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14.01.2010

09:43 Uhr

Voll im Focus

So hängt Ford seine US-Rivalen ab

VonMatthias Eberle, Markus Fasse

Die Konkurrenz auf dem Heimatmarkt liegt danieder, die eigenen Geschäfte laufen. Grund genug für neues Selbstbewusstsein. Der US-Konzern Ford hat auf der Automesse in Detroit Grund zu feiern - auch dank eines Kleinwagens, der in Deutschland längst auf dem Markt ist.

Hoffnungsträger: Der Ford Focus. Reuters

Hoffnungsträger: Der Ford Focus.

DETROIT. Der Mann, nach dem in Detroit nun alle suchen, ist ein Männchen in einem weißleuchtenden Hemd. Etwas verloren steht Alan Mulally auf einer riesigen Theaterbühne. Der Saal im Untergeschoss der Messehalle ist geheimnisvoll abgedunkelt, nur ein kleines Scheinwerferlicht bringt Mulallys Hemd zum Strahlen. "2009 war ein Jahr, das wir niemals vergessen werden", sagt Mulally. Er rückt seine dunkelrote Krawatte zurecht, zeigt sein immer noch bubenhaftes Lächeln. Show-Time! Endlich wieder! Nach fünf Dürrejahren, die sich anfühlten wie zehn!

Dies ist die Detroit Motor Show, Eröffnungstag auf einer der wichtigsten Automessen der Welt. Und der Mann im Dunkel ist im Moment der einzige Autoboss aus dem Autohersteller-Mekka Detroit, der sein Publikum freiwillig an die jüngere Vergangenheit erinnert. Denn er ist der einzige, der einen Grund hat.

General Motors und Chrysler, zwei Ikonen der US-Industrie und Mulallys große Konkurrenten, haben ein Jahr des Offenbarungseids hinter sich. Sie mussten Milliarden vom Steuerzahler erbetteln, um zu überleben. Für ihn aber, Alan Mulally, den Flugzeugingenieur mit Pilotenschein und Vorstandsvorsitzenden von Ford, war 2009 das Jahr des Durchbruchs. Das Unternehmen, Nummer zwei der Autobauer in den USA, hat eine Serie schlechter Quartalsergebnisse beendet, eine Serie von Demütigungen. Mehr noch, die anhaltende Absatzschwäche der US-Konkurrenz ist eine große Chance.

Viele Gewinner gibt es nicht in der Branche, die Krise hat die meisten Hersteller weltweit hart getroffen. Doch Mulally und seine Mannschaft beginnen, mit der Konkurrenz Hase und Igel zu spielen. Sie sind immer öfter schon dort, wo etwa der einst übermächtige GM-Konzern noch hinkommen will: in die Gewinnzone zum Beispiel. Mulally verzeichnet für das dritte Quartal 2009 fast eine Milliarde Dollar Nettogewinn. Das ist, angesichts von 27 Milliarden Dollar Konzernschulden, noch längst kein Grund zur Entwarnung. Wohl aber für Hoffnung. Die Ford-Aktie ist zudem seit Wochenbeginn mehr als zwölf Dollar wert - das Achtfache dessen, was sie noch vor ein paar Monaten kostete. Chrysler und GM dagegen sind längst von den Kurslisten der New Yorker Börse gestrichen. Und während die Rivalen seit Monaten unter teils dramatischen Absatzverlusten leiden, gewinnt Ford neue Kunden.

Grund genug für neues Selbstbewusstsein. Denn auch Ford stand dicht vor dem Abgrund. Ein defizitärer, führungslos umhertreibender Tanker. Zwischen 2006 und 2008 hat der Konzern 30 Milliarden Dollar Verlust gemacht, schon unter Mulally. Sein erster Businessplan war schnell ein Fall für den Papierkorb, überrollt von einem nie gesehenen Markteinbruch in den USA. Doch Ford fiel nicht, weil Mulally seinem neuen Unternehmen strenge Kostendisziplin beibrachte. Er konnte 500 Banker von seinem Sanierungsplan überzeugen und am Ende des Kredit-Booms 24 Milliarden Dollar frisches Geld organisieren. Das reichte gerade so, um 2008 kein Staatsgeld beantragen zu müssen. Zwar hat Ford als Gegenleistung seine wichtigsten Vermögenswerte bis hin zum ovalen blauen Firmenlogo an Banken abtreten müssen. Aber Ford blieb handlungsfähig und unabhängig von der Politik.

Die hat dieses Mal besonders hochrangige Späher in die Messehallen nach Detroit geschickt.

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