Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.05.2016

17:19 Uhr

VW-Aufsichtsrat tagt in Wolfsburg

Die Vertrauensfrage für das Management

VonAndreas Dörnfelder, Dieter Fockenbrock, Martin Murphy

Ein Krisen-Zeugnis für den Vorstand und pikante Personalien: Die heutige Aufsichtsratssitzung bei Europas größtem Autobauer Volkswagen in Wolfsburg hat eine brisante Tagesordnung. Vor allem für einen.

Wird der Aufsichtsrat entlastet, oder nicht? dpa

Volkswagen

Wird der Aufsichtsrat entlastet, oder nicht?

Hans Dieter Pötsch hat eine undankbare Aufgabe. Wenn an diesem Dienstagabend unter seiner Führung der VW-Aufsichtsrat in Wolfsburg tagt, steht viel auf dem Spiel. Es geht um die Frage, was die Kontrolleure den Aktionären empfehlen, wenn diese am 22. Juni in Hannover zur wohl turbulentesten Hauptversammlung der Konzerngeschichte zusammenkommen.

Sollen die Anteilseigner dem VW-Vorstand trotz Dieselskandals die Entlastung erteilen, also das Vertrauen aussprechen? Oder rät der Aufsichtsrat dazu, die Entlastung zu verweigern? Das käme einem Vertrauensentzug gleich und wirkt für die ohnehin nervösen Anleger an den Kapitalmärkten wie ein erneutes Alarmsignal.

Für Pötsch ist die Frage besonders brisant. Es geht dabei nicht zuletzt um ihn selbst. Denn bevor er im Oktober zum obersten Aufseher über den Autohersteller wurde, war er Finanzvorstand von Volkswagen. Einige Investoren kritisierten den Wechsel damals heftig. Denn bislang ist nicht abschließend geklärt, ob er oder einzelne Vorstände etwas von der millionenfachen Manipulation an Dieselmotoren wussten oder sogar daran beteiligt waren.

Sollen die Anteilseigner den VW-Vorstand trotz des Dieselskandals entlasten?

Die Frage nach der Empfehlung für die Aktionäre ist so bedeutend, dass sich der Aufsichtsrat dabei rechtlich beraten lässt. Nach Informationen des Handelsblatts analysiert die Kanzlei Gleiss Lutz, ob beziehungsweise wie eine Entlastung des Vorstandes möglich ist. Für die erst im vergangenen Jahr in den Vorstand beförderten Mitglieder steht das außer Frage, weil für sie eine Beteiligung an dem Abgasbetrug nicht in Betracht kommt. Dies trifft auch auf den erst seit rund einem halben Jahr amtierenden VW-Chef Matthias Müller zu. Der Skandal nahm seinen Anfang 2006.

Für langjährige Vorstände wie Müllers Vorgänger Martin Winterkorn fällt die Entscheidung in der Vertrauensfrage indes deutlich schwerer. In einem Rechtsstreit hatte VW kürzlich Dokumente publiziert, aus denen hervorgeht, dass Winterkorn immer wieder über die Ermittlungen der US-Umweltbehörden informiert wurde. Da aber die internen Ermittler keine Belege für eine Beteiligung von Winterkorn an den Abgasmanipulationen gefunden haben, könnte auch er entlastet werden, wie es im Konzern heißt. Einem solchen Vorschlag müsste aber das US-Justizministerium zustimmen, das gegen Volkswagen wegen der Dieselaffäre ermittelt.

Um sich abzusichern, könnten Vorstand und Aufsichtsrat eine Empfehlung für eine Entlastung einschränken. Sollte im Verlauf der Ermittlungen noch Belastendes gefunden werden, würde die Entlastung hinfällig. Denkbar wäre auch, dass die Entlastung zunächst vertagt wird. Allein die Zeit drängt: Die Empfehlung muss in der Tagesordnung veröffentlicht werden. Und die soll schon am kommenden Donnerstag für jedermann im Bundesanzeiger abrufbar sein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×