Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.03.2013

14:50 Uhr

Volkswagen und Telekom

Bestechungsverdacht in Wolfsburg

VW-Manager sollen der Telekom ein unmoralisches Angebot gemacht haben: Ein lukrativer Vertrag sollte nur verlängert werden, wenn die Telekom Sponsoring-Partner des VfL Wolfsburg wird. Nun geht der Streit vor Gericht.

Winterkorn im Tor: Die Fußballbegeisterung in Wolfsburg beschäftigt nun ein Stuttgarter Gericht. dpa

Winterkorn im Tor: Die Fußballbegeisterung in Wolfsburg beschäftigt nun ein Stuttgarter Gericht.

Stuttgart/WolfsburgEs geht um Korruption und millionenschwere Verträge: Das umstrittene Sponsoring der Telekom für den Fußball-Erstligisten VfL Wolfsburg kommt vor Gericht. Das Landgericht Stuttgart hat eine Anklage gegen zwei VW-Manager und drei ehemalige Mitarbeiter der Telekom zugelassen, wie ein Gerichtssprecher am Donnerstag in Stuttgart sagte. Dies hatte zuvor die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet.

Den Angeklagten wird Bestechung und Bestechlichkeit vorgeworfen. Hintergrund ist die Verquickung eines Millionen-Vertrages zwischen Volkswagen, dessen Werksclub der VfL ist, und der Telekom-Tochter T-Systems. Laut Staatsanwaltschaft sollen die VW-Führungskräfte die Verlängerung eines Sponsoringvertrags gefordert haben, um ihrerseits einen hoch dotierten Vertrag mit T-Systems weiterzuführen.

Die drei früheren T-Systems-Mitarbeiter sollen den VW-Managern im ersten Halbjahr 2010 demnach einen Sponsoringvertrag über 16 Millionen Euro und vier Jahren Laufzeit zugunsten des VfL Wolfsburg angeboten haben. Im Gegenzug hätten die VW-Beschäftigten darauf hinwirken sollen, dass Aufträge im Umfang von 345 Millionen Euro an die Telekom erteilt werden und ein wichtiger Einzelvertrag zum Vorteil des Unternehmens geändert werde.

Die zehn größten Autohersteller Europas 2012

Platz 10

Nissan

Verkaufte Fahrzeuge: 0,42 Millionen (-6,3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 9

Toyota

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Toyota und Lexus: 0,5 Millionen (-3,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 8

Daimler

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Mercedes-Benz und Smart: 0,63 Millionen (-3 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 7

BMW Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken BMW und Mini: 0,77 Millionen (-1,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 6

Fiat Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Fiat, Lancia/Chrysler, Alfa Romeo, Jeep: 0,78 Millionen (-16,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 5

Ford

Verkaufte Fahrzeuge: 0,91 Millionen (-13,2 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 4

General Motors

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Opel, Vauxhall, Chevrolet, GM: 0,98 Millionen (-13,8 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 3

Renault Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Renault, Dacia: 1,03 Millionen (-19,1 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 2

PSA Gruppe

Verkaufte Fahrzeuge der Marken Peugeot und Citroën: 1,43 Millionen (-12,9 Prozent gegenüber Vorjahr)

Platz 1

Volkswagen

Verkaufte Fahrzeuge der Marken VW, Audi, Seat, Skoda: 2,98 Millionen (-1,6 Prozent gegenüber Vorjahr)

Quelle

Weil die Telekom sich kurzfristig gegen die Fortsetzung des Sponsoring entschieden hatte, wurde der Vertrag damals allerdings nicht unterschrieben. Die Angeklagten sind zwischen 49 und 69 Jahre alt. Sie hatten die Vorwürfe bisher stets bestritten. Das Stuttgarter Landgericht ist zuständig, weil einer der Angeklagten in Stuttgart wohnt. Wann es zum Prozess komme, steht nach Angaben eines Gerichtssprechers aber noch nicht fest.

„Da schauen mehrere als nur die Telekom gespannt hin“, sagte ein Sprecher des Telefonanbieters mit Blick auf die nahende Verhandlung. Die Telekom hatte die betroffenen Mitarbeiter ihm zufolge damals entlassen, weil sie sich über die Entscheidung der Konzernspitze hinweggesetzt und Wege gesucht hätten, das Sponsoring weiterzuführen. Zugleich habe die Telekom damals die Staatsanwaltschaft informiert. „Intern ist der Fall bereits aufgearbeitet“, betonte der Sprecher.

Das sind die größten Telekommunikationsunternehmen

Platz 10

Deutsche Telekom - 37,05 Milliarden Euro

Platz 9

Telstra (Australien) - 42,84 Milliarden Euro

Platz 8

NTT (Japan) - 43,13 Milliarden Euro

Platz 7

Telefonica (Spanien) - 46,31 Milliarden Euro

Platz 6

NTT Docomo (Japan) - 47,99 Milliarden Euro

Platz 5

America Movil (Mexiko) - 66,96 Milliarden Euro

Platz 4

Verizon (USA) - 93,38 Milliarden Euro

Platz 3

Vodafone (Großbritannien) - 94,26 Milliarden Euro

Platz 2

AT & T (USA) - 145,27 Milliarden Euro

Platz 1

China Mobile - 177,02 Milliarden Euro

Ranking nach Marktkapitalisierung (Dezember 2012) - Quelle: Bloomberg

VW wollte den nahenden Prozess nicht kommentieren. „Da es sich um ein laufendes Verfahren handelt, werden wir uns dazu nicht äußern“, sagte ein Sprecher. Darüber hinaus betonte er jedoch: „Wir sehen kein Problem darin, dass Lieferanten von Volkswagen auch Sponsoringverträge mit dem VfL Wolfsburg abschließen.“

Ein solches Ausschlusskriterium wäre in der Praxis wohl auch kaum anzuwenden. Der Wolfsburger Weltkonzern arbeitet mit Tausenden Geschäftspartnern zusammen, die bei einem entsprechenden Verbot für eine Verquickung zwischen Konzern, Fußballclub und Dritten alle mit einem Schlag als möglicher Sponsor für den VfL ausfallen würden.

VW hat aber generelle Regeln in seinen Verhaltensgrundsätzen festgelegt. Zum Kontext des Stuttgarter Verfahrens passen folgende Passagen: „Keiner unserer Mitarbeiter darf die geschäftlichen Verbindungen des Unternehmens zum eigenen oder fremden Vorteil (...) ausnutzen.“ Zudem gelte: „Jeder unserer Mitarbeiter bedient sich zur (...) Realisierung von Interessen nur redlicher und legaler Mittel.“ Und zur Verbindung mit Dritten heißt es, es seien „alle Situationen, aus denen Interessenkonflikte entstehen können, zu vermeiden“.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

28.03.2013, 15:49 Uhr

Wenn die Geschichte so stimmt, was ist daran verwerflich oder justitiabel? Solche Koppelgeschäfte passieren laufend. Und wer könnte sich daran bereichert haben? Wobei letztere Frage ohnehin rein hypothetisch ist.

Eine Hand wäscht bekanntlich die andere.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×