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21.02.2017

07:58 Uhr

VW-Betriebsversammlung

Der Dauerstreit in Wolfsburg geht weiter

Im VW-Stammwerk Wolfsburg ist heute mal wieder Betriebsversammlung. Diese dürfte zur Bühne für den Betriebsrat und dessen Managerschelte werden. Wann findet der Grabenkrieg bei Volkswagen endlich ein Ende?

Volkswagen in der Krise

Vom Zukunftspakt zum Streitpakt –Hierüber zofft sich die VW-Führung

Volkswagen in der Krise: Vom Zukunftspakt zum Streitpakt –Hierüber zofft sich die VW-Führung

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WolfsburgIm Fußball würde man sagen: Dieser Verein ist untrainierbar. Streitende Funktionäre, verunsicherte Spieler und jetzt grätscht auch noch der ehemalige Vereinspräsident dazwischen. Volkswagen ist zwar kein Fußballclub, sondern ein Konzern mit 625.000 Beschäftigten. Dennoch kommt es bei Europas größtem Autobauer immer wieder zu Rudelbildung.

Als gäbe es bei VW nicht ohnehin genug Probleme, keilt seit kurzem der Betriebsrat immer wieder öffentlich gegen das Management der VW-Kernmarke aus. An diesem Dienstag dürfte es Betriebsratschef Bernd Osterloh einmal mehr krachen lassen.

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Statt geschlossen aufzutreten, fallen bei VW Betriebsrat und Management übereinander her.

Im Stammwerk in Wolfsburg ist Betriebsversammlung. Osterloh wird erneut gegen seinen Lieblingsfeind wettern: den Chef der ertragsschwachen Kernmarke VW, Herbert Diess. Aber auch Diess will wohl vor den Werkern sprechen. Der Manager gilt als Kostenkiller, als beharrlicher Kämpfer, der nicht locker lässt.

Im November erst rauften sich die Streithähne zusammen, um einen Sparpakt zu verkünden: Bis zu 30.000 Stellen fallen bis 2025 weg, 23.000 davon in Deutschland. Auf der anderen Seite sollen Tausende neue Stellen in Zukunftsbereichen wie Software und mobilen Dienstleistungen entstehen. Doch nach der mühsamen Einigung rummst es wenige Wochen später schon wieder gewaltig.

Der Betriebsrat schlägt Alarm: Diess betreibe Wortbruch, sei „unsozial“. Das Unternehmen übt sich eher in Zurückhaltung, Diess wolle eine „sachliche Klärung“, Personalchef Karlheinz Blessing sprach von „Missverständnissen“. Wohl auch deswegen, weil man schneller Leiharbeiter abbauen will als es sich der Betriebsrat in den Verhandlungen zum Sparpakt notiert hat. Nach außen sieht es schließlich nicht gerade nach Sparen aus, wenn die Mitarbeiterzahlen erst einmal deutlich in die Höhe gehen.

Was der Zukunftspakt für die VW-Standorte bedeutet

Wolfsburg

Bis 2020 sollen am Stammsitz rund 1000 Arbeitsplätze in Zukunftsfeldern entstehen. Der nächste Golf 8 für die USA soll in Wolfsburg gefertigt werden, außerdem ein SUV für die spanische Tochter Seat. In anderen Bereichen läuft die Fertigung bis 2022 aus – unter anderem beim Lenkstangenrohr und der Räderfertigung.

Kassel

Das größte Teilewerk des Konzerns soll im VW-Konzern das Leitwerk für den Elektro-Antriebsstrang werden – samt Entwicklungsaufgaben. Zudem sollen in Nordhessen auch mehr Ersatzteile gefertigt werden.

Salzgitter

Das Motorenwerk in Salzgitter gilt als einer der Verlierer aufkommender E-Antriebe. Der Standort soll daher die Federführung bei der Entwicklung von Batteriezelltechnologien erhalten und – soweit wirtschaftlich tragbar – auch die Serienfertigung der Zellen. Die Produktion von Hauptkomponenten für E-Motoren soll sich Salzgitter mit Kassel teilen.

Emden

Ab 2019 soll Emden ein viertes Modell bekommen, um die Auslastung des Werkes an der Küste zu sichern. Im Zuge der Abgasaffäre hatte VW im März angekündigt, die Verträge von 2150 Leiharbeitern nicht zu verlängern.

Hannover

Die Gießerei und der Bereich Wärmetauscher standen auf dem Prüfstand, bleiben aber erhalten und sollen auch Komponenten für die E-Antriebe der Zukunft liefern. Zudem wird in der Gießerei der 3D-Druck von Teilen angesiedelt. In beiden Bereichen fallen jedoch Stellen weg.

Braunschweig

Das Werk bekommt die Entwicklung für Batteriesysteme in den Produktionsbaukästen des Konzerns sowie die Montage von einigen Batterien. Zudem soll die Produktion von Lenkungen ausgebaut werden. Die Kunststofffertigung wird dagegen bis 2021 eingestellt, auch Fahrwerke werden wohl Arbeit verlieren.

Zwickau

Neue Golf-Modelle sollen auch weiter in Zwickau gebaut werden, zudem soll das Werk ein Elektromodell erhalten. Dennoch wird die Zahl der Beschäftigten sinken.

Der Streit eskaliert immer mehr: Zunächst sickerten Notizen von Diess durch, wonach er sich nach der Gewerkschaftsmitgliedschaft von einigen Managern erkundigte. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann gab sich sofort alarmiert: Gewerkschaftsangehörigkeit dürfe nicht zum Hindernis für die Karriere werden. Diess wiederum sagte der „Bild“-Zeitung, womöglich komme bei VW besser voran, wer in der IG Metall sei - und das könne nun auch nicht sein.

Es ist ein heikles Thema in Wolfsburg. Die Arbeitnehmervertreter haben hier auch aus historischen Gründen eine ungewöhnlich starke Stellung. Das Unternehmen wurde schließlich von den Nazis aus enteignetem Gewerkschaftsvermögen gegründet.

Kommentare (2)

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Herr Franz Paul

21.02.2017, 09:20 Uhr

Wenn die Herrschaften Betriebsräte wieder so wie früher zum Fi.... nach Brasilien jetten dürfen, werden sie wohl wieder etwas ausgeglichener sein.

Herr Peter Müller

21.02.2017, 18:18 Uhr

Es zeigt sich mal wieder, dass sich ohne Zerschlagung des Konzerns keine Änderung im Denken der Führungsmanschaft und der Mitarbeiter einstellt. Eine Prämie von knapp 3000 Euro in diesem katastrophalen Zeitabschnitt entbehrt jeder Grundlage:


http://m.waz-online.de/VW/Aktuell/Erfolgsbeteiligung-VW-zahlt-2905-Euro-Praemie

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