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22.01.2014

16:16 Uhr

VW-Betriebsratschef Osterloh

„Unser US-Geschäft ist eine Katastrophe“

VW-Betriebsratschef übt massive Kritik an der Strategie des deutschen Autoriesen in den USA. Man könne den Markt nicht von Wolfsburg aus steuern. Nun müsse der Konzern dringend neue Modelle an den Start bringen.

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WolfsburgVW-Betriebsratschef Bernd Osterloh hat die Konzernführung wegen der Probleme in den USA kritisiert. Das Management habe den Wettbewerb auf dem nach China weltweit zweitgrößten Automarkt unterschätzt und biete dort zu wenige Fahrzeugtypen an, um in der scharfen Konkurrenz mitzuhalten, sagte Osterloh am Mittwoch in Wolfsburg. Aus Sicht der Arbeitnehmer sei das Geschäft in den USA eine „Katastrophenveranstaltung“ für Volkswagen. Osterlohs Worte haben in Wolfsburg besonderes Gewicht, da er im einflussreichen Präsidium des Aufsichtsrates sitzt. Auch der neue US-Chef von Volkswagen, Michael Horn, hatte einen Sinneswandel in Wolfsburg angemahnt, um in den USA in die Erfolgsspur zurückzufinden.

Als wichtigen Grund für das schlechte Abschneiden in den USA nannte Osterloh im Gespräch mit Journalisten die zentralistische Organisation von Volkswagen, bei der alles von der Zentrale in Niedersachsen entschieden werde. Dadurch seien die Entscheidungswege zu lang. Volkswagen hatte den für die USA geplanten großen Geländewagen vor einem Jahr auf der Detroiter Automesse präsentiert. Wo der „CrossBlue“ vom Band rollen wird, wenn er in zwei Jahren auf den Markt kommt, ist noch nicht entschieden. „Was mich bewegt, ist, ob einige Leute glauben, dass alles von Wolfsburg aus gesteuert werden kann“, sagte Osterloh. Während es VW in China und Westeuropa gelungen sei, die Konkurrenten zu überholen, habe der Konzern den Markt in den USA offenbar nicht verstanden.

Autos müssten für den jeweiligen Markt entwickelt und nicht von Wolfsburg aus gedacht werden. „Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das bei uns anders ist“, sagte Osterloh. Er sprach sich dafür aus, neben dem geplanten siebensitzigen Geländewagen auch einen Pick-up auf den US-Markt zu bringen. „Wir brauchen mehr als vier Modelle, die in Nordamerika gebaut werden.“ VW exportiert den kompakten Jetta und den Käfer-Nachfolger Beetle aus Puebla in Mexiko in die USA. Die Fabrik in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee, wo bislang nur der US-Passat gebaut wird, ist nicht ausgelastet.

Die USA sind für Volkswagen ein wichtiger Baustein auf dem Weg an die Weltmarktspitze. Die Wolfsburger wollen in den nächsten Jahren weltweit an den Rivalen GM und Toyota vorbeiziehen und sich die begehrte Krone in der Welt-Auto-Liga schnappen. Während der Konzern in China und Europa bereits stark ist, war er nach anfänglichen Erfolgen in Nordamerika zuletzt aus dem Tritt gekommen. Die Verkaufszahlen des US-Passat sinken seit einem Jahr, weil die Platzhirsche von General Motors bis Toyota reagiert haben und ihre Fahrzeuge zu günstigeren Preisen und mit besserer Ausstattung anbieten als Volkswagen.

Die besten Autokonzerne im US-Qualitätsranking

Platz 20

Lincoln (USA)

Die Nobeltochter von Ford schneidet ebenfalls besser ab als der Mutterkonzern. Mit 107 Beschwerden auf 100 Neuwagen ist die Qualität aber immer noch weit von der Spitze entfernt.

Platz 19

Kia (Korea)

Die Koreaner gehören zu den am stärksten wachsenden Autokonzernen der Welt. In der Qualität schlägt sich das bisher noch nicht nieder. 107 Beschwerden auf 100 Neuwagen lassen noch viel Luft nach oben.

Platz 18

Hyundai (Korea)

Auch der koreanische Mutterkonzern von Kia kommt im US-Qualitätsranking auf einen Mittelfeldplatz. 107 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind unterdurchschnittlich.

Platz 17

Buick (USA)

Die goldenen Zeiten der General-Motors-Tochter liegen in der Vergangenheit. Auch im US-Qualitätsranking ist die Marke Mittelmaß. 106 Beschwerden auf 100 Neuwagen sind nahe dem Durchschnitt.

Platz 16

Audi (Deutschland)

Von den drei deutschen Premiumherstellern schneidet die Marke aus Ingolstadt am schlechtesten ab. Das Ergebnis ist mit 105 Beschwerden auf 100 Neuwagen sogar leicht unterdurchschnittlich.

Platz 15

Chevrolet (USA)

International will GM die Marke massiv ausbauen. In den Augen der US-Verbraucher hat die Marke eine mittelmäßige Qualität. Sie kommt auf 100 Beschwerden auf 100 Neuwagen.

Platz 14

Ram (USA)

Die Chrysler-Tochter ist ein Ableger des berühmten Dodge-Modells Ram. Erstaunlicherweise schneidet die Marke im Qualitätsranking aber deutlich besser ab. 99 Beschwerden auf 100 Neuwagen reichen für das obere Drittel.

