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22.07.2016

12:02 Uhr

Volkswagen und Dieselgate

Aus Südkorea kommt der nächste Nadelstich

VonStefan Menzel

Wegen der Dieselaffäre gerät Volkswagen in Südkorea immer stärker unter Druck. Für einen großen Teil der Modelle gibt es jetzt einen befristeten Verkaufsstopp. Damit könnte VW aber einem Verbot der Behörden zuvorkommen.

Volkswagen nimmt in Südkorea 79 Konzernmodelle vom Markt. AP

Stopp in Südkorea

Volkswagen nimmt in Südkorea 79 Konzernmodelle vom Markt.

DüsseldorfDer nächste Rückschlag für Volkswagen in der Dieselaffäre, dieses Mal in Südkorea. Der VW-Konzern hat einen Verkaufsstopp für das asiatische Land beschlossen, wie ein Konzernsprecher in Wolfsburg bestätigte. Betroffen sind davon 79 Modelle der Marken Volkswagen und Audi. Nicht nur Diesel-Modelle stehen auf der Liste, sondern auch Benziner.

Der VW-Konzern will sich damit nicht endgültig aus Südkorea zurückziehen, sondern spricht von einem „temporären“ Verkaufsstopp. Auslöser sind Ermittlungen südkoreanischer Behörden in der Abgasaffäre. „Wir stoppen den Verkauf freiwillig, um der Konfusion im Markt entgegenzutreten“, ergänzte eine Sprecherin von Volkswagen Korea am Freitag. Die Maßnahme werde von Montag an wirksam.

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Der VW-Chef ist ins Visier der US-Staatsanwälte geraten. Der Vorwurf: Müller habe vom Dieselskandal Kenntnis haben müssen. VW hält das für unbegründet – muss aber weitere Milliarden für Rechtsrisiken zurückstellen.

Das Umweltministerium in Seoul will die Zulassung für Dutzende von VW- und Audi-Modellen zurückziehen. Das Unternehmen soll Papiere bei Emissionswerten geschönt haben, um die Zulassung in Südkorea zu bekommen. Die Behörden des Landes hatten ihre Ermittlungen gegen VW wegen des Skandals um manipulierte Diesel-Abgaswerte erheblich ausgeweitet. Im Juni war sogar ein Mitarbeiter von Volkswagen Korea festgenommen worden.

Der VW-Konzern erlebt in Südkorea schon jetzt einen starken Einbruch der Verkaufszahlen. Zu seinen besten Zeiten hat Volkswagen dort bis zu 60.000 Autos im Jahr verkauft. Schon 2015 waren es gerade einmal noch gut 35.000. Auch in Asien leidet der Konzern unter einer Vertrauenskrise auf Seiten der Kunden, ausgelöst durch die Dieselaffäre.

Motoren, Modelle und Marken im VW-Abgas-Skandal

Motoren

Laut VW ist der Dieselmotor mit der Bezeichnung EA 189 Kern des Problems. Er wurde bei etlichen Marken eingesetzt, erfüllt die EU-Abgasnorm Euro 5 und wird mit 1,2, 1,6 und 2,0 Litern Hubraum angeboten. Betroffen vom Stickoxid-Skandal sind die Baujahre 2009 bis 2014.

Der Rückruf läuft

Schon ab dem 29. Februar sollte eigentlich der Rückruf der großen 2,0-Liter-Antriebe mit Varianten des Passat und Audi A4 anlaufen, zuvor hatte die Aktion für den Pick-up Amarok begonnen. Für den A4 mit Schaltgetriebe gab es – ebenso wie für den A5 und Q5 sowie den Seat Exeo mit gleichem Motor – bereits die Genehmigung des Kraftfahrt-Bundesamts. Für Passat, CC und Eos liegt sie nun auch vor.

So geht es weiter

Zum kleinen 1,2-Liter-Motor hatte VW in einem Kundenbrief zunächst einen Beginn der Werkstatt-Aktionen ab dem 30. Mai angekündigt. Dieser Teil werde aber erst „verzögert anlaufen“, hieß es jetzt. Die mittelgroßen 1,6-Liter-Aggregate sollten laut bisheriger Planung ab dem 5. September zurück, dabei soll neben einem Software-Update ein Bauteil eingesetzt werden. In den USA sind auch 3,0-Liter-TDI-Autos unterwegs, die ein nach US-Recht verbotenes Programm enthalten.

Betroffene VW-Pkw

Bei der Kernmarke VW-Pkw sind unter anderem der Golf der sechsten Generation, der Passat der siebten Generation und der Tiguan der ersten Generation betroffen.

Betroffene Audi-Modelle

Die Software steckt auch in Modellen der Reihen A1, A3, A4 und A6 sowie Q3 und Q5 der Oberklasse-Tochter Audi.

Sonstige Modelle

Dieselmotoren, die bei Skoda und Seat verwendet wurden, fallen ebenfalls unter den Abgas-Skandal. Bei den leichten VW-Nutzfahrzeugen sind ältere Ausgaben des Caddy und Amarok betroffen. Die in den USA unzulässige Software der 3-Liter-Diesel findet sich im VW Touareg und Porsche Cayenne sowie in den Audi-Modellen Q5, Q7, A6, A7 und A8.

Marken

VW-Chef Matthias Müller gab im vergangenen Oktober an, dass weltweit rund 5 Millionen Autos der Hauptmarke VW-Pkw von der Affäre betroffen sind. Hinzu kommen etwa 2,1 Millionen Audis, 1,2 Millionen Skodas, 700.000 Seats sowie 1,8 Millionen leichte Nutzfahrzeuge.

Von der laufenden Untersuchung des südkoreanischen Umweltministeriums sind nach Reuters-Angaben insgesamt 32 Konzernmodelle betroffen. Fallen die Ermittlungen negativ aus, würde VW ein staatlich verhängtes Verkaufsverbot drohen. Diesem möglichen Verbot ist Volkswagen nun offenbar selbst zuvorgekommen, um für Klarheit in Südkorea zu sorgen. Die Behörden in Seoul haben Zweifel an den Verbrauchs- und Lärmwerten, die VW für seine Modelle in Korea angemeldet hat. Frühestens in drei Monaten soll feststehen, ob VW die Zulassung für seine Fahrzeuge doch bekommen wird.

Südkorea ist nicht das erste Land, in dem VW den Verkauf bestimmter Modelle nach dem Bekanntwerden der Dieselaffäre stoppt. Seit dem Herbst vergangenen Jahres werden in den USA und in Kanada überhaupt keine Dieselmodelle mehr verkauft. Von VW selbst kamen zuletzt immer wieder Hinweise, dass dieser Verkaufsstopp für Dieselfahrzeuge in Nordamerika dauerhaft und endgültig sein könnte. Für die Bewältigung der Dieselaffäre hat Volkswagen bislang mehr als 16 Milliarden Euro zurückgestellt. 

 

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