollen.

Bereits jetzt zeigt sich warum etwa in PORTUGAL sich keine Landeseigene Zulieferer finden lassen für das dortige VW Werk nahe Lissabon.

Die Portugieser sind eben keinen Russischen Roulette Partner in der Wirtschaft...und dafür auch zu loben.

Account gelöscht!

19.08.2016, 13:53 Uhr

Nun steht die Entscheidung in dem USA noch offen ob und wenn VW bestraft werden sollte...um wieviel Geld es gehen wird.

Dann muss VW noch mehr sparen.

Auf kosten der Zulieferer und selbst auf kosten der Stammwerker ?

schon in Le Mans starte dieses Jahr 2016 nicht mehr drei sondern nur noch zwei AUDI LE MANS AUTOS ???

Aber zuvor 200 MILLIONEN EURO FÜR BAYERN MÜNCHEN HABEN ???

Betriebsversammlung 2009...die letzte in Neckarsulm !!!


Da habe ich gefragt ob wir Füßbälle oder Autos herstellen...und dass am Werker immer mehr gespart werde im Werk...aber dann 200 MILLIONEN EURO für Bayern München haben ?

Dafür bin ich dann auch ein Jahr lang gemobbt worden...bis ich Freiwillig gegangen bin...sogar mit Abfindung...obwohl wenn man von selber gehen will man keine Abfindung bekommt.

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