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28.12.2015

07:19 Uhr

Volkswagen – Verlierer des Jahres

Der Absturz vom Olymp

VonChristian Schnell

Am Jahresanfang schien Volkswagen unverwundbar, zum Jahreswechsel ist der Konzern mehr als angeschlagen. Damit sind die Wolfsburger der Verlierer des Jahres. Wie konnte es nur dazu kommen?

Der Autobauer Volkswagen hat ein schreckliches Jahr hinter sich. Dabei hatte alles so gut begonnen. dpa

Die deutsche Legende rostet...

Der Autobauer Volkswagen hat ein schreckliches Jahr hinter sich. Dabei hatte alles so gut begonnen.

WolfsburgWer in diesen Tagen vom überschaubaren Wolfsburger Bahnhof rüber zum riesigen Werk blickt, der wird kaum einen Unterschied zur Vorweihnachtszeit des Jahres 2014 feststellen. Das Kraftwerk zeigt sich nachts immer noch in rot, am vierten Advent werden alle vier Schornsteine wie Kerzen auf dem Kranz leuchten. Gut zwei Kilometer weiter westlich ist das markante Hochhaus immer noch eingerüstet, jetzt nur etwas weniger als vor einem Jahr. Und die Bahn bringt noch immer jeden Tag mehrere hundert Fahrgäste mit Einfachticket in die Stadt. Aus deren Rucksäcken ragen die Nummernschilder ihres neuen Autos, das sie an diesem Tag wie die Geburt eines Kindes erwarten.

Doch Wolfsburg Ende 2015 ist der unveränderten Optik zum Trotz nicht mehr die Stadt wie vor einem Jahr. Der Volkswagen-Konzern, der eigentliche Sinn dieser noch nicht mal 80 Jahre alten Ansiedlung, ist in den vergangenen zwölf Monaten in die größte Krise seiner Geschichte geraten. Mit ungewissem Ausgang der wirtschaftlichen und finanziellen Folgen. An deren Ende könnte ein völlig anderer Konzern stehen.

Stickoxide und CO2

Stickoxide (NOx)

Gesundheitsschädliche Stickoxide wie etwa Stickstoffmonoxid und -dioxid kommen in der Natur nur in winzigen Mengen vor. Sie stammen vor allem aus Autos, aber auch aus Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken. Dieselmotoren stoßen viel mehr NOx aus als Benziner. Die Stoffe können Schleimhäute angreifen und so zu Husten, Atembeschwerden und Augenreizungen führen. Sie können auch Herz und Kreislauf beeinträchtigen. Pflanzen werden dreifach geschädigt: NOx sind giftig für Blätter, und sie überdüngen und versauern die Böden. Außerdem tragen Stickoxide zur Bildung von Feinstaub und bodennahem Ozon bei. Technisch lassen sie sich mit einem Drei-Wege-Katalysator von Benzinern in unschädlichen Stickstoff (N2) und Sauerstoff (O2) umwandeln. Es bleiben jedoch immer NOx-Reste übrig. Bei Dieselmotoren ist der Abbau von NOx bedeutend schwieriger – er gelingt etwa durch Einspritzung einer zusätzlichen Harnstoff-Lösung in den Abgasstrom.

NOx-Grenzwerte beim Auto

Der Grenzwert in Pkw-Abgasen für alle Stickoxide zusammen liegt in der EU bei 80 Milligramm pro gefahrenen Kilometer (mg/km) für Diesel- und bei 60 mg/km für Benzinmotoren. Der von der US-Umweltbehörde EPA geforderte Wert liegt im Schnitt bei umgerechnet 43,5 mg/km. Allerdings sind die US-Kontrollsysteme nicht einheitlich, und die Vorschriften können je nach US-Bundesstaat abweichen.

