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11.05.2012

12:25 Uhr

Vorstand von Zitzewitz

Q-Cells will Solarindustrie mit Verstaatlichung retten

Der Vorschlag ist so ungewöhnlich wie nicht umsetzbar: Q-Cells-Vorstand von Zitzewitz schlägt vor, die Solarbranche in Deutschland zu verstaatlichen. Aus eigener Kraft könne sich die Branche kaum sanieren.

Die Zentrale des Solarkonzerns Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen. dpa

Die Zentrale des Solarkonzerns Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen.

BitterfeldAm Tag, an dem der Bundesrat die Kürzung der Solarförderung vorerst gestoppt hat, kommt aus der Photovoltaik-Branche ein ungewöhnlicher Vorschlag. Der Vorstand des insolventen Solarmodulherstellers Q-Cells, Andreas von Zitzewitz, bringt eine Verstaatlichung der Branche ins Gespräch. Das berichtet die „Wirtschaftswoche“ in ihrem Onlineportal wiwo.de.

Die Bundesregierung müsse jetzt entscheiden, ob sie diese Schlüsseltechnologie in Deutschland halten wolle, sagte von Zitzewitz dem Magazin am Donnerstag auf den Fraunhofer-Energietagen in Berlin. Dabei sei die Verstaatlichung kein Tabu. Aus eigener Kraft könne sich die Branche kaum sanieren.

Die Produktionskosten seien zwar seit 2009 um 20 Prozent gefallen, die Modulpreise aber mit 41 Prozent mehr als doppelt so schnell. Die Erlöse reichten gerade aus, um die Materialkosten zu decken. Auslöser des dramatischen Preisverfalls sei, dass die weltweiten Produktionskapazitäten mit rund 50 Gigawatt doppelt so hoch seien wie die Nachfrage, so von Zitzewitz weiter.

Andreas von Zitzewitz denkt über eine Verstaatlichung der Solarbranche nach. Pressefoto

Andreas von Zitzewitz denkt über eine Verstaatlichung der Solarbranche nach.

„Der Cash-Flow in der gesamten Industrie ist negativ, niemand verdient derzeit Geld“, sagte der Q-Cells Technik- und Produktionsvorstand. Den Vorwurf, die deutschen Solarunternehmen seien nicht innovativ genug, wies der Manager laut dem Bericht zurück: „Uns fehlt derzeit schlicht das Geld, die Innovationen umzusetzen“.

Von Zitzewitz räumte im Gespräch mit der „Wirtschaftswoche“ auch eigene Fehler ein. So hätten viele Unternehmen in den guten Jahren zu wenig Rücklagen gebildet. Viel zu hohe Fremdfinanzierung sei ebenfalls Schuld an der derzeitigen Lage der Solarindustrie.

Q-Cells aus Bitterfeld-Wolfen (Sachsen-Anhalt) musste am 3. April Insolvenz anmelden. Insolvenzverwalter Henning Schorisch will den Solarkonzern bis zum Spätsommer verkaufen. Schorisch hatte sich zuletzt optimistisch geäußert, dass die Sanierung ohne einen massiven Arbeitsplatzabbau möglich sei. Am Stammsitz von Q-Cells arbeiten 1300 Beschäftigte, weltweit hat der Solarkonzern 2200 Mitarbeiter, davon 500 in Malaysia.

Von

td

Kommentare (5)

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Joker1

11.05.2012, 12:55 Uhr

Die Solarkonzerne sollten mal darüber nachdenken,
etwas intelligenter zu entwickeln.
Nicht nur Solarzellen sind erforderlich, sondern Speicher,
damit Haushalte und Firmen den erzeugten Strom "bunkern"
können. Also Batterien oder sonstige Möglichkeiten, z.B.
Wärmespeicher etc. Wie sagte unsere Bundeskanzlerin immer:
sysgtemisch denken oder so ähnlich und trifft das auch zu!

wilkem

11.05.2012, 13:49 Uhr

Schlüsseltechnologie?
Solarpanels sind Commodity, jederzeit und fast überall herzustellen.
Mit dem Eintritt vieler globaler Anbieter und Ausbau weltweiter Kapazitäten für eine solche Technologie war zu rechnen verbunden mit aggressiven Preiskalkulationen.
Eine Verstaatlichung würde das heutige Desaster in D fortschreiben, mehr nicht. Nein, wettbewerbsfähig zu sein bedeutet, Ihr Produkt und Ihren Service für den Kunden entweder besser und attraktiver zu gestalten oder kostengünstiger herzustellen. Wenn Sie beides nicht aus eigener Kraft können, sind Sie überflüssig.

Zahlmeister

11.05.2012, 14:12 Uhr

Neben dem Bankensozialismus brauchen wir auch noch den Solarsozialismus. Hurra, Hurra, Hurra !!!

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