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25.04.2016

14:26 Uhr

VW-Abgasskandal zum Trotz

Daimler-Chef Zetsche bricht Lanze für Diesel

Trotz des Abgasskandals bei Volkswagen will Daimler am Diesel als Kraftstoff für Autos festhalten. Laut Konzernchef Dieter Zetsche hat sich das Kaufverhalten der Kunden seit der Manipulationen nicht verändert.

Daimler steht zum Dieselkraftstoff. Konzernchef Zetsche betont, Diesel sei wegen der im Vergleich zu Benzin höheren Energiedichte wichtig für die Autobauer, um schärfere Klimavorgaben zu erfüllen. dpa

Abgase

Daimler steht zum Dieselkraftstoff. Konzernchef Zetsche betont, Diesel sei wegen der im Vergleich zu Benzin höheren Energiedichte wichtig für die Autobauer, um schärfere Klimavorgaben zu erfüllen.

PekingDaimler will am Diesel als Kraftstoff für Autos trotz Kritik an Abgasmanipulationen und einer beispiellosen Rückrufaktion fast aller deutschen Hersteller festhalten. Seit dem Aufkommen der Diesel-Affäre bei VW im September habe es keine Veränderungen im Kundenverhalten gegeben, sagte Konzernchef Dieter Zetsche am Montag auf der Automesse in Peking.

Die Verkaufszahlen seien stabil, ein nennenswerter Wechsel zu Benzinern sei nicht zu erkennen. „Im Markt können wir keinen Einfluss in irgendeiner Gestalt feststellen.“

Zetsche betonte, Diesel sei wegen der im Vergleich zu Benzin höheren Energiedichte wichtig für die Autobauer, um schärfere Klimavorgaben zu erfüllen. Denn es sei nicht klar, ob schon bald ausreichend Hybrid- und Elektroautos verkauft werden könnten, um die CO2-Bilanz der Neuwagenflotten nennenswert senken zu können. „Rein sachlich“ wäre es daher kein sinnvoller Schritt, sich vom Diesel zu verabschieden. Fragen von Journalisten ließ Daimler bei einer Presserunde zu dem Thema nicht zu.

Audi, Porsche, Mercedes, VW und Opel rufen wegen überhöhter Abgaswerte europaweit in diesem Jahr 630.000 Autos zurück, um die Abgasreinigung nachzubessern. Daimler ist mit 247.000 Mercedes-Fahrzeugen am stärksten betroffen. Die Fahrzeughersteller ziehen damit Konsequenzen aus den Prüfergebnissen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA), das auf Anordnung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt wegen „Dieselgate“ bei 53 gängigen Modellen aller Hersteller den Stickoxidausstoß (NOx) gemessen hat.

Stunde der Wahrheit bei VW

Was fordert Breyer konkret?

Der Richter erwartet einen Plan zur Umrüstung der etwa 580.000 Dieselwagen, die in den USA von der Affäre um manipulierte Emissionswerte betroffen sind. Er will die Fahrzeuge mit illegal überhöhtem Schadstoff-Ausstoß nicht länger auf US-Straßen sehen. Breyer fordert „spezifische und detaillierte“ Vorschläge, wie die Betrugsprogramme beseitigt werden. Sonst kann er unter Androhung von Strafen anordnen, die betroffenen Autos aus dem Verkehr zu ziehen.

Was ist daran so problematisch?

Eine Umrüstung aller Dieselfahrzeuge gilt als unmöglich, das haben Vertreter der US-Umweltbehörden bereits klargemacht. Vor allem bei den Modelljahren 2009 bis 2013, die veraltete Motoren und den höchsten Abgasausstoß haben, gibt es offenbar keine Lösungen. Ein Ausbau der „defeat device“ genannten Manipulations-Software könnte zudem zulasten anderer Faktoren wie Spritverbrauch oder Motorleistung gehen. Diese Probleme hat VW auch beim Passat-Rückruf in Deutschland.

Gibt es einen Ausweg aus dem Dilemma?

VW könnte diejenigen Diesel zurückkaufen, die nicht repariert werden können. Konzernintern geht man von mindestens 100.000 Wagen aus, doch es könnten auch deutlich mehr werden. Es geht um viel Geld: Entscheidend wären bei einem Rückkauf die Restwerte und die Anzahl der Fahrzeuge – aber die Kosten würden selbst bei einem günstigen Szenario in die Milliarden gehen. Und fraglich ist, ob alle Besitzer ihre Wagen abgeben wollen. Als Alternative zu Rückkäufen gelten deshalb auch Geldauflagen für VW, um die Autos im Betrieb zu halten.

Was kommt sonst noch auf den Konzern zu?

Um eine Einigung mit der EPA zu erzielen, wären weitere teure Zugeständnisse wie die Einrichtung von US-Umweltfonds denkbar. Ansonsten drohen hohe Strafen für Verstöße gegen US-Gesetze. Allein eine Zivilklage des Justizministeriums fordert Bußgelder über 45 Milliarden Dollar (knapp 40 Mrd Euro). Hinzu kommen Hunderte weitere Klagen von Autobesitzern, aber auch von anderen US-Behörden. Bislang hat VW 6,7 Milliarden Euro für „Dieselgate“ beiseite gelegt.

Was wäre daran so gefährlich?

Volkswagens Strategie, mit den privaten Klägern und der US-Regierung Vergleiche zu schließen, würde sich so zerschlagen. Der Konzern setzt bislang alles daran, das riesige Verfahren im vorprozessualen Stadium zu halten und zu nutzen, um außergerichtliche Kompromisse zu erreichen. Dafür hat VW unter anderem den Staranwalt Ken Feinberg angeheuert. Diese Taktik ist durchaus gängig im US-Recht – nur in Ausnahmen kommt es in solchen Fällen wirklich zum Prozess.

Warum steht VW so unter Druck?

Das Unternehmen hat in den USA auch sieben Monate, nachdem der Skandal ins Rollen kam, keine Lösung. Der Geduldsfaden von Richter Breyer ist strapaziert. Zudem haben die VW-Manager wiederholt mit unglücklichen Aussagen für Unmut im Land gesorgt. Vorstandschef Matthias Müller wird vorgeworfen, die Affäre als ein „technisches Problem“ verharmlost zu haben. VW bewegt sich auf sehr dünnem Eis - es droht neben den Zivilklagen auch noch ein strafrechtliches Verfahren, und die US-Justiz ermittelt weiter auf Hochtouren.

Der Daimler-Chef verwies darauf, dass die neue E-Klasse von Mercedes bereits Abgaswerte der nächsten Generation erfülle. Die Schwaben haben viel Geld für die Entwicklung des Motors ausgegeben und wollen die Investitionen nicht einfach in den Wind schreiben. „Wir sind kein Startup, dass sich am Markt Milliarden-Beträge beschaffen kann“, sagte Zetsche. „Wir werden auf längere Sicht unser Geld mit Verbrennungsmotoren verdienen müssen.“

Es habe in den vergangenen drei Jahrzehnten immer wieder Phasen gegeben, in denen der Diesel in der Kritik war.

Gleichzeitig treibe Daimler die Elektromobilität mit neuen Modellen voran, denn diese werde sich langfristig durchsetzen. Daimler wolle bei dieser Entwicklung nicht hinterherlaufen. Der Elektropionier Tesla sei hier zwar bei der Reichweite der Batterien einen Schritt voraus. Dies sei allerdings kein technologischer Vorsprung. Tesla packe nur so viele Batterien ins Auto, "bis es reicht".

Von

rtr

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