Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.01.2015

15:56 Uhr

Volkswagen

VW-Betriebsrat sieht noch mehr Sparchancen

Die renditeschwache Pkw-Kernmarke bei Volkswagen soll bis spätestens 2018 fünf Milliarden Euro jährlich einsparen. Alle Abteilungen sollen dazu beitragen. Der Betriebsrat meint nun, fünf Milliarden seien eher zu wenig.

Die Lage in Russland bedeutet laut VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh spürbare finanzielle Einschnitte für den VW-Konzern. dpa

Sorge über Lage in Russland

Die Lage in Russland bedeutet laut VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh spürbare finanzielle Einschnitte für den VW-Konzern.

WolfsburgVolkswagens Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh sieht im aktuellen Milliardensparprogramm für die Pkw-Kernmarke noch einige Luft nach oben. „Mit Stringenz und ein bisschen mehr Disziplin wäre man ohne weiteres in der Lage, noch mehr Effizienz zu finden“, sagte Osterloh, der für die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat sitzt.

VW-Chef Martin Winterkorn hatte der renditeschwachen Kernmarke mit dem VW-Logo im Sommer ein Spar- und Effizienzprogramm verordnet, das spätestens von 2018 an rund fünf Milliarden Euro jährlich freilegen soll. Osterloh sagte dazu: „Ich glaube, wir sind in der Lage, wesentlich mehr als diese fünf Milliarden einzusparen.“

Als mögliche Ansatzpunkte nannte Osterloh verbesserte Abläufe und ein verstärktes Aufgreifen von Optimierungsideen der Belegschaft. Dazu hatte der Betriebsrat dem Vorstand in einem ersten Anlauf bereits vergangenes Jahr einen ganzen Aktenordner voller Verbesserungstipps überreicht. Eine weitere Runde zur Ideenfindung hat Osterloh zufolge allein im Vertrieb noch einmal 800 neue Vorschläge zutage befördert.

Osterloh monierte zudem, das konzerninterne Baukastensystem müsse an der einen oder anderen Stelle noch konsequenter zum Einsatz kommen. Damit versucht Volkswagen, möglichst viele identische Bauteile in unterschiedlichen Modellen einzusetzen, um so die Kosten zu drücken.

Die VW-Sparten im Überblick

Volkswagen Pkw

Die Kernmarke des Volkswagen-Konzerns litt im Jahr 2013 unter der Absatzschwäche. Mit 4,7 Millionen verkauften Fahrzeugen schrumpfte der Absatz um 2,2 Prozent. Der Umsatz ging sogar um 4,4 Prozent zurück. Immerhin erwirtschaftet die Kernmarke noch ein operatives Ergebnis von 2,9 Milliarden Euro.

Audi

Die Premiumtochter aus Ingolstadt konnte die Verkäufe steigern. Mit 1,35 Millionen verkauften Fahrzeugen steht unterm Strich ein Plus von 3,85 Prozent. Auch der Umsatz legte leicht auf 49,88 Milliarden Euro zu. Unter Strich steht trotzdem ein deutlicher Rückgang beim Profit um rund 6,3 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro.

Skoda

Mit günstiger VW-Technik konnte die tschechische Tochter in den vergangenen Jahren die Kunden locken. Im Jahr 2013 lief es schlechter. Mit 719.000 verkauften Fahrzeuge ging der Absatz um 1,2 Prozent zurück. Der Umsatz fiel es ebenfalls leicht schlechter aus und beträgt nun 10,32 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis hat das deutliche Spuren hinterlassen. Der Gewinn beträgt 522 Millionen Euro und damit satte 26,7 Prozent weniger.

Seat

Das spanische Sorgenkind kommt bei den Verkaufszahlen wieder auf die Bein 459.000 Fahrzeuge verkauften die Spanier im Jahr 2013 - ein Plus von rund sieben Prozent. Auch der Umsatz legt um rund sechs Prozent auf 6,87 Milliarden Euro zu. Unterm Strich steht aber immer noch ein Verlust von 152 Millionen Euro, der immerhin um vier Millionen reduziert wurde.

Porsche

Die Profitmaschine aus Zuffenhausen treibt erstmals das operative Ergebnis des VW-Konzerns an. Seit der Integration im August 2012 hat der Sportwagenbauer einen Profit von 1,46 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Umsatz beträgt nun 7,03 Milliarden Euro. Der Absatz von Porsche wurde auch 78.000 Fahrzeuge taxiert.