Platz 13

Nissan (Japan)
Mit dem Nissan Leaf gehörten die Japaner zu den ersten Autoherstellern, die in den USA ein reines Elektroauto an den Start brachten. Im Qualitätsranking verpassen sie die Top Ten mit 99 Beschwerden auf 100 Neufahrzeuge nur knapp.

Platz 12

GMC (USA)

Die US-Geländewagen drängen auf den europäischen Markt. Die US-Verbraucher schätzen die GM-Tochter für ihre Qualität. Sie kommt ebenfalls auf 99 Ausfälle auf 100 Neuwagen.

Platz 11

Mazda (Japan)

Einst führte der US-Hersteller die Japaner aus der Krise. In der Qualität führen sie mittlerweile den Retter vor. Mit 97 Beschwerden auf 100 Neuwagen verpassen sie einen einstelligen Platz nur knapp.

Platz 10

BMW (Deutschland)

Die Münchener gehören zu den großen Gewinnern im diesjährigen Qualitätsranking und machen vier Plätze gut. Mit 97 Problemen auf 100 Neufahrzeuge schaffen sie erstmals den Sprung in die Top Ten.

Platz 9

Mercedes-Benz (Deutschland)

Der große Konkurrent Mercedes gehört dagegen zu den den großen Verlierern, auch wenn der Platz in der Top Ten verteidigt werden konnte. Im Ranking rutschen die Stuttgartern mit 96 Beschwerden von vierten auf den neunten Platz ab.

Platz 8

Toyota (Japan)

Auch den Japanern eilt der Qualitätsruf voraus. Zurecht, wie das Ranking zeigt. 88 Probleme auf 100 Neuwagen sind ein Wert, der deutlich besser ist als der Durchschnitt.

Platz 7

Infiniti (Japan)

Auf dem europäischen Markt hat Nissans Nobelmarke keine Chance, in den USA kommt die Marke besser ins Rollen. 84 Probleme auf 100 Neuzulassungen sind ein Spitzenwert.

Platz 6

Acura (Japan)

Auch die in Europa eher unbekannte Nobelmarke von Honda schneidet im Ranking gut ab. Sie kommt ebenfalls auf 84 Probleme bei 100 Neuwagen.

Platz 5

Honda (Japan)

Der zweitbeste asiatische Autohersteller im Ranking ist auch einer der führenden Motorenhersteller. Die US-Verbraucher bewerten die Modelle als sehr zuverlässig. Auf 100 Neuwagen kommen nur 83 Probleme.

Platz 4

Cadillac (USA)

Die GM-Tochter ist der härteste Wettbewerber der Ford-Tochter Lincoln, schneidet im Qualitätsvergleich aber deutlich besser ab. 80 Ausfälle pro 100 Neuwagen sind ein Wert, mit dem Cadillac das Treppchen nur knapp verpasst.

Platz 3

Porsche (Deutschland)

In Zuffenhausen können die Korken knallen. Der Sportwagenbauer ist erneut die beste deutsche Marke im Qualitätsranking und verpasst die Spitze nur knapp. 75 Probleme pro 100 Neuwagen sind ein sehr guter Wert.

Platz 2

Jaguar (Großbritannien)

Die britische Traditionsmarke gehört mittlerweile zum indischen Autobauer Tata Motors. Auf die Qualität hat das offenbar keine Auswirkungen. 75 Ausfälle pro 100 Neuwagen reichen für einen Platz an der Spitze.

Platz 1

Lexus (Japan)

Die Krone im Qualitätsranking geht an die Nobeltochter von Toyota. Keine Marke schneidet bei den US-Verbrauchern besser ab. 73 Beschwerden auf 100 Neuwagen liegen deutlich unter dem Durchschnitt.

Von

rtr

Kommentare (9)

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HaetteHaetteSteuerkette

22.01.2014, 16:39 Uhr

Hinzu kommen noch Totalschäden an den neuen Motoren
diverser Modelle wegen einer defekten Steuerkette, gepaart
mit einem Produktionsengpass für Ersatzmotoren.
Sie dürfen weiter träumen von der Nummer 1......

Die Devise muß heißen :

- erst Qualität, dann kommt auch der Umsatz.
- verursacht man einen Schaden, wälzt man das nicht auf den Kunden ab.

Account gelöscht!

22.01.2014, 16:58 Uhr

Man möge mal die zig-Milliarden auflisten, die Volkswagen bis jetzt mit seinen Fabriken in usa angefahren hat- seit Hahns Zeiten immer nur teure Fehlschläge.

Schon richtig, daß der us-Käufer diese Hecklappen Autos nicht mag... da muß man Geländewagen und pickups anbieten. Und die hier produzieren, dann sind die besser als Chevrolet und Co. und kommen, trotz höherer Preise, in den Markt. So, wie Audi und Mercedes und BMW.

Individualverantwortung

22.01.2014, 18:23 Uhr

„Der Wurm muss dem Fisch schmecken und nicht dem Angler. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das bei uns anders ist“.

Was für ein miserables sprachliches Bild! Und sehr entlarvend. Botschaft: Ein Auto zu besitzen macht heute in Ballungszentren immer weniger Sinn, aber mittels Mrd. Euros in Marketing und Absatzförderung wird der Wurm „schmackhaft gemacht“.

Die bessere Alternativen: http://www.dradiowissen.de/mobilitaet-fahr-doch.33.de.html?dram:article_id=275143

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