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05.01.2017

14:48 Uhr

Vor Übernahme durch Bayer

Monsanto gelingt Trendwende

VonSiegfried Hofmann

Nach roten Zahlen im Vorjahr hat Monsanto im abgelaufenen Quartal wieder einen Gewinn erzielt. Der Saatgutkonzern, den Bayer übernehmen will, profitierte von besseren Geschäften in Südamerika und verspricht auch für das Gesamtjahr einen Ertragsanstieg.

In dem am 30. November zu Ende gegangenen ersten Geschäftsquartal hat der Konzern einen Nettogewinn von 29 Millionen Dollar erzielt. dpa

Monsanto

In dem am 30. November zu Ende gegangenen ersten Geschäftsquartal hat der Konzern einen Nettogewinn von 29 Millionen Dollar erzielt.

St. LouisDer US-Saatgutriese Monsanto steuert in gestärkter Verfassung auf die Übernahme durch Bayer zu. Für das Ende November abgeschlossene erste Quartal des Geschäftsjahres 2016/17 meldete Monsanto jetzt einen kleinen Gewinn von 29 Millionen Dollar, gegenüber 253 Millionen Dollar Verlust im Vorjahr. Die Erwartungen der Analysten, die dem Saatgutriesen im Schnitt nur ein ausgeglichenes Ergebnis zugetraut hatten, konnte er damit leicht übertreffen.

Der Saatgutkonzern Monsanto

Hersteller

Der US-amerikanische Konzern Monsanto ist einer der weltgrößten Hersteller von – oft auch gentechnisch verändertem – Saatgut sowie Unkrautbekämpfungsmitteln.

Umsatz

Das Unternehmen mit Hauptsitz in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri gehört zu den 500 größten börsennotierten in den USA und setzte zuletzt rund 15 Milliarden US-Dollar (gut 13 Mrd. Euro) um. Dabei erzielte Monsanto einen Überschuss von 2,3 Milliarden Dollar.

Mitarbeiter

Weltweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben knapp 21.200 Menschen, fast die Hälfte davon in den USA. Der Saatgutkonzern ist in 66 Ländern vertreten – auch in Deutschland.

Kritik

Monsanto bezeichnet eine nachhaltige Landwirtschaft als „Kernanliegen“, wird jedoch weltweit von Umweltschutzorganisationen unter anderem für die Herstellung von gentechnisch veränderten Saatgut heftig kritisiert.

Quelle: dpa

Anders als im vergangenen Jahr, als man mehrfach die Ertragsprognosen nach unten korrigieren musste, konnte Monsanto-Chef Hugh Grant zudem die bereits im Oktober präsentierte Ertragsprognose für 2017 jetzt bekräftigen. Für das bereinigte Ergebnis je Aktie im Gesamtjahr stellt er einen Anstieg auf 4,50 bis 4,90 Dollar je Aktie in Aussicht, gegenüber 4,48 Dollar im Vorjahr. Der freie Cashflow dürfte danach 1,4 bis 1,6 Milliarden Dollar erreichen.
Die Zahlen deuten darauf, dass der US-Konzern wie versprochen tatsächlich wieder auf Wachstumskurs zurückfindet und damit offenbar die Talsohle der aktuellen Agroflaute durchschritten hat. Sie kommen insofern auch den Plänen von des Bayer-Konzerns entgegen, der mit der geplanten Übernahme darauf wettet, dass das Pflanzschutz- und Saatgutgeschäft nach der Flaute in den letzten beiden Jahren wieder stärker in Schwung kommt. Der Leverkusener Konzern hatte sich nach monatelangen Verhandlungen im September mit dem Monsanto-Management auf eine Übernahme des US-Konzerns für insgesamt rund 66 Milliarden Dollar geeinigt. Rund 57 Milliarden Dollar entfallen dabei auf den Erwerb der Monsanto-Aktien, neun Millionen auf die Übernahme von Monsanto-Schulden. Einen Vollzug dieser größten Übernahme in der Firmengeschichte erwartet Bayer bis Ende des Jahres.
Bayer-Chef Werner Baumann setzt vor allem darauf, dass die Kombination der beiden Konzerne im Agrobereich die Innovationskraft noch deutlich verstärkt, weil man künftig die Entwicklung von Saatgut und Pflanzenschutzmitteln stärker verzahnen kann. Diese Argumentation hat jetzt auch das Monsanto-Management stark betont. „Zusammen mit Bayer sehen wir die Chance, Innovationen zu beschleunigen und integrierte optimierte Lösungen zu bieten“, sagte Technologie-Chef Robb Fraley. Die aktuelle Forschungs-Pipeline von Monsanto umfasst nach Fraleys Aussage Produkte mit einem Spitzenumsatz-Potenzial von 25 Milliarden Dollar. Das entspricht fast dem doppelten des letzten Jahresumsatzes von 13,5 Milliarden Dollar.
Die Ertragswende im letzten Quartal führt Monsanto unterdessen vor allem auf ein besseres Geschäft in Argentinien und Brasilien zurück, wo Landwirte nach zwei schwachen Jahren die Anbauflächen wieder ausweiteten. Zudem wirkte die Aufwertung des brasilianischen Reals positiv. Der Umsatz lag mit 2,6 Milliarden Dollar um fast ein Fünftel über dem Vorjahreswert und ebenfalls leicht über den Erwartungen der Analysten. Zuwächse kamen dabei ausschließlich aus dem Saatgut-Geschäft, während die Herbizid-Umsätze und –Erträge weiter schrumpften, bedingt durch weitere Preisrückgänge beim Herbizid Glyphosat. Das operative Ergebnis verbesserte sich auf 247 Millionen Dollar gegenüber einem operativen Verlust von 272 Millionen Dollar im Vorjahr, als Monsanto hohe Rückstellungen für ein Kostensenkungsprogramm gebildet hatte. Klammert man Sondereffekte aus, hat sich der bereinigte Gewinn je Aktie laut Monsanto von elf auf 21 Cents je Aktie verbessert.
Die Quartalszahlen und die Gewinnprognose für 2017 bedeuten zwar eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr. Die Ertragswerte der Jahre 2014 und 2015, als der US-Konzern auf bereinigter Basis noch mehr als fünf Dollar je Aktie verdiente, dürfte Monsanto damit aber noch nicht wieder erreichen. Auch der freie Cashflow wird mit erwarteten 1,4 bis 1,6 Milliarden Dollar noch deutlich hinter den Durchschnittswerten der letzten Jahre (von gut zwei Milliarden Dollar pro Jahr) zurückbleiben. Um eine angemessene Verzinsung des Kaufpreises zu erzielen, wird Bayer indessen noch weitere kräftige Ertragssteigerungen bei Monsanto benötigen.
Immerhin hat der US-Konzern bisher eine Rückkehr zu einem zweistelligem Gewinnwachstum ab dem Jahr 2018 in Aussicht gestellt. Bayer hofft außerdem, mindestens 1,5 Milliarden Dollar an laufenden Kosten einzusparen durch die Kombination von Monsanto mit der eigenen Agro-Sparte.

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