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26.07.2012

10:20 Uhr

Volkswagen

Wolfsburg - die Insel der Glückseligen

Während die europäische Konkurrenz schwächelt, kann Volkswagen den Gewinn im ersten Halbjahr erneut steigern. Der Rekordumsatz aus dem Vorjahr soll wieder erreicht werden. Die Anleger sind trotzdem enttäuscht.

Am Volkswagen-Hauptwerk in Wolfsburg laufen die Geschäfte auch in der Krise. dpa

Am Volkswagen-Hauptwerk in Wolfsburg laufen die Geschäfte auch in der Krise.

MünchenUngeachtet der sich verschärfenden Absatzkrise in Europa hat der Autobauer VW seinen Gewinn gesteigert. Im ersten Halbjahr kletterte das operative Ergebnis auf 6,492 Milliarden Euro, das sind 6,7 Prozent mehr als vor Jahresfrist, wie Europas größter Pkw-Hersteller am Donnerstag in Wolfsburg berichtete. Unterm Strich schnellte der Gewinn um 35,9 Prozent auf 8,827 Milliarden Euro nach oben. Das Baukastensystem, also die Verwendung gleicher Teile für unterschiedliche Modelle, werde sich künftig noch positiver auf die Kosten auswirken.

Während andere Massenhersteller wie PSA Peugeot Citroen, Fiat oder Opel immer lauter unter dem Einbruch der Automärkte in Europa ächzen, verbuchte die VW-Gruppe im ersten Halbjahr ein Plus von zehn Prozent beim Absatz. In Westeuropa gingen die Verkaufszahlen zwar ebenfalls zurück, die Wolfsburger profitierten aber davon, dass ihre Fahrzeuge vor allem in Nordamerika, Osteuropa, Asien und Deutschland weiter stark gefragt sind. Außerdem lässt sich mit teuren Oberklasse-Limousinen, wie sie VW etwa unter der Marke Audi im Angebot hat, mehr Geld verdienen als mit Klein- und Kompaktwagen. Weltweit verkaufte der VW-Konzern 4,6 Millionen Fahrzeuge. Der Umsatz legte um 22,6 Prozent auf 95,378 Milliarden Euro zu.

Vorstandschef Martin Winterkorn zeigte sich mit diesem Geschäftsverlauf zufrieden. Mit Blick auf die massiven Absatzprobleme vieler Autobauer in den west- und südeuropäischen Krisenländern sagte er, Volkswagen komme vor allem seine weltweite Aufstellung zugute: „Unsere Stellung auf den Weltmärkten wird uns trotz des fordernden Umfelds helfen, die Entwicklung des Gesamtmarktes zu übertreffen.“

Das Gesamtergebnis für das Halbjahr fiel aber auch deshalb so gut aus, weil VW Optionen zur Übernahme der restlichen Porsche-Anteile neu bewertete. Solch ein Buchgewinn fiel bereits 2011 an, die Porsche AG soll zum 1. August komplett integriert werden.
Für das Gesamtjahr bekräftigte der Hersteller die Prognose, wonach der Umsatz steigen und der Betriebsgewinn das Niveau des Jahres 2011 erreichen soll. Die Schwäche in Europa behält VW im Blick: Das Marktumfeld in einigen europäischen Ländern sei herausfordernd, der Wettbewerb werde intensiver, hieß es. Für VW sei Disziplin bei Ausgaben und Investitionen angesagt, um bis 2018 Weltmarktführer zu werden.

Die größten Autohersteller in Europa

Platz 10

Nissan - 239.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Im Vergleich zum Vorjahr büßen die Japaner Marktanteile ein. Die Zahl der Neuzulassungen schrumpfte um drei Prozent.

Platz 9

Toyota - 295.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Weltweit gehören die Japaner zu den größten Autokonzernen. In Europa stagnieren die Absätze allerdings. Im Vergleich zum Vorjahr wurden ein Prozent weniger Neuwagen verkauft.

Platz 8

Daimler - 349.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Der deutsche Premiumhersteller kann sich freuen: Als einziger Hersteller in der europäischen Top Ten verkauften die Stuttgarter mehr Autos als im Vorjahr. Die Verkäufe legten um ein Prozent zu.

Platz 7

BMW - 421.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Trotzdem kann BMW die Premiumkrone auch in Europa behaupten. Die Münchner verkauften zwar ein Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr - doch das ist immer noch besser als die Konkurrenz.

