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28.03.2014

16:02 Uhr

Vor dem Laufzeitende

Eon will Meiler in Grafenrheinfeld vorzeitig abschalten

Das Atomkraftwerk im bayerischen Grafenrheinfeld könnte schneller abschaltet werden als bisher geplant – sogar noch vor dem gesetzlich vorgesehenen Ende. Für den Energiekonzern Eon ist der Betrieb ein Verlustgeschäft.

Das Logo des Eon-Konzerns: Auf das Akw Grafenrheinfeld im Landkreis Schweinfurt entfallen nach Eon-Angaben 14 Prozent der bayrischen Stromerzeugungs-Kapazität. dpa

Das Logo des Eon-Konzerns: Auf das Akw Grafenrheinfeld im Landkreis Schweinfurt entfallen nach Eon-Angaben 14 Prozent der bayrischen Stromerzeugungs-Kapazität.

DüsseldorfDer Energiekonzern Eon will das Atomkraftwerk im bayerischen Grafenrheinfeld schneller abschalten als theoretisch möglich. Der Leistungsbetrieb solle Ende Mai 2015 und damit rund sieben Monate vor dem gesetzlich vorgesehenen Laufzeitende eingestellt werden, teilte Eon am Freitag in Düsseldorf mit. Zur Begründung verwies das Unternehmen auf die „mangelnde Wirtschaftlichkeit“ des Kernkraftwerks.

Nach Unternehmensangaben wurden die Bundesnetzagentur und der Netzbetreiber am Freitag über das Vorhaben informiert. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) forderte eine „sorgfältige und wasserdichte Prüfung“ der Auswirkungen der geplanten Stilllegung auf die Versorgungssicherheit in ihrem Bundesland.

Eine Eon-Sprecherin sagte AFP, im März 2015 hätten bei der dann anstehenden planmäßigen Revision neue Brennelemente eingesetzt werden müssen. Für die Monate danach müsste der Konzern dann etwa 80 Millionen Euro Kernbrennstoffsteuer zahlen. Das sei neben den Kosten für die Brennelemente der Hauptgrund für die frühere Stilllegung. „Ein primärer Punkt ist die Drosselwirkung der Brennelementesteuer.“

Wieviel Erneuerbare die Energieversorger haben

RWE

Laut einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende Februar 2014 veröffentlichte, hat von RWE in Europa produzierter Strom einen Anteil von Wasserkraft von 2 Prozent und einen Anteil von anderen Erneuerbaren Energien von weiteren zwei Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die tatsächlich erzeugte Strommenge, nicht auf die Kapazitäten.

Eon

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon produziert insgesamt drei Prozent seines in Europa hergestellten Stroms aus Erneuerbaren Energien inklusive Windkraft und steht damit im Vergleich schlechter da als Konkurrent RWE.

Vattenfall

Der schwedische Konkurrent Vattenfall produzierte insgesamt vier Prozent seines Stroms in Europa mithilfe regenerativer Energiequellen.

EnBW

EnBW steht im Vergleich der großen vier Energieversorger in Deutschland am schlechtesten da. Das Unternehmen gewinnt nur insgesamt zwei Prozent seines Stroms europaweit aus erneuerbaren Quellen.

Überlegungen zu einem vorzeitigen Aus des AKW waren bereits in der vergangenen Woche bekannt geworden. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hatte sich besorgt geäußert. Nach Angaben Aigners vom Freitag ist die Abschaltung im Frühjahr 2015 nach Einschätzung der Bundesnetzagentur aber beherrschbar, sofern dabei bestimmte netztechnische Vorkehrungen getroffen werden. „Ich erwarte, dass dies jetzt nochmals 'wasserdicht' abgesichert wird“, ergänzte die Ministerin.

Der Netzbetreiber Tennet erklärte dazu, er werde die Auswirkungen auf die Netzstabilität wie gesetzlich vorgeschrieben prüfen. „Aktuell“ gehe er davon aus, dass die Versorgungssicherheit nicht gefährdet sein. Tennet-Chef Martin Fuchs warnte aber vor den Kosten durch etwaige Stabilisierungsmaßnahmen. „Eine durch die vorzeitige Stilllegung von Grafenrheinfeld notwendige sehr deutliche Erhöhung von Eingriffen in den Markt würde auch diese Kosten stark ansteigen lassen.“ Diese würden von den Stromverbrauchern getragen.

Kommentare (1)

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28.03.2014, 17:29 Uhr

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