Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

26.09.2012

11:47 Uhr

Vorbehalte gegen Staatseinfluss

EADS-Chef kämpft für seine Fusionspläne mit BAE

Der Chef des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS, Tom Enders, erläutert im Wirtschaftsausschuss des Bundestags die geplante Fusion mit dem britischen Unternehmen BAE - und verteidigt mit aller Kraft seine Pläne.

Tom Enders, Vorstandsvorsitzender von EADS, verteidigt die geplante Fusion mit dem britischen Unternehmen BAE zum dann weltgrößten Luftfahrt- und Rüstungskonzern. dpa

Tom Enders, Vorstandsvorsitzender von EADS, verteidigt die geplante Fusion mit dem britischen Unternehmen BAE zum dann weltgrößten Luftfahrt- und Rüstungskonzern.

BerlinDer Chef des Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS, Tom Enders, hat die angepeilte Fusion mit dem britischen Unternehmen BAE zum weltgrößten Rüstungsunternehmen erneut verteidigt. "Wir wollen ein Unternehmen schaffen, das international noch sehr viel erfolgreicher ist, das neue Investoren noch anzieht. Und es gibt viele Beispiele, die belegen, dass Unternehmen in dieser Branche und dieser Größenordnung nicht unbedingt über Staatsbeteiligungen geführt werden müssen", sagte Enders am Mittwoch in Berlin.

Die bisherige Aktionärsstruktur bei EADS

European Aeronautic Defence and Space Company

EADS mit seiner Flugzeugbau-Tochter Airbus ist Europas dominierender Luft- und Raumfahrtkonzern. Die börsennotierte Aktiengesellschaft European Aeronautic Defence and Space Company (EADS) umfasst die wichtigsten Flugtechnikanbieter Deutschlands, Frankreichs und Spaniens. Der Konzern entstand im Juli 2000 nach langem Tauziehen um Standorte und Produktionsanteile.

Die französische Seite

Nach einem 2007 vereinbarten Aktionärspakt darf der französische Staat nur 15 Prozent der EADS-Anteile besitzen. Zusammen mit dem Medienkonzern Lagardère kommt er auf 22,45 Prozent der EADS-Aktien, wobei die Anteile in der Gesellschaft Sogeade gebündelt sind. Der Chef der Mediengruppe, Arnaud Lagardère, will seine 7,5 Prozent der Anteile mittelfristig verkaufen, erhebt aber seinen Anspruch auf den Mitte 2012 freiwerdenden Chefposten im Verwaltungsrat des Konzerns.

Die deutsche Seite

Mit 22,45 Prozent ist auch die deutsche Seite an EADS beteiligt. Bisher hielt DaimlerChrysler 15 Prozent und ein Konsortium von Bundesländern, privaten und öffentlichen Banken 7,5 Prozent. Allerdings behielt DaimlerChrysler nach dem ausgehandelten Kompromiss 22,5 Prozent der Stimmrechte und blieb so größter stimmberechtigter EADS-Einzelaktionär. 7,5 Prozent der EADS-Anteile soll nun die Staatsbank KfW übernehmen, so dass sich der Daimler-Anteil auf 7,5 Prozent reduziert.

Die spanische Seite

Weitere 4 Prozent an EADS hält die spanische Staatsholding SEPI, der Rest der Anteile in Höhe von 49,6 Prozent liegt im Streubesitz.

Der Aktionärspakt

Die deutschen, französischen und spanischen Haupteigentümer hatten sich bei der Gründung der EADS auf einen Pakt („Contractual Partnership“) verständigt, um das Unternehmen gegen feindliche Übernahmeversuche zu sichern und um das Heft bei dem Luftfahrt- und Rüstungskonzern in der Hand zu behalten.

Die Machtzentren

Die EADS hat ihren offiziellen Sitz in Amsterdam, in Paris und München sind die beiden Hauptzentren des Konzerns. Der Hauptsitz und die Zentrale der EADS-Tochtergesellschaft Airbus sind im französischen Toulouse angesiedelt. Hamburg wiederum ist der Sitz der deutschen Airbus-Tochtergesellschaft, die für die deutschen Werke zuständig ist.

