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27.09.2015

15:57 Uhr

Volkswagen und Dieselgate

Bei VW hat die interne Kontrolle erneut versagt

Warum sind die massiven Manipulationen von Abgastests bei VW erst jetzt aufgeflogen? Der Skandal zeigt auch Schwächen in den Regelwerken großer Konzerne auf. Volkswagen sucht mit Hochdruck nach den Tätern.

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben am Freitag vor dem VW-Werk in Wolfsburg gegen die Umweltpolitik des Konzerns protestiert. dpa

Protest gegen Volkswagen

Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace haben am Freitag vor dem VW-Werk in Wolfsburg gegen die Umweltpolitik des Konzerns protestiert.

München/WolfsburgDer Diesel-Skandal bei Volkswagen hält die gesamte Automobilbranche in Atem. Wer genau wann und wie viel von den massiven Abgastest-Manipulationen bei VW wusste, von denen weltweit rund elf Millionen Fahrzeuge betroffen sind, ist zwar noch weitgehend unklar. Doch dass es sich dabei um das Werk einzelner handelte, bezweifeln Viele. Warum blieben die Machenschaften so lange verborgen? Gab es keine Hinweise auf die Tricksereien? Und wo waren die Kontrolleure? Der neue VW-Chef Matthias Müller muss nun auch das Compliance-System des Konzerns generalüberholen, das eigentlich die Einhaltung von Gesetzen im Unternehmen gewähren soll.

Für dessen Ausbau hat Europas größter Autobauer in den vergangenen Jahren eigentlich viel getan – schließlich wird der Konzern ja nicht zum ersten Mal von einem Skandal erschüttert. Vor allem seit der Aufdeckung der Affäre um Schmiergeldzahlungen und Lust-Reisen im Jahr 2005 trieb die Unternehmensführung das Compliance-Thema voran. Unter anderem fungieren externe Ombudsleute als Ansprechpartner für Mitarbeiter, die anonym Hinweise auf Verstöße geben. Ähnliche Ombudsstellen gibt es nicht zuletzt seit dem Auffliegen des milliardenschweren Schmiergeld-Skandals bei Siemens in vielen großen deutschen Unternehmen.

Die VW-Mitarbeiter machen davon offenbar auch durchaus rege Gebrauch: Alleine im vergangenen Jahr verloren nach VW-Angaben 72 Mitarbeiter nach Unregelmäßigkeiten ihre Jobs. Jährlich geht die Konzernrevision Hunderten Hinweisen auf mögliches Fehlverhalten nach, zusätzlich wurden 2014 rund 185 000 Beschäftigte weltweit geschult.

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Noch im Frühjahr bezahlten Käufer für die VW-Aktie mehr als 250 Euro. Am Mittwoch notierte sie kurzzeitig zweistellig. Auch weil viele Vermögensverwalter die Titel verkaufen – denn sie befürchten unkalkulierbare Risiken.

Noch vor wenigen Monaten stellte der FDP-Politiker und Rechtsanwalt Wolfgang Kubicki, der den Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer in der damaligen Affäre vertreten hatte, dem Konzern für all diese Anstrengungen ein gutes Zeugnis aus. „Compliance, also das vorschriftsmäßige und auch ethisch korrekte Verhalten, ist bei VW tatsächlich eingezogen“, sagte Kubicki damals.

Doch der aktuelle Skandal spricht eine andere Sprache, wie auch der neue Konzernchef Matthias Müller weiß. Unmittelbar nach seiner Berufung kündigt er deshalb am Freitagabend die Einführung noch strengerer Regeln an. Auch erste konkrete Konsequenzen hat der Autobauer bereits gezogen und einige Mitarbeiter beurlaubt.

In einem Brief wandte sich Müller gemeinsam mit Betriebsratschef Bernd Osterloh an die 600 000 Beschäftigten des Konzerns. In dem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, wiesen beide in eindrücklichen Worten auf den Ernst der Lage hin. „Unser Unternehmen steht vor nie dagewesenen Herausforderungen“, heißt es gleich im ersten Satz. Man werde alles dafür tun, um das Vertrauen der Kunden, Partner, Investoren und der gesamten Öffentlichkeit zurückzugewinnen. „Wir klären jetzt schonungslos auf“, so Müller und Osterloh. Der Betriebsratschef hat sich damit innerhalb von wenigen Tagen bereits zum dritten Mal per Brief an die Belegschaft gewandt. Gewöhnlich wird dieses Mittel nur in absoluten Ausnahmesituationen eingesetzt.

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