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05.02.2016

16:16 Uhr

Volkswagen und Dieselgate

„VW ist ein Ein-Mann-Betrieb, der sich an die Börse verirrt hat“

VonKatrin Terpitz

Die Kritik an der Führungsstruktur von Volkswagen wird lauter. Der norwegische Ölfonds hat den Konzern hart attackiert. Manuel Theisen, Experte für Unternehmensführung, fordert gar den Rücktritt der Konzernspitze.

Großbaustelle Kulturwandel in Wolfsburg. dpa

Volkswagen

Großbaustelle Kulturwandel in Wolfsburg.

DüsseldorfDer norwegische Staatsfonds, der 1,22 Prozent der VW-Aktien und 0,49 Prozent der Stimmrechte hält, hat beim VW-Konzern eine bessere Führungsstruktur angemahnt. Nach der Abgasaffäre nehme der Wolfsburger Konzern die Sorgen der Investoren nicht ernst, klagt der Chef des Ölfonds, Yngve Slyngstad. Manuel Theisen, einer der profiliertesten deutschen Experten für gute Unternehmensführung (Corporate Governance), geht in seinen Forderungen sogar noch weiter.

Professor Theisen, der mächtige norwegische Ölfonds, einer der größten Einzelaktionäre von VW, hat die Führungsstruktur bei Volkswagen scharf kritisiert als „komplex und problematisch“. Ist die Kritik berechtigt?
Die Kritik kann ich gut nachvollziehen. Es ist erstaunlich, wie ruhig sich die Shareholder insgesamt beim VW-Abgasskandal bisher verhalten haben. Aber das Sagen bei Volkswagen haben eben die Mehrheitseigner, die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen. Und die haben keinerlei Interesse, an den Unternehmensstrukturen grundsätzlich etwas zu verändern.

Der BWL-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist Experte für gute Unternehmensführung und Herausgeber der Fachzeitschrift „Der Aufsichtsrat“. Pressefoto

Manuel Theisen

Der BWL-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München ist Experte für gute Unternehmensführung und Herausgeber der Fachzeitschrift „Der Aufsichtsrat“.

Als Corporate-Governance-Experte begrüßen Sie also den öffentlichen Druck, den der Fonds auf VW ausübt?
Der Druck ist ausgesprochen positiv. Denn von innen heraus ist bei Volkswagen keine große Besserung zu erwarten. Schließlich kommen die neuen Köpfe wie Vorstandschef Matthias Müller alle aus dem alten System. Und der neue Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch hat zuvor als langjähriger Finanzvorstand die Vergangenheit sogar finanziert. Tiefer drin kann man die Finger nicht im Problem haben.

Ein wirklicher Wandel kann von der neuen VW-Führungsmannschaft also nicht ausgehen?
Unter den Augen der Mehrheitsaktionäre besteht für sie überhaupt keine Motivation, Fehler aufzudecken oder aufzuarbeiten. Es gibt für sie keinen Grund, eine nachhaltige Unternehmensführung zu installieren. Die Frösche trocknen eben den Sumpf, in dem sie sitzen, nicht selbst aus.

Die patriarchalische Führungskultur bei VW gilt als ein Auslöser der Abgasbetrugsaffäre...
Bei VW kann man „Führungskultur“ nur in Anführungszeichen setzen. Es hat keine Kultur gegeben. VW ist ein strikt paternalistisch geführtes Unternehmen, in dem Herr Piëch über Druck und Angst regiert. Seit Jahren spreche ich von „Ferdis Würstchenbude“. Volkswagen ist ein Ein-Mann-Unternehmen, das sich an die Börse verirrt hat.

Harsche Worte. Was muss sich konkret ändern?
Die Führungsmannschaft muss komplett ausgetauscht werden. Die alten Garden kennen nur das System der Angst. Talente gibt es überall, die unbelastet sind. Allein es fehlt der Wille.

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