Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.10.2012

09:16 Uhr

Vorgezogene Quartalszahlen

Daimlers Gewinn knickt ein - und zieht Prognose mit

Wegen einer versehentlichen E-Mail hat Daimler früher als geplant Zahlen fürs dritte Quartal vorgelegt. Das Ergebnis ist nicht katastrophal, aber ernüchternd. Die Ziele für dieses und nächstes Jahr stehen auf der Kippe.

StuttgartEin harter Konkurrenzkampf und Absatzprobleme setzen Daimler immer mehr zu und haben den Autobauer zur Korrektur seiner Ziele für 2012 gezwungen. Nach der Gewinnwarnung Ende September für seine Pkw-Sparte schraubten die Schwaben am Mittwoch nun auch ihre Vorhersage für den operativen Gewinn des Gesamtkonzerns herab.

„Angesichts der deutlichen Verschlechterung des Marktumfelds in wichtigen Märkten in den vergangenen Monaten sowie einer Intensivierung des Wettbewerbs hat Daimler die Ergebniserwartungen angepasst“, teilte das Unternehmen in einer versehentlich am Mittwochabend veröffentlichten Meldung mit. Vorstandschef Dieter Zetsche kündigte ein rigides Sparprogramm für die Kernmarke Mercedes an. Der Autokonzern will heute über Details seines Sparprogramms für die wichtige Pkw-Sparte informieren.

Ursprünglich hätten die Zahlen erst am Donnerstag kurz vor Börsenstart in Deutschland vorgelegt werden sollen. Eine E-Mail-Panne in den USA zwang den Konzern zur früheren Mitteilung. Die Aktien des Autobauers notierten am Morgen 1,1 Prozent im Minus.

Der Dax-Konzern rechnet neuerdings nur noch mit einem operativen Ergebnis von ungefähr 8 Milliarden Euro, was knapp 9 Prozent unter Vorjahresniveau wäre. 2011 waren Daimler aus dem laufenden Geschäft rund 8,75 Milliarden Euro geblieben, was diesmal zunächst wieder das erklärte Ziel war. Zum Sparvorhaben sagte Zetsche: „Mit diesem Programm bündeln wir bestehende und zusätzliche Effizienzmaßnahmen, um sowohl unsere kurzfristigen Ziele abzusichern als auch unser Geschäftssystem optimal und nachhaltig auszurichten.“

Der Autobauer Daimler will trotz des Gewinneinbruchs an seiner Dividendenpolitik keine Zweifel aufkommen lassen. "Unsere Dividendenfähigkeit ist voll gegeben", sagte Finanzvorstand Bodo Uebber am Donnerstag in einer Telefonkonferenz.

In einem Brief an die Belegschaft hatte Zetsche am Mittwoch bereits angekündigt, etwa den Vertrieb im Wachstumsmarkt China umzukrempeln, wo Daimler - so wie weltweit auch - hinter den Erzrivalen Audi und BMW liegt. Dazu hieß es am Mittwoch in der offiziellen Mitteilung, dass diese Reformen den Gewinn bei Mercedes zum Jahresende schmälern werden. „Ergebnisseitig wird mit Belastungen aus Maßnahmen zur Unterstützung des Händlernetzes in China gerechnet.“ Nur noch 4,4 Milliarden Euro soll die Pkw-Sparte 2012 operativ einfahren - nach 5,2 Milliarden Euro im Vorjahr.

In Europa dürfte die Pkw-Nachfrage 2012 auf den tiefsten Stand seit fast 20 Jahren fallen. Zetsche hatte daher bereits Ende September ein weiteres Sparprogramm namens "Fit for Leadership" angekündigt. Versteckt in einer Präsentation von Finanzvorstand Bodo Uebber für eine Analysten-Konferenz am Donnerstag bezifferte Daimler erstmals das Einsparziel. Bei Mercedes-Benz sollen die Kosten bis Ende 2014 um zwei Milliarden Euro sinken.

"Wir streben an, einen Großteil dieses Volumens bereits im Jahr 2013 zu erreichen", führte der Finanzchef aus. Bei Forschung und Entwicklung sowie den Sachinvestitionen will der Autobauer demnach auf die Bremse treten. Mercedes-Produktionschef Wolfgang Bernhard hatte bereits im Frühjahr Kosteneinsparungen von sechs Milliarden Euro bis 2017 angekündigt.

Sinkende Neuzulassungen: Europas Autohersteller rutschen tiefer in die Krise

Sinkende Neuzulassungen

Europas Autobauer sacken weiter ab

Deutsche Hersteller kommen im Vergleich zur europäischen Konkurrenz glimpflich davon.

Auf der Suche nach Sparmöglichkeiten will Daimler auch die Größe seiner Belegschaften auf den Prüfstand stellen. Entlassungen seien aber kein Thema, kündigte Finanzchef Bodo Uebber am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten an. Uebber sprach von „sogenannten normalen Maßnahmen“. Das könnte zum Beispiel der Wegfall frei werdender Stellen sein.
Für die Daimler-Mitarbeiter in Deutschland gilt ohnehin eine Beschäftigungsgarantie bis Ende 2016. Uebber kündigte jedoch an, dass nach einer genauen Analyse manche freiwerdende Stellen womöglich nicht neu besetzt werden oder Mitarbeiter über Regelungen für eine Altersteilzeit das Unternehmen verlassen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

24.10.2012, 22:24 Uhr

Aber der Bonus von D. Zetsche bleibt doch hoffentlich konstant nächstes Jahr. Nicht das er am Hungertuch nagen muss, und zu mir betteln kommt.

Bazi79

24.10.2012, 22:50 Uhr

Bei einem Ergebnis von 8 Mrd Euro von einer Krise zu sprechen....schneller höher weiter....wo soll das noch Enden??!

Roothom

24.10.2012, 23:07 Uhr

facebook hat gerade einen verlust gemeldet und die aktie ist um knapp 20% nach oben gesprungen. hauptsache der umsatz stimmt. für unternehmen wie daimler, die noch immer hohe gewinne einfahren, aber nun unter der krise und höheren kosten etwas leiden, gilt das natuerlich nicht. auch die gewinnsteigerungen der vergangenen jahre haben ja zu keinem höheren kurs geführt. die sogenannten profis kaufen halt lieber luftnummern und sind deshalb bei grundsoliden firmen sehr kritisch. das ist nun mal das neue denken...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×