Kohlendioxid (CO2)

Es ist in nicht allzu großen Mengen unschädlich für den Menschen, aber zugleich das bedeutendste Treibhausgas und zu 76 Prozent für die menschengemachte Erderwärmung verantwortlich. Der Straßenverkehr verursacht nach Angaben des Umweltbundesamts rund 17 Prozent aller Treibhausgas-Emissionen in Deutschland - hier spielt CO2 die bei weitem größte Rolle. Es gibt zwar immer sparsamere Motoren, zugleich aber immer größere Autos mit mehr PS und mehr Lkw-Transporte. So ist der Treibhausgas-Ausstoß des Verkehrs von 1990 bis 2014 sogar um 0,6 Prozent gestiegen. Die Konferenz von Paris (30. November bis 11. Dezember) soll die Emissionen so verringern, dass sich die Erdatmosphäre um nicht mehr als zwei Grad aufheizt.

CO2-Grenzwerte beim Auto

In diesem Jahr müssen die Autohersteller in der EU bei ihrer Pkw-Flotte im Durchschnitt einen Grenzwert von 130 Gramm CO2 pro Kilometer erreichen. 2021 sind dann nur noch 95 g/km erlaubt. In den USA liegen diese Schwellen geringfügig höher: Die Vorgabe der Umweltbehörde EPA sieht für die im Jahr 2016 zugelassenen Fahrzeuge einen Grenzwert für Personenwagen von umgerechnet etwa 140 g/km vor. Bis 2025 sinkt der Durchschnittsgrenzwert auf rund 89 g/km.

Dabei begann das Jahr mit einem Rekord. Mehr als zehn Millionen Autos hatte man im Jahr 2014 verkauft. Die Marke, die eigentlich erst für 2018 angepeilt war, war vier Jahre vorher schon erreicht. Martin Winterkorn, der Chef, war auf dem Höhepunkt seines Schaffens. Ein Nachfolger für den damals 67-Jährigen war nicht mal mit dem Fernglas zu erkennen. Klar, im Verlauf des Jahres sollte der Ex-BMW-Manager Herbert Diess die Marke VW übernehmen, Winterkorn sollte sich rein auf den Konzern konzentrieren. Das war Monate vorher beschlossen und Teil einer Strategie, die ohnehin eine Neuaufstellung der Konzernstruktur vorsah. Mehr Macht bei den Marken und in den Regionen, darüber eine Holding, von der aus Winterkorn wie bisher schon die Fäden ziehen sollte.

Und über ihm wie seit vielen Jahren von Salzburg aus der allmächtige Patriarch Ferdinand Piëch. Ein über mehr als drei Jahrzehnte gewachsener Männerbund, der sich der Legende nach einst in den frühen Achtzigern beim Spanisch-Kurs kennenlernte. Und seither den Konzern zum beinahe größten Autobauer der Welt machte. Nur noch 90.000 Autos trennten die Wolfsburger von Toyota. Das sollte in diesem Jahr aufzuholen sein.

Es sind manchmal feine Nuancen, auf den ersten Blick kaum erkennbar und Außenstehenden der VW-Welt ohnehin nicht vermittelbar, die radikale Brüche einleiten. Es ist Anfang März, in Genf findet wie jedes Jahr um diese Zeit der Auto-Salon statt. Und Volkswagen feiert am Abend zuvor ebenso traditionell den „Konzernabend“ mit gut 1500 geladenen Gästen. Alle Markenchefs dürfen mit den neuesten Produkten ihres Hauses auf der Bühne vorfahren und ein paar Worte dazu sagen, nach gut anderthalb Stunden geht es zum gemütlichen Teil über. Ferdinand Piëch und Gattin Ursula verschwinden schnell, das Getümmel in der überfüllten Halle Secheron sei beiden zu groß gewesen, heißt es kurz.

Am nächsten Tag schlendern beide strammen Schrittes über die Messe. Menschen springen zur Seite. Wie bei einer Parade werden die Stände der einzelnen Konzernmarken abgenommen. Die Markenchefs warten überall auf das Paar, die Stimmung ist merklich angespannt. Hier zeigt jemand, wer der wahre Chef im Hause ist, so der Tenor hinterher.

