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18.03.2017

14:12 Uhr

Volkswagen und Ferdinand Piëch

Der Rückzug der großen Chancen

VonStefan Menzel

VW-Patriarch Ferdinand Piëch verhandelt über seinen Rückzug bei Porsche und Volkwagen. Für den großen Wolfsburger Autokonzern ergibt sich damit die Chance auf einen Neubeginn. Ein Kommentar.

Volkswagen

Piëch zieht sich aus der Porsche-Holding zurück

Volkswagen: Piëch zieht sich aus der Porsche-Holding zurück

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Volkswagen könnte eigentlich ein gewöhnlicher Automobilhersteller sein. Ein Unternehmen, das einfach nur gute Autos baut, ganz so wie BMW und Daimler. Der VW-Konzern kann tatsächlich solche Autos bauen. Warum sonst ist den Wolfsburgern der Aufstieg zum größten Automobilkonzern der Welt gelungen? Warum sonst hat Volkswagen so große und bedeutende Konkurrenten wie Toyota und General Motors dabei hinter sich gelassen?

Doch Volkswagen ist leider viel mehr. Das Wolfsburger Unternehmen ist auch ein Konzern der Skandale: Die Dieselaffäre war nur das jüngste Glied einer langen Kette von Erschütterungen, die den Autohersteller immer wieder in Aufruhr gebracht haben. Betriebsräte im Rotlichtmilieu, der in aller Öffentlichkeit ausgetragene Streit zwischen Arbeitnehmerseite und Vorstand, überzogene Abfindungen für ausgeschiedene Top-Manager und Vorstandsvergütungen jenseits der Realität – das ist eben auch Volkswagen.

Dazu kommt das komplizierte Beziehungsgeflecht innerhalb der beiden großen Eigentümerfamilien Porsche und Piëch. Oft genug hat es in den vergangenen Jahren Beispiele dafür gegeben, dass die beiden Familienstämme nicht besonders gut miteinander können. Gerade auch wegen des immer wieder belasteten Verhältnisses zwischen den beiden Familiengranden Wolfgang Porsche und Ferdinand Piëch. Vor zwei Jahren hat sich dieser Konflikt noch einmal entscheidend verschärft, als Ferdinand Piëch den damaligen VW-Chef Martin Winterkorn loswerden wollte, sich in der Familie damit aber nicht durchsetzen konnte.

Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass sich Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piëch von seinen Anteilen an der Familienholding Porsche SE – und damit letztlich von der Volkswagen-Beteiligung – trennen könnte. Der 79-Jährige hat einen unbestreitbar großen Beitrag daran, dass Volkswagen in den vergangenen 20 Jahren zum Weltkonzern aufgestiegen ist.

Aber seit seinem Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat vor zwei Jahren ist Piëch weniger durch konstruktive Beiträge im Volkswagen-Konzern aufgefallen als vielmehr durch gefährliches Querfeuer, das nur wieder für neue Unruhe im gesamten Unternehmen sorgt. Wie zuletzt im Februar, als er vor der Staatsanwaltschaft Braunschweig ausgesagt haben soll, dass einflussreiche Mitglieder des VW-Aufsichtsrates schon viel früher von der drohenden Dieselaffäre gewusst hätten.

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