Nach einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss des Bundestags wies Enders am Mittwoch auch Kritik am geplanten Beteiligungsverhältnis von 60 zu 40 mit EADS-Mehrheit zurück. So sei das "nicht etwas, was der Vorstandsvorsitzende mit seinem Gegenpart bei einer Tasse Bier auskegelt, sondern das ist etwas, was sehr professionell vorbereitet worden ist ...". Dies spiegle sehr fair die Wertverhältnisse beider Unternehmen wider. Nach einem Zusammenschluss sollen die EADS-Aktionäre einen Anteil von 60 Prozent halten, die Aktionäre von BAE Systems erhielten 40 Prozent. Im Wirtschaftsministerium hält man allerdings ein Verhältnis von 70 zu 30 Prozent für realistischer.

Gegen wen EADS und BAE antreten

Umkämpfter Markt

Die Politik spielt immer eine große Rolle bei Rüstungsfirmen, schließlich ist sie nicht zuletzt der wichtigste Kunde. Das spiegelt sich auch in der Konkurrenzsituation der Konzerne wieder. Ein Überblick.

Boeing

Der Erzrivale von EADS und dessen Tochterfirma Airbus, momentan vor allem bei Verkehrsflugzeugen mit über 100 Sitzplätzen. Die beiden Konzerne sind führend auf dem Weltmarkt. Verkaufsschlager sind die Mittelstreckenflieger der Baureihen A320 und B737. Airbus hatte in den vergangenen Jahren die Nase vorn, doch Boeing konnte den Konkurrenten im ersten Halbjahr bei den Auslieferungen überholen.

Boeing

Boeing liefert gleichzeitig so etwas wie die Blaupause für die geplante Fusion der Europäer. Der Konzern hatte 1997 den heimischen Wettbewerber McDonnell-Douglas übernommen und damit sein militärisches Standbein ausgebaut. Im ersten Halbjahr steuerte das Rüstungs- und Sicherheitsgeschäft zusammen mit der Raumfahrt knapp die Hälfte zum Gesamtumsatz bei. Zu den Produkten gehören Kampfhubschrauber (AH-64 Apache), Kampfjets (F/A-18), Transportflugzeuge (C-17 Globemaster III) sowie unbemannte Drohen und Aufklärungsmaschinen (E-3 Awacs).

Boeing

Vor allem nach den Anschlägen vom 11. September 2001 erwies sich die Rüstungssparte als wertvoll. Boeing profitierte von den steigenden Militärausgaben der USA und konnte damit die Bestelleinbrüche bei den Passagiermaschinen abfedern. Momentan sind Verkehrsjets die Renner, während das Rüstungs-Standbein mit Einschnitten in den Militärbudgets vieler Staaten klarkommen muss.

Lockheed Martin

Amerikas größter Rüstungskonzern. Das Unternehmen stellt die Kampfjets F-16, F-22 und F-35 her sowie die Transportflieger C-130J Super Hercules und die riesige C-5 Galaxy. Daneben baut Lockheed-Martin unter anderem gepanzerte Fahrzeuge, Raketen, Hubschrauber und Radaranlagen. Weitere Standbeine sind die Raumfahrt- sowie Informationstechnik.

Northrop Grumman

Hersteller von unbemannten Drohnen wie dem Global Hawk, von Radaranlagen, Steuersystemen oder Raketen. Bekanntestes Produkt ist der futuristisch aussehende Tarnkappenbomber B-2.

General Dynamics

Der Konzern baut unter anderem Kriegsschiffe und U-Boote, stellt Artilleriesystem und Munition her und steckt hinter dem US-Kampfpanzer Abrams. Ziviles Standbein sind die Gulfstream-Geschäftsflugzeuge.

Auf Einzelheiten der eineinhalbstündigen Befragung wollte Enders danach nicht eingehen, sagte aber, dass er "natürlich gerne jederzeit mit der Bundesregierung darüber reden möchte, welche Bedenken, welche Fragen noch offen sind zu diesem wichtigen, für meinen Konzern sehr wichtigen, Fusionsprojekt".

Was EADS und BAE alles herstellen

EADS - Airbus

Der weltgrößte Hersteller von Passagierflugzeugen bietet eine breite Palette an: vom 100 Sitze zählenden A318 bis hin zum Superjumbo A380, in dem 500 Menschen Platz finden. Insgesamt gibt es 14 Modelle. Mehr als 6000 Airbus-Flugzeuge sind weltweit unterwegs. Airbus stellt aber auch Militärflugzeuge her, darunter den Transporter A400M. Airbus kam 2011 auf einen Umsatz von 33,1 Milliarden Euro, davon 2,5 Milliarden Euro aus dem Rüstungsgeschäft.