Platz 6

Fiat - 456.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Sorgenfalten von Fiat-Chef Sergio Marchionne dürften zunehmen. Mit einem Minus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr befinden sich die Italiener in einer der tiefsten Absatzkrisen der Unternehmensgeschichte.

Platz 5

Ford - 533.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch für den US-Autobauer, dessen größtes Werk in Europa nördlich von Köln liegt, sind die Verkäufe in Europa eingebrochen. 11 Prozent weniger Fahrzeuge wurden an den Mann gebracht.

Platz 4

General Motors - 573.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Die Zahlen sind besorgniserregend. So besorgniserregend, dass zuletzt auch Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke gehen muss. In Europa brachen die Verkäufe des US-Riesen im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent ein.

Platz 3

Renault - 583.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Noch schlimmer trifft es den französischen Autoriesen Renault. Satte 17 Prozent weniger Autos konnten die Franzosen im ersten Halbjahr absetzen. Die Regierung denkt bereits über Staatshilfen für die angeschlagene heimische Autoindustrie nach.

Platz 2

Peugeot/Citroën - 827.000 Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Auch der größte französische Autobauer klagt über Absatzprobleme und kündigte zuletzt an, 8000 Stellen streichen zu wollen. Im ersten Halbjahr schrumpften die Verkäufe um 14 Prozent.

Platz 1

Volkswagen - 1,66 Millionen Neuzulassungen im 1. Halbjahr 2012

Es ist einsam an der Spitze: Die Wolfsburger deklassieren die Konkurrenz um längen. Im schwierigen europäischen Massenmarkt verliert Volkswagen zwar ein Prozent - doch insgesamt nehmen die Marktanteile zu.

Die Anleger scheinen von den Wachstumsplänen weniger überzeugt zu sein. Weil sich das Wachstum in einigen wichtigen Märkten abgeschwächt hat, reagierten die Börsianer mit Verkäufen. Nach Bekanntgabe der Zahlen rutschte die VW-Aktie um 2,9 Prozent auf 129,80 Euro ab. Seit Jahresanfang hat die Aktie allerdings 13 Prozent zugelegt. Der Börsenwert von Volkswagen liegt damit bei 59,4 Milliarden Euro.

Bei den Verkäufen lag die VW-Gruppe in den ersten sechs Monaten nach wie vor deutlich im Plus. Ohne die Lkw-Töchter Scania und MAN lieferten die sieben Pkw-Marken und leichten Nutzfahrzeuge zwischen Januar und Juni 4,45 Millionen Fahrzeuge aus - 8,9 Prozent mehr als zur Jahresmitte 2011. Vor allem in Asien und Amerika laufen die Geschäfte weiterhin glänzend. Auch die italienische Motorradmarke Ducati und der Sportwagenbauer Porsche gehören künftig zum Konzern. 

Kommentare (18)

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audi

26.07.2012, 11:01 Uhr

Gerade in Krisenzeiten zeigt sich die Stärke von Unternehmen.

also in den 80zigern die ersten Staatschefs aus China bei Volkswagen zu Besuch waren, gab es nur Kopfschütteln und wissendes Grinsen der Fachleute und Wirtschaftsweisen. China war damals ein angebliches Volk von Radfahrern in Blaumännern, also vollkommen uninteressant für einen Autobauer.

Und heute zeigt es sich, wie langfristig vorher schon die Weichen richtig gestellt wurden.

Erfolg hat immer seine Gründe. Und fast nie erkennen Medien und Nicht-Insider, wie es zu dem Erfolg kam. Früher musste man nur schöne Autos bauen, heute muss man auch die globale Märkte beherrschen.






Account gelöscht!

26.07.2012, 11:33 Uhr

Frankreich und Italien fordern "Prodektionismus"
um ihren "Schrott auf Rädern" vor der "bösen" Konkurenz zu schützen.
Hollande will keine Standorte schließen, Monti will Fiat "stützen", beide wollen, daß Deutschland dafür zahlt.
Der ClubMed wird hier wohl Erfolg haben, dominiert er doch die EUdSSR!

Account gelöscht!

26.07.2012, 11:38 Uhr

Also wenn ich mir das so anschaue, steht Opel doch gar nicht so schlecht da, die Franzosen mit 14 respektive 17% Minus, Opel nur 11. Also irgendwas müssen die ja richtig machen. In den TopTen sind auch zwei Opel, also auch nicht so schlecht. Die müssen nur von ihrem schlechten Image weg und dann geht´s bergauf.

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