Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2005

07:24 Uhr

Vorstand will die Dividende erhöhen – Prognose wegen Schneemangels vorsichtig

Gewinnsprung lässt bei Pistenbullys Ruhe einkehren

Der weltgrößte Hersteller von Pistenraupen Kässbohrer Geländefahrzeug AG ist gut in den Winter gestartet. Dabei profitiert das durch den Fahrzeugnamen „Pistenbully“ bekannte Unternehmen vor allem von hohen Investitionen in den Ausbau der Skigebiete in den Alpen.

mwb STUTTGART. „Unser Auftragseingang liegt derzeit um acht Prozent über dem Vorjahr“, sagt Vorstandschef Gebhard Schwarz. Dabei profitiert das durch den Fahrzeugnamen „Pistenbully“ bekannte Unternehmen vor allem von hohen Investitionen in den Ausbau der Skigebiete in den Alpen.

Sorgen bereitet dem Vorstand aber der schneearme Winter. Deshalb bleibt Schwarz in seiner Prognose vorsichtig und erwartet im laufenden Geschäftsjahr 2004/05 (30. September) einen stagnierenden Umsatz und Ertrag.

Die schneereichen vorangegangenen Winter in Europa hatten zu einem Wachstum der Nachfrage um ein Fünftel auf weltweit 1 080 Fahrzeuge geführt. Kässbohrer wuchs im abgelaufenen Geschäftsjahr beim Umsatz um 18 Prozent auf das Rekordniveau 154,4 Mill. Euro. Der Weltmarktanteil der Schwaben hat sich nach eigenen Angaben von 50 auf 54 Prozent erhöht. Neben Kässbohrer gibt es nur noch zwei weltweite Anbieter: Prinoth/Leitner mit 20 Prozent Marktanteil und Camoplast mit 15 Prozent.

Den Jahresüberschuss konnte Kässbohrer mit zehn Mill. Euro mehr als verdoppeln. „Unser Kostensenkungsprogramm hat sich deutlich ausgewirkt“, sagt Finanzchef Rolf Glessing. Die Umsatzsteigerung wurde mit einer konstanten Belegschaft von 430 Beschäftigten bewältigt. Die Effizienzsteigerung um zehn Prozent begründet der Vorstand vor allem mit dem neuen Werk in Laupheim.

Das Ergebnis wäre sogar noch besser ausgefallen, wenn nicht der schwache Dollar mit rund zwei Mill. Euro belastet hätte. Rund 15 Prozent des Umsatzes erzielt Kässbohrer in Nordamerika. „Wir hoffen dass wir die Verunsicherung im Markt durch die Übernahme der Pistenfahrzeugsparte von Bombardier durch Camoplast für uns nutzen können“, sagte Schwarz.

Bei Kässbohrer scheint jetzt wieder Ruhe eingekehrt. Das Unternehmen war in den vergangenen beiden Jahren durch einen Führungsstreit in die Schlagzeilen geraten. Der durch Ratiopharm und den Pharmahandel Phoenix bekannte Unternehmer Adolf Merckle und dessen Familie hatte seine Beteiligung an Kässbohrer auf 51 Prozent der Aktien aufgestockt. Merckle drängte bei der Hauptversammlung vor zwei Jahren den Großaktionär Sparkasse Biberach (40 Prozent) aus dem Aufsichtsrat und ließ sich selbst in das Gremium wählen, in dem jetzt nur noch seine Vertrauten sitzen.

Aktionärsvertreter kritisieren bis heute die einseitige Besetzung des Aufsichtsrates. Merckle feuerte anschließend den damaligen Vorstandschef Hendrik Grobler und ersetzte ihn später durch Gebhard Schwarz. Sparkassenchef Otmar Weigele klagte gegen die Hauptversammlungsbeschlüsse bis zum Oberlandesgericht. Im November 2004 wurde die Klage abgewiesen. Die Sparkasse verzichtete auf weitere Instanzen. „Wir sind mit beiden Großaktionären zufrieden“, sagt Finanzchef Glessing. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Sparkasse Biberach ihre Beteiligung abstoßen wolle. „Wir sind schließlich ein profitables Investment“, sagte Glessing. Für das abgelaufene Geschäftsjahr 2003/04 soll die Dividende von 30 auf 40 Cent erhöht werden. die Aktie notierte gestern bei 16,65 Euro mit zwei Prozent im Minus.

Nicht zufrieden ist Kässbohrer mit dem Geschäftszweig Strandreinigungsfahrzeuge, dessen Umsatz von 4,4 auf 3,5 Mill. Euro sank. Kässbohrer versucht seit Jahren, die Abhängigkeit vom Wintergeschäft zu verringern – bislang erfolglos.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×