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05.12.2011

23:06 Uhr

Vorbild VW

Opel macht seinen Rivalen zum Maßstab

VonCarsten Herz, Thomas Jahn

Ob Gewinnmarge, Markenentwicklung oder Modulstrategie: Für Stephen Girsky, zweiter Mann bei General Motors und neuer Aufsichtsratschef bei Opel, ist der Konkurrent aus Wolfsburg derzeit das Maß der Dinge.

Zwischen dem VW-Konzern und Opel liegen Welten. dapd

Zwischen dem VW-Konzern und Opel liegen Welten.

New YorkStephen Girsky hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. „Wir stehen unter großem Druck, wieder Gewinne in Europa zu schreiben“, äußert der GM-Vizechef während eines Pressegesprächs in New York angesichts der Verluste von 580 Millionen Dollar im Europa-Geschäft in den ersten neun Monaten. Der 49-jährige Amerikaner, der erst vor wenigen Tagen „ohne Gegenstimme“ zum Aufsichtsratschef von Opel gewählt wurde, legt sich keine diplomatische Zurückhaltung auf, sondern sagt klar, an wem sich sein Unternehmen orientieren soll: Volkswagen. Der Rivale wird zum Maßstab.

GM-Vizechef Stephen Girsky beneidet VW um seine Profitmarge. dapd

GM-Vizechef Stephen Girsky beneidet VW um seine Profitmarge.

„Wir beneiden sie um ihre Profitmargen“, sagt Girsky. Während GM konzernweit fünf bis sechs Prozent erwirtschaftet, sind es bei VW sieben bis acht Prozent. Auch würde es den Wolfsburgern gelingen, „ob mit Skoda, Audi oder Seat“ zahlreiche Marken erfolgreich zu managen und zugleich Kosten durch den Einsatz zahlreicher gemeinsamer Komponenten zu drücken. „Wenn wir genauso gut werden, dann geht alles in Ordnung“, meint Girsky.

Das ist ein überraschendes Lob. Noch im Sommer hatten sich GM und VW einen öffentlichen Schlagabtausch um die GM-Tochter Opel geleistet. VW-Konzernchef Martin Winterkorn hatte in einem kalkulierten Tabubruch offen über einen möglichen Verkauf der GM-Tochter spekuliert - und sich damit eine scharfe Replik der Amerikaner eingehandelt. Doch wochenlang herrschte Ungewissheit in der Opel-Zentrale in Rüsselsheim über die Zukunft des Unternehmens, bis sich GM doch zur Marke bekannte.

Darauf angesprochen, macht Girsky ein zerknirschtes Gesicht. „Was wollen Sie hören: Nein oder kein Kommentar?“, ist alles, was er herausbringt. Später geht er aber doch noch auf die Frage ein, warum ein Verkauf nicht zur Debatte steht: „Wir sind zufrieden mit dem, was wir haben.“ Durch Opel würde GM global gesehen mehr Schlagkraft gewinnen, dazu gäbe es in Deutschland die anspruchsvollsten Kunden: „Dadurch lernen wir ungeheuerlich viel.“

Das gilt auch für die Technik: Nirgendwo sonst als in Deutschland entwickle GM solch innovative Produkte wie sparsame Motoren. „GM braucht Opel“, glaubt gleichfalls Stefan Bratzel vom Center of Automotive an der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. „Dazu gehört auch, dass man mit seiner Tochter vernünftig umgeht.“

Kommentare (1)

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Opelfan

06.12.2011, 15:20 Uhr

wenn Opel wie VW werden soll müssen die Weltmärkte geöffnet werden nix Europamarkt.

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