Astrium

Dahinter verbirgt sich das europäische Raumfahrtgeschäft von EADS. Hergestellt werden beispielsweise Satellitensysteme. Bekanntestes Produkt sind die Ariane-Raketen, mit denen Satelliten ins Weltall transportiert werden. Astrium kam 2011 auf einen Umsatz von fünf Milliarden Euro.

Cassidian

Diese Sparte produziert beispielsweise Drohnen. Über Cassidian ist EADS auch am Eurofighter-Konsortium beteiligt und Anteilseigner beim Raketensystemanbieter MBDA. Dieser Geschäftsbereich machte 2011 rund 5,8 Milliarden Euro Umsatz.

Eurocopter

Der Hersteller von Zivil- und Militärhubschraubern kommt auf einen weltweiten Marktanteil von rund 30 Prozent. Zu den bekanntesten Produkten gehören der militärisch genutzt Tiger und der zivile EC225 Super Puma. Diese Sparte erlöste 2011 rund 5,4 Milliarden Euro.

BAE - Electronic Systems

Dieser Unternehmensteil ist auf Elektronik zur Flug- und Motorsteuerung spezialisiert, stellt aber auch Kriegsgeräte und Nachtsichtsysteme her. Er kam 2011 auf einen Umsatz von 5,4 Milliarden Pfund.

Cyber and Intelligence

Ein Teil dieses Geschäftsbereiches von BAE ist in den USA angesiedelt. Geliefert werden beispielsweise Nachrichten und Informationen in Echtzeit an Regierungen und Truppen. Auch Sicherheits-Soft- und Hardware bietet das Unternehmen an. Der Umsatz betrug 2011 etwa 1,4 Milliarden Pfund.

U.S. Platforms & Services

Kriegsgeräte, aber auch Schiffsreparaturen werden unter diesem Namen angeboten. Aktiv ist diese BAE-Sparte in den USA, Großbritannien, Schweden und Südafrika. Einnahmen 2011: 5,3 Milliarden Pfund.

International Platforms & Services

Diese Sparte ist in Saudi-Arabien, Indien, Australien und dem Oman vertreten. Sie hält auch einen Anteil von 35 Prozent am Raketen-Hersteller MDBA.

Die stellvertretende Grünen-Fraktionschefin Kerstin Andreae kritisierte im Anschluss allerdings, es seien mehr Fragen offen als beantwortet. „Der nationale Nutzen dieser Fusion erschließt sich nicht.“ Deshalb habe die Bundesregierung in der Sitzung auch offen gelassen, ob sie einem Zusammenschluss zustimmen würde, ergänzte Andreae. Es gehe „nicht nur um das Wie der Fusion, sondern grundsätzlich um das Ob“.

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

emilioemilio

26.09.2012, 13:14 Uhr

Einen deutschen nationalen Nutzen gibt es auch nicht! Wenn das die Grünen schon erkennen, dann oha! Nachtigall ich hör die trapsen.....UK/USA/F-Komplott!

Hans

26.09.2012, 14:37 Uhr

Den weiten Weg nach Berlin mit leeren Händen hätte sich Enders auch sparen können. EADS behält es sich bei seiner Jobgarantie vor, Arbeit aus Deutschland abzuziehen, und danach legal Massenentlassungen durchführen!!! Dürfte wohl auch bedeuten, EADS muss unbedingt schnell Kapazitäten, und damit Jobs vor allem in Deutschland abbauen. Bombardier hat ja seine Produktion von Flugzeugen schon gedrosselt. Im Militärbereich wurden die Beschaffungen auch mächtig gestreckt. Da man für die Fusion die Gewerkschaften braucht, fängt man mit den Entlassungen erst danach an.

Scheinbar hat Enders die Felle schon alle GB, FR oder USA fest verteilt, und für DE blieb nichts mehr übrig. Verhandlungsspielraum pro DE scheint Enders nicht mehr zu haben. Das mit der Zustimmung aus DE dürfte so nicht funktionieren.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×