Kommentare (6)

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Lothar dM

28.12.2015, 10:14 Uhr

Ansichtssache. Für mich ist Angela Merkel die Verliererin des Jahres, und zwar unangefochten.

Im Jahre 2015 sollte doch den meisten nun endlich klar geworden sein, dass Angela Merkel eine planlose Dilettantin ist, die allerdings einen ausgeprägten Hang zu einsamen Entscheidungen und das gegen die Mehrheit und Interessen der Bürger, der Steuerzahler, der Rentner und Familien hier in diesem Lande.

Anstatt endlich eine vernünftige Vereinbarung von Arbeitsleben und Familien für die Mehrzahl, insb. der Mittelschicht zu schaffen, importiert sie völlig ungeeignete Personen Millionenfach nach Deutschland, beruflich und kulturell-gesellschaftlich ungeeignet mit unkalkulierbaren Risiken für dieses Land.
Einen schlimmeren Verstoss gegen den Amtseid eines Bundeskanzlers hat es noch nicht geben ... und die gleichgeschaltete CDU tobt beim letzten Parteitag wie einst die Massen im Sportpalast ...

Denke ich an die Zukunft Deutschlands in der Nacht ... bin ich um meinen Schlaf gebracht.

Deutschland braucht dringend mehr echte Opposition, wie die AfD, die für eine vernünftige Korrektur des EUR-Raumes auf homogene Volkswirtschaften eintreten und die Zuwanderung ebenfalls in einem vernünftigen und kontrollierbaren Rahmen regeln wollen bei Beibehaltung des Asylrechtes für echte, direkte Kriegsflüchtlinge.

Und für 2016 wünscht man sich auch wieder Leitmedien, die Objektivität und Berichterstattung statt Manipulation und Regierungsnähe an den Tag legen, ergo sich mehr an Volkes Meinung und Stimmung orientieren.

Lothar dM

28.12.2015, 10:14 Uhr

Ansichtssache. Für mich ist Angela Merkel die Verliererin des Jahres, und zwar unangefochten.

Im Jahre 2015 sollte doch den meisten nun endlich klar geworden sein, dass Angela Merkel eine planlose Dilettantin ist, die allerdings einen ausgeprägten Hang zu einsamen Entscheidungen und das gegen die Mehrheit und Interessen der Bürger, der Steuerzahler, der Rentner und Familien hier in diesem Lande.

Anstatt endlich eine vernünftige Vereinbarung von Arbeitsleben und Familien für die Mehrzahl, insb. der Mittelschicht zu schaffen, importiert sie völlig ungeeignete Personen Millionenfach nach Deutschland, beruflich und kulturell-gesellschaftlich ungeeignet mit unkalkulierbaren Risiken für dieses Land.
Einen schlimmeren Verstoss gegen den Amtseid eines Bundeskanzlers hat es noch nicht geben ... und die gleichgeschaltete CDU tobt beim letzten Parteitag wie einst die Massen im Sportpalast ...

Denke ich an die Zukunft Deutschlands in der Nacht ... bin ich um meinen Schlaf gebracht.

Deutschland braucht dringend mehr echte Opposition, wie die AfD, die für eine vernünftige Korrektur des EUR-Raumes auf homogene Volkswirtschaften eintreten und die Zuwanderung ebenfalls in einem vernünftigen und kontrollierbaren Rahmen regeln wollen bei Beibehaltung des Asylrechtes für echte, direkte Kriegsflüchtlinge.

Und für 2016 wünscht man sich auch wieder Leitmedien, die Objektivität und Berichterstattung statt Manipulation und Regierungsnähe an den Tag legen, ergo sich mehr an Volkes Meinung und Stimmung orientieren.

Herr Hellmutt Bimbes

28.12.2015, 10:27 Uhr

Ich schließe mich der Meinung des Foristen Lother die Miesere an:

Verliererin des Jahres bzw. des Jahrhunderts ist das Merkel und damit - quasi in Sippenhaft genommen - die deutsche Bevölkerung und ganz Europa.
(...)

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