Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

24.02.2017

10:00 Uhr

Vorstandsgehälter

Die Zehn-Millionen-Euro-Frage bei VW

Selbstbedienungsladen VW? Für hohe Gehälter und Bonuszahlungen hat der Konzern viel Prügel einstecken müssen. Nun reagiert das Unternehmen. Aber im Vergleich zu vielen Beschäftigten bleiben die Unterschiede enorm.

Der VW-Chef muss mit einer rabiaten Kürzung rechnen, die im direkten Vergleich zum Normalverbraucher allerdings lächerlich wirkt. AP

Matthias Müller

Der VW-Chef muss mit einer rabiaten Kürzung rechnen, die im direkten Vergleich zum Normalverbraucher allerdings lächerlich wirkt.

Wolfsburg/BerlinHöchstens zehn Millionen Euro. Das soll der Vorstandschef von Volkswagen künftig pro Jahr verdienen dürfen. Für die allermeisten Arbeitnehmer in Deutschland ist das immer noch eine schwindelerregende, schier unvorstellbare Summe. Für den VW-Boss aber bedeutet das sogar eine potenzielle Gehaltskürzung.

Denn es gab schon Zeiten, da erhielt ein Vorstandsvorsitzender beim europäischen Autoprimus 17,5 Millionen Euro – Martin Winterkorn für das Jahr 2011. Das lag vor allem an hohen Bonuszahlungen angesichts von hohen Gewinnen. Die Höhe von Winterkorns Gehalt sorgte seinerzeit für hitzige Diskussionen unter Politikern, Gewerkschaftern und Wirtschaftsethikern.

Die vier Komponenten der VW-Vorstandsgehälter

Fixer Sockel

In den Grundbetrag fließen Vergütungen für die Übernahme von weiteren Ämtern im Konzern, Sachzuwendungen und andere Leistungen wie Dienstwagen ein. Der feste Sockel ist im Verhältnis zu den variablen Gehaltsbestandteilen gering und vertraglich fixiert.

Langfristiger Anreiz

Der Long Term Incentive (LTI) liegt meist über dem Grundgehalt und ist erfolgsabhängig. Bezogen auf die vier Vorjahre flossen zuletzt die Absatz- sowie Renditeentwicklung und die Zufriedenheit von Kunden sowie Mitarbeitern in die Berechnung ein. Der Aufsichtsrat legt die Höhe des LTI-Zielbetrags jedes Jahr neu fest. Wenn die tatsächlichen Werte höher ausfallen als zuvor angenommen, können sich auch Nachzahlungen ergeben.

Boni

Die zweite variable Kategorie sind die eigentlichen Bonuszahlungen. „Der Bonus honoriert eine positive Geschäftsentwicklung des Volkswagen-Konzerns“, hieß es bisher im VW-Geschäftsbericht. Maßgeblich ist hier das operative Ergebnis der vorigen zwei Jahre. Boni fließen nur, wenn Volkswagen mindestens einen Betriebsgewinn von fünf Milliarden Euro verbucht.

Ruhegehalt

Die Altersbezüge richten sich prozentual nach der Grundvergütung und wachsen mit der Dauer der Firmenzugehörigkeit. Allen Vorständen steht im Fall einer regulären Beendigung ihrer Tätigkeit ein Ruhegehalt inklusive Hinterbliebenen-Versorgung sowie für die Dauer des Ruhegehaltes die weitere Nutzung von Dienstwagen zu. Die Leistungen werden mit der Vollendung des 63. Lebensjahres ausgezahlt beziehungsweise zur Verfügung gestellt.

Der amtierende VW-Chef Matthias Müller bekam für 2015 „nur“ etwas mehr als 4 Millionen Euro, was vor allem an den Folgen von „Dieselgate“ lag. Bei einer Sitzung am Freitag will sich der Aufsichtsrat jetzt zu einer Reform der Vergütungen durchringen, wie die Deutsche Presse-Agentur aus dem Konzern erfuhr.

Es geht um Fixbeträge, Jahresboni und Aktienoptionen. Die Botschaft jedoch ist klar: Die durchschnittlichen Vorstandsgehälter sollen sinken. Denn die Kritik an hohen Bonuszahlungen und Millionen-Abfindungen bei Volkswagen wurde zuletzt wieder schärfer - muss doch der Konzern immense Kosten aufbringen, um die Folgen der Abgas-Manipulationen zu begleichen. Und um die Ertragskraft der Kernmarke VW zu stärken, sieht ein Umbauprogramm auch einen Stellenabbau vor - wenngleich es bis Ende 2025 keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll.

Superhohe Gehälter passen bei einer solchen Gemengelage nicht mehr in die Landschaft. Die SPD legte auch mit Blick auf VW einen Vorschlag vor: Firmen sollen die Millionen an ihre Topmanager in geringerem Umfang als Betriebsausgaben steuerlich absetzen können. Mittlerweile können sich Manager selbst für eine Reform erwärmen. So meinte Allianz-Deutschland-Chef Manfred Knof im „Handelsblatt“: „Dass ein erheblicher Teil (der Vergütung) zurückgestellt oder vom nachhaltigen wirtschaftlichen Agieren abhängig gemacht wird, finde ich korrekt.“

Viele Bürger hätten kein Verständnis dafür, dass Vorstände mit riesigen Abfindungen in den Ruhestand geschickt werden oder hohe Gehälter kassierten, selbst wenn das eigene Unternehmen in der Krise stecke, sagte SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann: „Da läuft etwas aus dem Ruder.“ Die Union, die lange gegen eine Änderung war, zeigte sich zur gemeinsamen Lösung bereit. Der Bundestagswahlkampf hat begonnen.

Gehaltsdebatte

SPD: „Es werden unverhältnismäßig hohe Gehälter gezahlt.“

Gehaltsdebatte: SPD: „Es werden unverhältnismäßig hohe Gehälter gezahlt.“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

argusauge

24.02.2017, 12:47 Uhr

Wer glaubt, dass ein Manager freiwillig sein Gehalt/Pension oder sonst was kürzt, glaubt auch, dass ein Zitronenfalter Zitronen faltet.
Das gleiche gilt für Politiker!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×