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10.01.2007

10:01 Uhr

VW-Aufsichtsratschef

Ferdinand Piëch: Alles unter Kontrolle

VonMartin Buchenau (Matthias Eberle und Josef Hofmann)

Auf der Motorshow in Detroit kann man sie erleben: die neue Harmonie „made in Wolfsburg“. Selbst den neuen Betriebsratschef Bernd Osterloh hat Machtmensch Ferdinand Piëch bereits fest im Griff. Wenige Monate vor seinem 70. Geburtstag ist er präsenter und vor allem mächtiger als jemals zuvor. Eine Handelsblatt-Reportage.

VW-Chef Martin Winterkorn (links) und Aufsichtsratschef Ferdinand Piech in Detroit. Foto: ap ap

VW-Chef Martin Winterkorn (links) und Aufsichtsratschef Ferdinand Piech in Detroit. Foto: ap

DETROIT. Als Audi sein neues 500-PS-Kraftpaket Q7 vorstellt, sitzt Piëch in der ersten Reihe und lauscht mit zufriedener Miene Popstar Seal bei seinem Song „Fly like a Diesel“. Drei Plätze daneben sitzt Gesamtbetriebsratsvorsitzender Bernd Osterloh. Zuvor hat der schmächtige Mann im klassischen Nadelstreifenanzug gemeinsam mit dem neuen VW-Konzernchef Martin Winterkorn den Stand des Branchenvorbildes Toyota inspiziert, bei der Porsche-Inszenierung des neuen Cayenne nimmt Piëch einen der mit silbernen Schildern reservierten VIP-Plätze in der ersten Reihe ein. Die Motorshow in Detroit, die für die Branche so wichtige Automobilmesse, bringt es an den Tag: Ferdinand Piëch, Aufsichtsratsvorsitzender von Volkswagen, ist zurück.

Wenige Monate vor seinem 70. Geburtstag ist er präsenter und vor allem mächtiger als jemals zuvor. Hätte statt Heidi-Klum-Ehemann Seal der Deutsch-Rocker Marius Müller-Westernhagen den Piëch-Auftritt begleitet, die Hymne auf den wahrscheinlich mächtigsten Mann der weltweiten Automobilindustrie wäre schon fertig gewesen: „Ich bin wieder hier – in meinem Revier. War nie wirklich weg – hab’ mich nur versteckt.“

Sein Revier, das ist für den Enkel von Automobilpionier Ferdinand Porsche seit jeher die Macht. Seine Bühne sind die beiden Automobilunternehmen Porsche und VW und das milliardenschwere Salzburger Automobilhandelsunternehmen Porsche Holding, an dem er wie bei dem Stuttgarter Sportwagenhersteller gemeinsam mit seiner Familie das Sagen hat. Seine Markenzeichen sind Ehrgeiz, Härte und Technikverliebtheit.

In Detroit lässt er es sich nicht nehmen, italienischen Messebesuchern auf dem Audi-Stand höchstpersönlich zu erklären, dass das Spaltmaß an der Motorhaube des Geländewagens Q7 nur deshalb so groß erscheine, weil das Ausstellungsstück schneeweiß lackiert ist: „Beim schwarzen Modell sieht man das nicht“, lächelt der Porsche-Enkel. Zuhause nannten sie ihn einst liebevoll „Burli“, heute kann er bei gestandenen Managern und Ingenieuren Angst und Schrecken verbreiten. Als Piëch auch noch die Bremsen eines Audis genau inspiziert, halten die Audi-Leute den Atem an. Der Mann ist besessen, sagen seine Kritiker, leidenschaftlich nennen es die, die ihm wohlgesinnt sind.

Die deutsche Autobranche wundert sich weniger über diese Machtdemonstration der seltenen Art als vielmehr über die neue Harmonie „made in Wolfsburg“, die ein Mann zur Schau stellt, der in seiner Biografie geschrieben hat, dass es unmöglich sei, „eine Firma auf der höchsten Harmoniestufe an die Spitze zu bringen“.

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