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05.01.2005

11:03 Uhr

Vom Bomber zur Stülpfilter-Zentrifuge

Chinesen retten Traditionsfirma Heinkel

VonWolfgang Gillmann

Der Name Heinkel steht für ein bedeutendes Kapitel deutscher Industriegeschichte: Flugzeuge, Motorroller und Kleinstautos rollten unter diesem Namen vom Band. Heute fertigt das in Bietigheim-Bissingen vor den Toren Stuttgarts beheimatete Unternehmen Stülpfilter-Zentrifugen, mit denen die Pharmaindustrie weltweit feste und flüssige Stoffe trennt.

BIETIGHEIM-BISSINGEN. Im Dritten Reich fertigte das vom Flugzeugpionier Ernst Heinkel 1922 gegründete Unternehmen vor allem die HE 111, den Standardbomber der Deutschen Luftwaffe. Der vom Flugzeugbau faszinierte Ingenieur Heinkel baute auch den ersten Düsenjet und entwickelte den Schleudersitz. Die Heinkel-Werke hielten mehr als 1 300 Patente im Flugzeugbau und knapp 600 Schutzrechte im Triebwerksbereich. Zu Glanzzeiten im Dritten Reich hatte das Unternehmen 33 Haupt- und Nebenwerke vor allem in Rostock und Warnemünde und beschäftigte 16 000 Menschen. Nach dem Krieg, als der Flugzeugbau verboten war, baute Heinkel erfolgreich den Motorroller „Tourist“ und den Kabinenroller „Kabine“.

Heute konzentriert sich Heinkel auf dem Gelände der 1939 übernommenen Maschinenfabrik Grotz in Bietigheim-Bissingen mit nur noch 120 Beschäftigten und rund 20 Mill. Euro Umsatz auf die Zentrifuge. Hier ist das Traditionsunternehmen zwar Weltmarktführer, schreibt aber seit drei Jahren Verluste.

Mitte 2004 stand das Unternehmen wegen der hohen Verluste kurz vor der Insolvenz. Alleinvorstand Michael Radke, der im Mai 2001 vom Pumpenhersteller KSB zu Heinkel gekommen war, musste sich als Sanierer bewähren. Angesichts von Überkapazitäten und Fusionen beim Hauptabnehmer Pharmaindustrie erwies sich die Konzentration auf nur ein Produkt in einem Nischenmarkt als strategischer Fehler. Mit Stellenabbau und Stilllegung der Maschinenfabrik Grotz versuchte Radke, das Unternehmen wieder flott zu bekommen.

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