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22.03.2016

14:49 Uhr

VW-Abgas-Skandal

US-Händler kämpfen für Geldspritzen

Nicht nur Kunden, sondern auch Vertragshändler in den USA fühlen sich vom Volkswagen-Konzern im Abgas-Skandal allein gelassen. Wie stehen die Chancen der Autohändler auf größere Hilfszahlungen?

In den USA gibt es etwa 650 VW-Händler. dpa

VW in den USA

In den USA gibt es etwa 650 VW-Händler.

Wolfsburg/WashingtonDie Volkswagen-Händler in den USA sorgen sich wegen der Folgen der Abgas-Affäre um ihre Perspektiven und fordern Geldspritzen vom Konzern. In der vergangenen Woche besuchte eine Delegation mit dem Vorsitzenden des US-Händlerverbandes, Alan Brown, die Unternehmenszentrale in Wolfsburg. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur lief das Spitzentreffen über zwei Tage. Dabei ging es auch um die Frage, wie Volkswagen künftig seinen US-Händlern in der Abgas-Krise finanziell unter die Arme greift.

Ein VW-Sprecher sagte am Dienstag: „Die Sorgen unserer Partner in den USA nehmen wir ernst und stehen mit ihnen in regelmäßigem Austausch. Die Gespräche verlaufen konstruktiv.“ Auch wegen eines Verkaufsstopps für Diesel steht Volkswagen in den USA unter hohem Druck. Die Februar-Auslieferungen brachten ein Minus von 13 Prozent, für die ersten beiden Monate 2016 lag der Rückgang bei 14 Prozent. Zu Details der Gespräche mit den US-Händlern wollte der Sprecher nichts sagen.

Die juristischen Baustellen von VW

Aktionäre fordern Entschädigung

Die VW-Aktie stürzte nach dem Ausbruch der Abgas-Affäre ab, viele Anleger wollen sich ihre Verluste vom Unternehmen erstatten lassen. Ihr Argument: VW hätte deutlich früher über die Probleme informieren müssen, weil Kursabschläge drohten. Mittlerweile haben auch Großanleger entsprechende Klagen lanciert, darunter der größte US-Pensionsfonds Calpers und die Sparkassen-Fondstochter Deka. Der Vermögensverwalter AGI – eine Allianz-Tochter – erwägt die Teilnahme an einer Sammelklage. VW bekräftigte seine Auffassung, alle Pflichten befolgt zu haben.

Klagen einzelner VW-Besitzer

Weltweit wollen VW-Fahrer Schadenersatz einklagen. Das Landgericht Bochum urteilte in einem ersten deutschen Verfahren zwar, dass die Software-Manipulationen keine Pflicht zur Rücknahme der verkauften Autos nach sich ziehen. Manche Anwälte glauben jedoch, dies müsse noch keine Richtungsentscheidung sein. Enttäuschte VW-Kunden machen einen Wertverlust der Fahrzeuge geltend - etwa falls sich Leistungs- oder Verbrauchsdaten durch die notwendigen Umrüstungen verschlechtern. Volkswagen betonte allerdings mehrfach, alle betroffenen Autos seien „technisch sicher und fahrbereit“.

Sammelklagen

Viele Kanzleien buhlen darum, VW-Aktionäre und -Kunden vor Gericht vertreten zu dürfen. In den USA sind Sammelklagen ganz normal, in Deutschland können zumindest Aktionäre ein sogenanntes Musterverfahren beantragen. Dabei wird eine Klage verhandelt, an deren Ausgang sich dann andere Klagen orientieren. VW-Chef Matthias Müller hält das auch für ein Geschäftsmodell von Juristen: „Wir sehen dem ganz gelassen entgegen.“ Viele Autofahrer in Europa versuchen, ihre Verfahren über eine niederländische Stiftung bündeln zu lassen. Der US-Staranwalt Michael Hausfeld kündigte an, im Namen von Kunden und Unternehmen in Deutschland gegen den Konzern vorgehen zu wollen.

Klagen der US-Behörden

Zum Jahresbeginn hat das US-Justizministerium eine Klage gegen VW vorgelegt. Dabei geht es um die Manipulationen an Dieselautos, dem Konzern werden aber auch Tricksereien und Täuschung in der Aufarbeitung der Affäre vorgeworfen. Theoretisch drohen laut der Klageschrift 45 Milliarden Dollar Strafe plus eine möglicherweise milliardenschwere Zahlung im Ermessen des Gerichts. VW will sich mit Verweis auf die laufenden Verfahren nicht dazu äußern. Berichten zufolge weitete das Ministerium seine Ermittlungen nun auf den Verdacht auf Bankbetrug und mögliche Steuergesetzes-Verstöße aus. Volkswagens US-Chef Michael Horn trat überraschend zurück.

Betrugsanzeigen

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt nach den Manipulationen von Stickoxidwerten gegen inzwischen 17 Beschuldigte wegen Verdachts auf Betrug und unlauteren Wettbewerb. Darunter ist nach wie vor kein Vorstandsmitglied. Gegen mindestens fünf Personen wird seit dem Herbst wegen möglicher CO2-Falschangaben ermittelt. Der Vorwurf lautet hier vor allem auf Steuerhinterziehung, weil sich die deutsche Kfz-Steuer stark am CO2-Ausstoß orientiert. Die Staatsanwaltschaft rechnet damit, dass es noch länger dauert, bis Ergebnisse vorliegen. VW will sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Brown sagte dem US-Portal „Autonews“, dass VW sein US-Händlernetz in den vergangenen sechs Monaten seit dem Ausbruch der Abgas-Krise schon mit Finanzhilfen unterstützt habe und dass es nun um die mögliche Fortschreibung ähnlicher Hilfen gehe. Er rechnete dabei mit einem Vierjahreszeitraum, was pro Händler knapp eine Million Dollar (900.000 Euro) bedeuten würde. VW habe etwa 650 Händler in den USA. Für den 2. April ist dem Bericht zufolge ein Treffen von Händlervertretern und VW-Managern in Las Vegas geplant. Dort sollen mögliche Hilfszahlungen eines der Kernthemen sein.

Der VW-Sprecher betonte, dass der Autobauer weiter auf Wachstum in den Vereinigten Staaten setze. Eine Siebensitzer-Geländelimousine mit dem Arbeitsnamen CrossBlue komme wie geplant zum Ende des Jahres, das Auto soll im Werk Chattanooga (Bundesstaat Tennessee) gebaut werden. VW halte zudem wie vorgesehen an der Langversion des neuen Tiguan fest. Das Fahrzeug soll von 2017 an im VW-Werk Puebla in Mexiko vom Band rollen.

Von

dpa

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