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12.01.2007

14:08 Uhr

Vor der „Boot“

Deutsche Werften mit Rückenwind

VonAxel Granzow

Deutsche Bootswerften schwimmen auf einer Erfolgswelle. In Deutschland laufen die Geschäfte immer besser und in Europa bauen sie ihre Marktposition immer weiter aus. In Düsseldorf präsentiert sich Ende Januar die Wassersportbranche auf der "Boot".

DÜSSELDORF. Der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland hat auch die Wassersportbranche erreicht. „Wir rechnen in diesem Jahr mit einem Umsatzplus zwischen fünf und sechs Prozent“, sagte Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbands Wassersportwirtschaft im Vorfeld der Messe Boot (20. bis 28. Januar 2007) in Düsseldorf. Der Zuwachs liege damit gut zwei Prozentpunkte über den Erwartungen der Branche für ganz Europa. Bestätigt wird die Trendwende und Belebung der Nachfrage vor allem durch die Importzahlen. Im ersten Halbjahr 2006 wurden 751 Segelyachten eingeführt. Dies bedeutet eine Verdopplung der Stückzahl und einen wertmäßigen Zuwachs von knapp 80 Prozent.

Deutschlands größte Serienbootwerft Bavaria Yachtbau hat den Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr 2005/06 um 20 Prozent auf 270 Mill.Euro gesteigert. 2900 Segelyachten und 700 Motorboote haben das Werk in Giebelstadt verlassen. Auch bei der Nummer zwei in Deutschland, Hanse Yachts, boomt das Geschäft. Die Produktion wurde um 45 Prozent auf rund 1000 Segel- und Motoryachten gesteigert. Der Exportanteil der deutschen Hersteller liegt bei 85 Prozent. Im ersten Halbjahr 2006 legte der Wert der exportierten Segelyachten um 28,5 Prozent auf 150 Mill. Euro zu.

Um den Aufwärtstrend zu stabilisieren, forderte Tracht die Politik auf, die Deregulierung fortzusetzen. Zahlreiche Verordnungen und Regelungen machten sowohl den Unternehmen als auch den Wassersportlern das Leben schwer. Deutschland gehöre zu den Ländern mit der höchsten Regulierung in Europa. Wie befreiend Deregulierung wirke, zeige die gelockerte Charterbescheinigungsregelung in Deutschlands größten Wassersportrevieren Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Danach könnten seit dem Jahr 2000 Hausboote auch ohne amtlichen Sportbootführerschein während eines Urlaubs gefahren werden. Seitdem hätten sich die Umsätze der Unternehmen um über 40 Prozent erhöht.

Im vergangenen Jahr ist der Umsatz für maritime Produkte und Dienstleistungen in Deutschland laut Tracht um 4,3 Prozent auf 1,75 Mrd. Euro geklettert. Rechnet man die Superyacht-Industrie hinzu, die bei geringer Stückzahl hohe Umsätze ausweist, erreichte der Umsatz der Branche sogar rund drei Mrd. Euro. Die Nachfrage aus der ganzen Welt nach diesen Megayachten sei ungebrochen, sagte Tracht, und von der konjunkturellen Entwicklung nahezu unbeeindruckt.

In Europa machen sich laut Tracht dagegen Sättigungstendenzen in der Branche bemerkbar. Zwar sei der Umsatz europaweit im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 24,3 Mrd. Euro gestiegen. Davon entfallen rund acht Mrd.Euro auf den Verkauf neuer Boote und Yachten. Doch rechne die Branche 2007 nur noch mit einem Plus von drei bis vier Prozent. Europaweit werden 37 200 Unternehmen mit 272 000 Beschäftigten gezählt. Von den verkauften rund 213 000 Booten und Yachten sind 86 Prozent Motorboote. Annähernd 90 Prozent der Segel- und Motorboote entfallen auf kleine bis mittlere Boote unter 7,5 Meter Bootslänge.

Auf der Boot 2007 in Düsseldorf stellen 1650 Aussteller aus 55 Ländern vom 20. bis 28. Januar in 17 Messehallen ihre Produkte rund um den Wassersport aus. Allein in der Großyachthalle 6 werden 70 Yachten in der Größe von 20 bis 30 Meter Länge vor Anker gehen.

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