Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.02.2017

10:37 Uhr

Vorstandsgehälter bei VW

Mehr Normalität für Volkswagen

VonStefan Menzel

Mit seinem neuen Vergütungssystem ist der VW-Konzern im deutschen Mainstream angekommen. Gezahlt wird künftig das, was auch in anderen Konzernen längst üblich ist. Alle Defizite sind damit aber nicht beseitigt.

Gewinn sprudelt

Volkswagen hakt Dieselgate ab

Gewinn sprudelt: Matthias Müller: „2016 war für Volkswagen ein erfolgreiches Jahr“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

WolfsburgAm Ende ist es dann doch ganz schnell gegangen: Alle Volkswagen-Konzernvorstände haben der Änderung ihrer individuellen Verträge und der Umstellung auf das neue Vergütungssystem zugestimmt. Niemand hätte sich noch ein Nein erlauben können, zu groß war der Druck in der Öffentlichkeit und zusätzlich auch im Aufsichtsrat geworden.

Im obersten Kontrollgremium hatte besonders Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) auf die Umstellung gedrängt. Seine Partei muss den Nachweis erbringen, dass sie überbordenden Gehaltsansprüchen der Vorstände ein Ende setzt. Denn die Sozialdemokraten haben auf Wahlkampfmodus geschaltet. Das Abfindungspaket mit zwölf Millionen Euro, das das SPD-Mitglied Christine Hohmann-Dennhardt nach nur einem Jahr Vorstandszugehörigkeit bei VW bekommen hatte, war im Januar der letzte Weckruf für die Sozialdemokraten in Sachen Vorstandsgehälter.

Das neue Vergütungssystem bei VW

Obergrenze

Der VW-Vorstandschef darf künftig maximal zehn Millionen Euro im Jahr verdienen, für die übrigen Vorstandsmitglieder liegt die Obergrenze bei 5,5 Millionen Euro. Diese Summen könnten aber nur bei einer „herausragenden Unternehmensentwicklung“ erreicht werden, erklärte VW. Das neue System gilt vom Geschäftsjahr 2017 an.

Grundvergütung

In das Fixgehalt fließen auch Vergütungen für die Übernahme von weiteren Ämtern im Konzern, Sachzuwendungen und andere Leistungen wie Dienstwagen ein. Im Zuge der Neuordnung steigt die Grundvergütung laut VW um bis zu 30 Prozent auf 2,125 Millionen Euro für den Vorstandsvorsitzenden und auf 1,35 Millionen für die übrigen Vorstandsmitglieder.

Variable Vergütung

Dabei handelt es sich um eine erfolgsabhängige Bezahlung – in der öffentlichen Debatte sind damit vor allem die umstrittenen „Bonuszahlungen“ gemeint. Im Kern sieht die Reform, dass die Ziele für die variable Vergütung verschärft werden und diese damit sinkt. Künftig richtet sich die jahresbezogene variable Vergütung zur einen Hälfte nach dem operativen Ergebnis: Die Mindesthürde für eine Auszahlung liegt bei 9 Milliarden Euro, statt bisher 5 Milliarden. Zur anderen Hälfte richtet sich die variable Vergütung nach der operativen Umsatzrendite, einer wichtigen Kennziffer in der Bilanz - dabei gibt es eine Hürde von 4 Prozent. Werden beide Ziele verfehlt, soll es keine variable Vergütung geben. Daneben berücksichtigt das neue System die „Transformation“ der Belegschaft in neue Aufgabenfelder wie die Elektromobilität. Weiterhin gibt es zudem individuelle Ziele der einzelnen Vorstandsmitglieder.

Aktienbasierte Vergütung

Künftig gibt es eine sogenannte aktienbasierte langfristige Vergütung. Sie sieht vor, den Vorständen „virtuelle“ Aktien zu gewähren - abhängig vom Gewinn je Aktie sowie von der Entwicklung des Aktienkurses.

Mit dem neuen Vergütungsmodell für die eigenen Vorstände versucht Volkswagen den Anschluss an den Rest der großen Dax-Konzerne. Bislang ist der Wolfsburger Autohersteller vor allem mit überschießenden Vorstandsbezügen aufgefallen. Unvergessen ist das Jahr 2011, als der damalige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn auf einen Schlag mehr als 17 Millionen Euro für sich einstreichen durfte. Ein Jahresgehalt, mit dem sich Winterkorn damals in die Nähe der Bezüge von europäischen Top-Fußballern katapultieren ließ.

Damit ist es jetzt in der Tat bei Volkswagen vorbei. Die Obergrenze für den Vorstandsvorsitzenden liegt bei zehn Millionen Euro jährlich, für das einfache Vorstandsmitglied beträgt das Limit 5,5 Millionen Euro. Mit dieser Bezahlung seines Top-Managements ist der VW-Konzern im deutschen Mainstream angekommen. Die Wolfsburger werden ihren Vorständen in etwa das überweisen, was heute in anderen Großkonzernen üblich ist. SPD-Ministerpräsident Weil kann sich glücklich schätzen, einen öffentlichen Aufschrei über Wolfsburger Gehaltsexzesse wird es so schnell nicht wieder geben.

Mit der Obergrenze allein ist es aber nicht getan. Dazu gehört ein Blick in die Vergangenheit: Wegen der Dieselaffäre hat Volkswagen das Jahr 2015 mit einem Milliardenverlust abgeschlossen. Trotzdem konnten sich die Vorstände über großzügige Überweisungen freuen. Wegen eines Konstruktionsfehlers im bisherigen Vergütungssystem bekamen die VW-Manager wieder die gewohnten Millionen. Die alte Systematik war viel zu sehr auf die Vergangenheit ausgerichtet. Die Vorstände erhielten Boni für Jahre, die weit zurücklagen und in denen noch niemand in Wolfsburg das Wort Dieselbetrug gehört hatte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×