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27.11.2015

16:13 Uhr

VW-Betriebsrat Bernd Osterloh

Moderate Sätze des sonst so Wortgewaltigen

VonMartin Murphy, Christian Schnell

Betriebsrat Bernd Osterloh hat das Management lange angetrieben, kritisiert und dabei stets polarisiert. Obwohl er in der VW-Krise versöhnliche Worte findet, fordert er, auch die Vorstände müssten auf Gehalt verzichten.

Bernd Osterloh ist als Betriebsratsvorsitzender auch Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen. Zeitweise wurde er als Kandidat für den Posten des Personalvorstandes gehandelt. dpa

Bernd Osterloh

Bernd Osterloh ist als Betriebsratsvorsitzender auch Aufsichtsratsmitglied bei Volkswagen. Zeitweise wurde er als Kandidat für den Posten des Personalvorstandes gehandelt.

WolfsburgWenn Bernd Osterloh, der mächtige Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Volkswagen, zum jährlichen Pressegespräch lädt, dann haben knackige Aussagen quasi Tradition. Vor zwei Jahren nannte er die dürftigen Verkaufszahlen der Marke VW in den USA „eine Katastrophenveranstaltung“. Im vergangenen Jahr vertrat er die Ansicht, dass bei mehr „Disziplin“ mehr als die vom damaligen Vorstandschef Martin Winterkorn veranschlagten fünf Milliarden Euro an Einsparpotenzial drin wären.

Der Abgasskandal hat nun die Lage in den USA erst zu einer großen Katastrophe gemacht. Und der Zwang zu sparen ist nun pure Notwendigkeit. Osterloh, der Hüne mit dem kahl rasierten Schädel und dem festen Händedruck, haut diesmal nicht in die doch so zahlreichen Kerben. So kurios es auch klingen mag: Die Krise hat manches in seine Richtung hin beschleunigt.

Vorschläge für effizientere Abläufe werden so plötzlich aufgegriffen, was in Zeiten stetig wachsenden Erfolges womöglich an der eigenen Selbstgefälligkeit im Unternehmen gescheitert wäre. Den berühmten „Ordner“, ein Sammelwerk von gut 4.000 Vorschlägen aus der Belegschaft, hatte der oberste Arbeitnehmerführer im Herbst vor einem Jahr an das damalige Top-Management übergeben. „Die Verbesserungsvorschläge laufen mit dem jetzigen Vorstand besser“, so Osterloh. Insgesamt 1,9 Milliarden Euro betrugen allein bei der Marke VW die Einsparungen in den vergangenen 14 Monaten.

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Transparenz, Offenheit, Mut hatte sich VW nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals auf die Fahnen geschrieben. Die Realität sieht anders aus: Erst, wenn Leugnen unmöglich ist, folgt die Beichte – eine nach der anderen.

Dabei ist schon seit einiger Zeit bekannt, dass im ersten Jahr, in dem die Geschäfte vor dem Skandal noch sehr gut liefen, lediglich die Dinge angefasst wurden, die niemandem so richtig weh tun. Das dürfte sich künftig bei weiterem Sparzwang ändern. „Das darf jedoch nicht auf Kosten der Belegschaft gehen“, schiebt Osterloh gleich mal einen Riegel vor.

Auf die kommen in nächster Zeit ohnehin Einschränkungen zu. Der Bonus, der im vergangenen Jahr für die gut 120.000 Mitarbeiter, die nach Konzerntarifvertrag bezahlt werden, noch bei jeweils 5 900 Euro lag, dürfte wohl diesmal geringer ausfallen. Osterloh geht deswegen in die Offensive. Als eine „moralische Verpflichtung“ betrachtet er es für den Vorstand, dass der sich demnächst auch zu Einsparungen bei den Boni erklärt. Immerhin hatte der vorherige Vorstandschef Martin Winterkorn im vergangenen Jahr – bedingt durch etliche Bonitöpfe – noch knapp 16 Millionen Euro verdient. Seine Vorstandskollegen kamen auf Zahlungen zwischen sechs und sieben Millionen Euro. Das dürfte diesmal weniger werden.

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