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06.01.2016

08:30 Uhr

VW auf der CES

Ein Hauch von Zukunft über dem Dieseldunst

VonChristof Kerkmann

In Las Vegas entwerfen die Autohersteller Visionen zur Zukunft der Mobilität. Das gilt auch für VW, die einen E-Bulli vorstellen. Doch Markenchef Herbert Diess kann auf der CES die Vergangenheit nicht ganz ausblenden.

Der vollelektronische Bulli dürfte für die meisten Autofahrer wie aus der Zukunft hergebeamt wirken. Reuters

Herbert Diess vor dem Budd-e

Der vollelektronische Bulli dürfte für die meisten Autofahrer wie aus der Zukunft hergebeamt wirken.

Las VegasNicht drüber reden – das geht natürlich nicht. Also erledigt Herbert Diess die unangenehme Aufgabe gleich zu Anfang. Die „Angelegenheit mit den Dieselmotoren“ sei nichts, auf das man stolz sei, sagt der Markenchef von Volkswagen. „Wir haben die Kunden und das amerikanische Volk enttäuscht und entschuldigen uns dafür“, liest er vom Teleprompter ab.

Hunderte von Zuschauern schauen ihm schweigend aus dem Halbdunkel des Theatersaals entgegen. Auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas, wo er eine der Eröffnungsreden hält, ist man so viel Demut nicht gewohnt. Doch Diess ist an diesem Dienstagabend nicht gekommen, um über manipulierte Motoren und Ärger mit amerikanischen Behörden zu sprechen.

Auf der Technikshow in Las Vegas entwerfen die Autohersteller Jahr für Jahr ambitioniertere Visionen, wie sie sich die Zukunft der Mobilität vorstellen. Deshalb kann Diess nach dreieinhalb Minuten das lästige Thema hinter sich lassen und versprechen: „Wir erschaffen eine bessere Firma, ein neues Volkswagen.“ Kurz darauf rollt der vollelektrische Bulli Budd-e auf die Bühne. Und im Publikum jubeln etliche.

Es ist ein Auftritt, über den sie sich viele Gedanken gemacht haben in Wolfsburg. Der Dieselskandal ist nicht ausgestanden, erst diese Woche hat das US-Justizministerium den Autohersteller wegen Verstößen gegen das Umweltrecht verklagt. Gleichzeitig ist das Geschäft zwischen San Francisco und New York eingebrochen.

Zwischenzeitlich habe man überlegt, die Keynote abzusagen, lässt Diess durchblicken. Andererseits kann der Konzern positive Presse gebrauchen. Etwa über einen Bulli, der ohne Dieseldunst fährt, womöglich sogar zu den Stränden in Kalifornien, wo der Urahn des Modells als Legende gilt.

Was da auf die Bühne rollt, wirkt für die meisten Autofahrer tatsächlich wie aus der Zukunft hergebeamt. Im Kühlergrill leuchten die LEDs blau, eine Geste lässt die Seitentür aufschweben. „Türgriffe sind so 2016“, witzelt Diess – jetzt macht ihm der Auftritt Spaß.

VW in den USA: Der amerikanische Albtraum

VW in den USA

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GM, Ford und Fiat-Chrysler bauen 2015 ihre Dominanz auf dem Heimatmarkt aus. Auch die Japaner haben ein erfolgreiches Jahr hinter sich. Für VW geht es nach Dieselgate nur noch um Schadensbegrenzung.

Als rollender Computer lässt sich der Bulli mit dem vernetzten Zuhause verbinden: Aus dem Cockpit heraus schaut Diess, was in seinem Kühlschrank ist und wer vor seiner Haustür steht. Noch bedeutender als diese Spielereien aber: Die Akkus sollen 375 Kilometer durchhalten.

Kommentare (15)

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Lothar dM

06.01.2016, 10:27 Uhr

Das Jahr hat gerade erst begonnen, und schon werden wieder bei allen Leitmedien die Kommentarfunktionen massiv eingeschränkt, eingestellt oder sehr meinungsselektiv zensiert. Da haben die guten Vorsätze aber wirklich nicht lange gehalten.

Auch hier bei euch, liebes HB, muss ich leider eine sehr eingeschränkte Dialog-Beteiligung der Leser konstatieren. Ehrlich gesagt, dafür gibt es nur eine 4-, aber auch nur, weil ich nicht zu streng urteilen möchte und vor allem auf Umkehr hoffe.

Vielen Dank schon im voraus für eine mögliche Korrektur dieser unzeitgemäßen Handhabung des Leserdialogs.

Lothar dM

06.01.2016, 10:30 Uhr

Angela Merkel immer weiter entfernt von der Realität.

Aufmacher in der dwn heute:

Völlig abgehoben: Angela Merkel lebt in einer anderen Welt
Angela Merkel hat sich weder zum Terror-Alarm in München noch zu den Gewalt-Exzessen in Köln öffentlich und persönlich geäußert. Stattdessen forderte sie im Bundeskanzleramt von den Deutschen, sich „überraschen“ zu lassen – in einer Welt, die sie gerne bunt sehen möchte. Merkel zeigt ein kolossales politisches Versagen als Kanzlerin in einem Land, das seit der Silvesternacht ein anderes geworden ist.

Wer am Dienstag auf ein klares oder wenigstens mitfühlendes Wort der Kanzlerin zum Terror-Alarm in München oder zu den Gewaltexzessen in Köln gewartet hat, wurde enttäuscht. Beide Ereignisse liegen fünf Tage zurück, und haben sich nicht in Burkina Faso oder in Finnland ereignet, sondern in zwei der wichtigsten Metropolen Deutschlands.

Der einzige offizielle O-Ton, den es von Merkel an diesem Tag gab, stammt von Merkels Begegnung mit den Sternsingern im Bundeskanzleramt. Dort sagte die Bundeskanzlerin:

„Das Wort Respekt…stammt aus der lateinischen Sprache. Darin steckt das Verb „spectare“. Es bedeutet: hinsehen, sich etwas anschauen. Das heißt, ich muss erst einmal offen sein, mir etwas Neues anzuschauen – einen Menschen, einen Gegenstand. Wenn ich mir einen Menschen anschaue, dann muss ich bereit sein, mich überraschen zu lassen und etwas zu entdecken, was ich bisher noch nicht gekannt habe. Ich muss dann auch bereit sein, dass man auch mich anschaut und dass auch ich Gegenstand einer Betrachtung bin. Dann kann ich nicht einfach weggucken, nach unten gucken oder die Augen schließen, sondern dann guckt man sich an und weicht den Blicken nicht aus.“


Was ist mit dieser Frau los???

Frau Anna Rudholzer

06.01.2016, 10:44 Uhr

Sehr erfreulich, dass die USA als größter Umweltverschmutzer weltweit mit 16 Tonnen CO²-Ausstoss pro Kopf gerechnet (EU 6,8 Tonnen) endlich konsequent Umweltschutzmaßnahmen einleiten.
Zumindest beginnen sie mal bei betrügerischen Automobilimporteuren, obendrein bringt es auch noch reichlich Geld für die Staatskasse und stützt die eigene Automobilndustrie.

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