Bentley

Bald soll die Luxus-Autoschmiede einen Nobel-SUV an den Start bringen. Dieses Jahr legt der Absatz um 21 Prozent auf 11.000 verkaufte Fahrzeuge. Auch beim Umsatz steht bei 1,68 Milliarden Euro ein Plus von 15,5 Prozent. Der Gewinn der britischen Nobeltochter legt um satte 68 Prozent auf 168 Millionen Euro zu.

VW Nutzfahrzeuge

Die Nutzfahrzeugsparte des Konzerns schwächelt weiter. Der Absatz stagniert bei 436.000 verkauften Fahrzeuge. Der Umsatz schrumpft ebenfalls leicht auf 9,37 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis legt dagegen um 6,4 Prozent zu auf 448 Millionen Euro.

Scania

Die schweren Schweden verkaufen wieder mehr. Mit 80.000 verkauften Lkws stieg der Absatz um 19,4 Prozent, auch der Umsatz legt um 11,2 Prozent auf 10,36 Milliarden Euro zu. Mit 974 Millionen Euro ist das operative Ergebnis rund 4,7 Prozent besser als im Vorjahr.

MAN

Mit einem Beherrschungsvertrag sitzt VW längst auch bei den Münchenern am Steuer. Der Absatz des Lkw-Bauers legte im Gesamtjahr 2013 leicht auf 140.000 verkaufte Fahrzeuge zu. Der Umsatz sinkt dagegen leicht auf 15,86 Milliarden Euro. Beim operativen Ergebnis steht unterm Strich ein Gewinn von 319 Millionen Euro - ein Rückgang um satte 61 Prozent.

VW Finanzdienstleistungen

Mit einem Umsatzplus von 10,8 Prozent leistet die Finanztochter des VW-Konzerns mittlerweile einen ordentlichen Beitrag zum Konzernergebnis. Das operative Ergebnis legte im Jahr 2013 um 17,5Prozent auf 1,86 Milliarden Euro zu.

Sorgen bereitet Osterloh derweil die Lage in Russland, die für den VW-Konzern spürbare finanzielle Einschnitte bedeute. „Das kostet uns dreistellige Millionenbeträge“, sagte er. Details zu Art und Umfang der Einbußen nannte Osterloh, der auch Mitglied des VW-Aufsichtsrats ist, zwar nicht. Russland sei aber in Summe kein Verlustgeschäft.

Der VW-Konzern hatte 2006 eine Fabrik im russischen Kaluga hochgezogen und für den einstigen Hoffnungsmarkt laut früheren Plänen bis 2018 gut eine Milliarde Euro Investitionen eingeplant. Neben dem Werksneubau in Kaluga lässt VW zudem seit 2011 bei Russlands Autoriesen GAZ in Nischni Nowgorod in Auftragsfertigung VWs und Skodas bauen. Dieser Vertrag läuft noch bis 2019. Neben den Einbrüchen im Neuwagenmarkt schlägt die Rubelabwertung ins Kontor.

Bei der nahen VW-Haustarifrunde für 115.000 betroffene Mitarbeiter gab sich Osterloh kampfbereit. Er warnte, Volkswagen solle beim Auftakt der Gespräche Anfang Februar nicht den Fehler der Arbeitgeber aus der laufenden Metall-Flächentarifrunde wiederholen. Dort waren die Arbeitgeber zur ersten Runde ohne ein Angebot erschienen. Die IG Metall fordert bei VW und auch in der Fläche 5,5 Prozent mehr Geld.

Von

dpa

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Ralf Rath

29.01.2015, 18:02 Uhr

Dass dank des konsequenten Einsparens von ohnehin wissenschaftlich längst inkriminierten Praktiken innenfinanziert Mittel für notwendige Investitionen frei werden, deuten Dritte verboten eigenmächtig zunehmend negativ. Insofern trägt bislang die Allgemeinheit die Kosten von solch unsäglichem Opportunismus in einem Unternehmen wie der Volkswagen AG. Angesichts dessen wäre es in der Tat an der Zeit, dass sich insbesondere das Land Niedersachsen als Inhaberin der dortigen Sperrminorität seine Deutungshoheit vor allem hinsichtlich der Auslegung des bundesweit gleichermaßen geltenden Zivilrechts nicht mehr grundlos von den besagten "Kreisen" streitig machen lässt.

Herr Wolfgang Trantow

29.01.2015, 18:37 Uhr

Sparen

Herr Wolfgang Trantow

29.01.2015, 18:39 Uhr

Sparen bei VW? Man braucht nur die Managergehälter zu halbieren und diese zur Verantwortung heranziehen. Boni streichen incl..

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×