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25.07.2017

07:48 Uhr

VW-Abgasskandal

Müller kanzelt Porsche-Betriebsratschef ab

VW-Chef Matthias Müller übt harte Kritik an Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück. Dieser hatte zuvor gefordert, Vorstände von Audi zu entlassen. Angesichts von Abgasskandal und Kartellverdacht wird der Ton im Konzern rauer.

„Der Aufsichtsrat muss ganz sicher nicht belehrt werden, wie er seine Arbeit zu tun hat.“ dpa

Matthias Müller

„Der Aufsichtsrat muss ganz sicher nicht belehrt werden, wie er seine Arbeit zu tun hat.“

WolfsburgVW-Konzernchef Matthias Müller hat die scharfen Angriffe von Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück gegen die Audi-Chefetage als „alles andere als hilfreich“ zurückgewiesen. „Der Aufsichtsrat muss ganz sicher nicht belehrt werden, wie er seine Arbeit zu tun hat“, sagte Müller, der auch Aufsichtsratschef bei Audi ist, der „Heilbronner Stimme“. Die Art und Weise von Hücks Äußerungen habe nichts mit der Unternehmenskultur im VW-Konzern zu tun: „Wir sollten miteinander reden – und nicht übereinander.“

Hück hatte den Audi-Aufsichtsrat aufgefordert, Vorstände der Schwestermarke wegen des Abgas-Skandals zu entlassen. Porsche habe von Audi „kranke Motoren“ geliefert bekommen. „Ich werde es nicht zulassen, dass Porsche durch Tricksereien von Audi in Gefahr gerät“, hatte Hück der „Bild am Sonntag“ gesagt.

VDA-Chef Matthias Wissmann: „Null-Fehler-Toleranz für Compliance nötig“

VDA-Chef Matthias Wissmann

Premium „Null-Fehler-Toleranz für Compliance nötig“

Matthias Wissmann, Chef des Automobilverbands VDA, spricht im Interview über die Kartellvorwürfe gegen fünf Hersteller, die Krise des Diesels, die Aufarbeitung des VW-Skandals und Wege aus der Misere für die Branche.

Der Schlagabtausch erinnert an eine Reihe von Rundbriefen, bei denen sich im Februar Betriebsrat und Management gegenseitig mit Vorwürfen überzogen hatten.

Auf die Vorwürfe der Kartellabsprachen unter den deutschen Autobauern wollte Müller nicht eingehen. „Zum aktuellen Sachverhalt kann ich nur sagen, dass wir uns zu Spekulationen und Sachverhaltsvermutungen, die auf der Grundlage der öffentlichen Berichterstattung beruhen, nicht äußern“, sagte er der Zeitung. Man arbeite aber kooperativ mit den Behörden zusammen.

So wichtig ist die Autoindustrie für Deutschland

Umsatz

Gemessen am Umsatz ist die Autobranche der mit Abstand bedeutendste Industriezweig in Deutschland: Die Unternehmen erwirtschafteten 2016 einen Umsatz von mehr als 405 Milliarden Euro. Das entspricht rund 23 Prozent des gesamten Industrieumsatzes.

Unternehmen

Mittelständisch geprägte Zulieferer sind für den Großteil der Wertschöpfung – etwa 70 Prozent – verantwortlich. Insgesamt werden mehr als 1300 Unternehmen der Branche zugerechnet.

Beschäftigte

Die Autounternehmen zählen in Deutschland direkt mehr als 800.000 Mitarbeiter. Indirekt sind es viel mehr, da für die Fahrzeugfertigung viele Teile, Komponenten und Rohstoffe zugekauft werden.

Abhängig von Autokonjunktur

Viele Beschäftigte in der chemischen Industrie, der Textilindustrie, bei Maschinenbauern sowie in der Elektro-, Stahl- und Aluminiumindustrie sind abhängig von der Autokonjunktur. Auch Autohändler, Werkstätten und Tankstellen sowie weitere Dienstleister – etwa Versicherer – zählen dazu.

Exporte

Fahrzeuge sind der größte deutsche Exportschlager. Mehr als drei Viertel der in Deutschland hergestellten Pkw werden exportiert: 2016 waren es gut 4,4 Millionen.

Auslandsumsatz

Die Ausfuhren von Kraftwagen und Kraftwagenteilen summierten sich 2016 auf mehr als 228 Milliarden Euro. Das entspricht fast einem Fünftel der gesamten deutschen Exporte. Ein Großteil des Auslandsumsatzes wird in den EU-Ländern erwirtschaftet.

Forschung

Weltweit investierte die deutsche Autoindustrie zuletzt fast 39 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung (FuE). In Deutschland sind es knapp 22 Milliarden Euro, was mehr als ein Drittel der gesamten Ausgaben der heimischen Wirtschaft für Forschung und Entwicklung entspricht.

Mitarbeiter und Patente

Mehr als 110.000 Mitarbeiter sind in den Entwicklungsabteilungen beschäftigt. Von den weltweit 3000 Patenten zum autonomen Fahren entfallen etwa 58 Prozent auf deutsche Firmen.

Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ hatte Daimler vor Volkswagen bei den Kartellbehörden eine Art Selbstanzeige gestellt. Die Reihenfolge ist entscheidend, wenn über mögliche Straferlässe oder -nachlässe entschieden wird. In der Regel kann ein Kronzeuge bei umfassender Preisgabe von Informationen auf deutlich mildere Bußgeldern hoffen. In vielen Fällen wird dem Unternehmen, das zuerst auspackt, eine Strafe sogar komplett erlassen.

Mit Blick auf das Thema Elektromobilität sagte Müller: „Wir werden in Zukunft Elektroautos mit Reichweiten von bis zu 600 Kilometern anbieten können – zum Preis eines vergleichbaren Dieselfahrzeugs.“

Kommentare (6)

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Herr Paul Kersey

25.07.2017, 09:46 Uhr

Ich glaube Vorstand und Aufsichtsrat müssen sehr wohl belehrt werden, wie sie ihren Job zu machen haben, lieber Herr Müller. Jedenfalls nicht so, wie eine korrupte Verbrecherbande. Ein Lob an den Porsche-Betriebsrat!

Herr Rafael Böhm

25.07.2017, 09:58 Uhr

Ich muss Herrn Kersey und Herrn Hück Recht geben.

„Wir sollten miteinander reden – und nicht übereinander.“ ...oh welch' Ironie, welch' misslungene Wortwahl.
Miteinander reden hat ja die letzten Jahrzehnte bei VW und Co. sogar so gut funktioniert, dass es nun bald den Hammer von der EU-Kommission gibt. Sarkasmus-Applaus für Herrn Müller.

G. Nampf

25.07.2017, 11:52 Uhr

"„Wir werden in Zukunft Elektroautos mit Reichweiten von bis zu 600 Kilometern anbieten können – zum Preis eines vergleichbaren Dieselfahrzeugs.“ "

Das hört sich an wie:

"Wir können saubere Diesel bauen."

Das Ergebnis ist hinlänglich bekannt.

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